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Mittelerde & andere phantastische Welten » Die Gaukler-Stube » Die Rinde * * * * # 25 * * *

Kelis

Nebelläuferin

Re: Die Rinde ~~21.6. Vormittag ~~ [Re: Calimar]

Shiv, der den allzu bekannten Geruch trotz seiner Erfahrung damit unerträglich fand, schüttelte den Kopf. "Nein..." Diesmal tränkte er seinen Mundschutz mit einer Flüssigkeit, die wenigstens etwas half, den Verwesungsgeruch zu überdecken und gab das Fläschchen dann an Èamon weiter.
"Am besten... durchsuchen wir alle Häuser einzeln." schlug er halb fragend vor. Zumindest erschien ihm das wie ein logischer Plan, auch wenn er sich zu der tatsächlichen Durchsetzung noch nicht durchringen konnte. Nicht wegen des Gestanks oder wegen des Anblicks der Leichen, sondern wegen der Gewissheit, dass sie wahrscheinlich keine Überlebenden finden würden.
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Calimar

Gefährte

Re: Die Rinde ~~21.6. Vormittag ~~ [Re: Kelis]

Èamon schaute sich die Handhabung des Fläschchens bei Shiv an und tränkte auch sein Tuch damit, ehe er es zurückgab und sich bedankte. Shiv´s Idee stimmte er vorbehaltlos zu und sie banden ihre Pferde an. Ein wenig kam Èamon sich noch immer wie ein Eindringling vor, als er das erste Haus betrat, welches keinen Besitzer mehr hatte. Kinderspielzeug lag herum und Èamon krampfte das Herz. Fast ängstlich sah er in eine Wiege, die dort noch stand und daneben ein Kinderbett, aber sie beide waren leer. "Was weißt du von Monja? ... Ist sie... war sie verheiratet?" fragte er nach, denn da würde vielleicht helfen, das richtige Haus zu finden. Von einem Kaminsims nahm Èamon eine Falsche und roch daran. Essig, ...nicht wie erhofft Brandwein, aber sie hatten eigentlich ohnehin noch genug. Nur Schnapps wäre nicht schlecht. Noch ehe Shiv Zeit hatte, Èamons Frage zu beantworten, betraten sie das nächste Zimmer, in dem nun eine Leiche zusammengekrümmt auf dem Boden lag. Der Tote lag hier gewiss schon seit einem Monat oder länger und entsprechend war der Anblick. Fliegen surrten und der Gestank drang dennoch teilweise durch das Tuch. "Den können wir jedenfalls nicht mehr fragen." kommentierte Èamon den Anblick und beschloss, lieber wieder das Raubein zu spielen, anstatt den Sentimentalen.
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Kelis

Nebelläuferin

Re: Die Rinde ~~21.6. Vormittag ~~ [Re: Calimar]

Obwohl Shiv gedacht hatte, er wäre auf alles vorbereitet, geriet er bei diesem Anblick leicht ins Schwanken. Das herumliegende Spielzeug erwischte ihn eiskalt und im Gegensatz zu Èamon hätte er sich niemals überwinden können, einen Blick in das Kinderbett zu werfen. Er fasste sich jedoch und war mehr als dankbar für Èamons makaberen Kommentar, der ihn aus seiner Starre holte und jegliche Emotionen auf Distanz hielt. "Jedenfalls wird er wahrscheinlich nicht mehr antworten können." ging er murmelnd auf Èamons Worte ein. Er wusste, dass dieser Sarkasmus dabei half, keine Gefühle aufkommen zu lassen, die einen dabei lähmten zu tun, was man tun musste, und als Heiler wusste er, dass man nicht über jeden Patienten trauern konnte, den man eigentlich gar nicht kannte. Er schätzte, dass man irgendwann einfach so wurde wie Balzâr. Oder wie Ryan.
Noch etwas, das ihm dabei half, diese Aufgabe zu überstehen, war der Zitronenmelissen-Extrakt, den er sich auf seinen Mundschutz geträufelt hatte, obwohl er sich bei diesem Geruch in Zukunft wahrscheinlich immer an diesen Augenblick erinnern würde.
"Ja, sie hatte einen Mann." antwortete er schließlich spät auf Èamons Frage, während sie den Toten in ein Bettlaken wickelten, um ihn hinaus zu tragen und auf den Scheiterhaufen zu legen. "Aber sie hat mit ihm in einem anderen Dorf gelebt. Dort sind auch schon alle tot."
Wenigstens, was die Anzahl der Leichen betraf, zeigten sich die Götter gnädig, denn sie fanden nur zwei weitere Tote, vermutlich ein junges Ehepaar, das sich gemeinsam zum Sterben gebettet hatte, nachdem die anderen Toten bestattet worden waren. Es war seltsam, aber der Anblick wie sie dort im Bett lagen, die Hand des anderen haltend, hatte trotz der beklemmenden Traurigkeit etwas Tröstliches. Wenigstens waren sie nicht allein gestorben.
Diese Menschen hatten ihre eigenen Familien und Freunde sterben sehen und sie verbrennen müssen. Shiv fand es nur fair, dass nun jemand ihnen die letzte Ehre erwies.
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Calimar

Gefährte

Re: Die Rinde ~~21.6. Vormittag ~~ [Re: Kelis]

Schweigend taten sie ihre traurige Arbeit und selbst Èamon fielen keine weiteren bissigen Kommentare ein. Das Paar welches sie fanden brachte ihn tatsächlich an seine Reserven und wenn er Shiv ansah, merkte Èamon, dass es diesem nicht viel besser ging. Freundschaft und Liebe hatte hier niemand retten können. Vielleicht waren diese Werte doch nicht so mächtig, wie Èamon es nun gerne glauben würde. Das Öl, welches Èamon fand gossen sie schließlich über die Toten und zündeten sie an. "Gehen wir." brummte Èamon nur und kniff die Augen zusammen. Die Art wie dieses Paar gemeinsam gestorben war, berührte ihn noch immer, ebenso wie die Spuren des Lebens, die man noch fand. So wie das Kinderspielzeug war vieles einfach so liegen und stehen geblieben, wie der verblichene Besitzer es zurückgelassen hatte. Es war Èamon die Lust vergangen in den Häusern etwaig plündernd umherzuziehen. "Gibt es noch etwas, was wir tun können?" fragte er Shiv und klang seltsam müde dabei.
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Kelis

Nebelläuferin

Re: Die Rinde ~~21.6. Vormittag ~~ [Re: Calimar]

Eine ganze Weile standen sie reglos da, während sie beobachteten wie die Flammen die Toten verschlangen, schweigend, da jedes Gebet, das Shiv kannte, ihm unzureichend erschien. Alanya hätte sicher ein paar schöne Worte in der alten Sprache gefunden, aber es wäre nicht richtig gewesen, sie auch noch hier mit reinzuziehen. Shiv hätte sich nur gewünscht, sie hätten irgendetwas gefunden, was er Monja geben konnte, als Erinnerung an ihre Familie. Schließlich schüttelte er nur den Kopf und gemeinsam machten sie sich auf den Rückweg.
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Calimar

Gefährte

Re: Die Rinde ~~21.6. Vormittag ~~ [Re: Kelis]

Èamon wirkte in sich gekehrt, als sie das Dorf verließen. Es hatte ihm einmal mehr deutlich gemacht wie vergänglich das Leben war und wie unwichtig Besitz. Als sie bereits am Ortsausgang waren, zügelte er Poldi und sah zu einem Garten, in dem das Gemüse und die Blumen wuchsen und gediehen, die niemand mehr ernten würde. Èamon aber wollte zunächst nichts von den blühenden Gewächsen wissen und ging vielmehr zu einer etwas verwitterten Ecke im Garten, grub in der Erde und holte schließlich ein paar Knollen heraus. Mit erdigen Händen ging er zu Shiv, säuberte die Knollen aber vorher so gut wie möglich. "Das kannst du Monja geben, als Erinnerung an ihr Dorf. ... Das ist der Frühlingsstern. Er blüht im Frühling schön weiß und leuchtend hell. Was immer sie in Zukunft ihr Zuhause nennt, sie wird es mit sich nehmen und dort zu neuem Leben erwecken können." sagte er, als er Shiv die Knollen auf´s Pferd reichte. "Ich ... brauch noch einen Moment." verkündete er und wandte sich nochmals zum Garten. Kurz sah er sich um und begann dann Kornblumen, Weißdorn, Gladiolen, Akeleien und Flieder zu pflücken oder abzuschneiden. Erst als Èamons Arm beladen war, kam er zu Shiv zurück und hangelte sich irgendwie auf Poldi, mit dem Arm voller Blumen. "Für unsere Mädels." lächelte er wieder leicht. Eigentlich hatte er ihnen etwas nützliches aus dem Dorf mitbringen wollen, aber er wollte nichts von dort besitzen oder verschenken. Die Tiere, die sie gestern genommen hatten, waren etwas anderes, ebenso wie diese Blumen, denn sie waren lebendig.
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Kelis

Nebelläuferin

Re: Die Rinde ~~21.6. Nachrmittag ~~ [Re: Calimar]

Mit leicht gerunzelter Stirn nahm Shiv die Knollen entgegen, die auf den ersten Blick eher unscheinbar und nicht gerade nach einem geeigneten Geschenk aussahen. Èamons Erklärung änderte diese oberflächliche Ansicht jedoch und Shiv verstaute die Pflanzen sorgsam in seiner Tasche. Er würde den richtigen Moment abwarten, um sie Monja zu geben, obwohl er sich nicht sicher war, ob es den richtigen Moment jemals geben würde.
Heute würden sie ihren Ausflug und das, was sie vorgefunden hatten, auf jeden Fall vor ihr geheimhalten, damit sie wenigstens ein bisschen unbeschwert mit ihnen feiern konnte. Es würde kein großes Fest werden, soviel war klar, aber vielleicht würden sie es wenigstens alle irgendwie als schönes Ereignis in Erinnerung behalten, trotz der überschattenden negativen Umstände.
Erst als Èamon mit einem Haufen Blumen in der Hand auf ihn zukam, bemerkte Shiv, dass er eine ganze Weile völlig in Gedanken gewesen war.
"Warst du mal in ner Gärtnerlehre?" fragte er mit ehrlichem Interesse, wenn auch leicht verwundert, weil er Èamon bis jetzt gar nicht so eingeschätzt hatte, während sie ins Lager zurückritten.
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Calimar

Gefährte

Re: Die Rinde ~~21.6. Nachrmittag ~~ [Re: Kelis]

"Nein, aber ... ich habe mich schon immer für Frauen Interessiert und Blumen können Bände sprechen, oft besser als es jedes Wort vermag. ... Wobei ich mich mit den Worten auch bemüht habe." grinste Èamon wieder ein wenig verwegen, aber es war eher gespielt. Mit Gräsern begann er freihändig auf Poldi Sträuße zusammenzufassen. "Jede Blume hat eine bestimmte Bedeutung." begann er und hob eine Augenbraue, als er zu Shiv hinüber sah. "Diese bekommet Monja, ...ich kenne sie zwar nicht, aber Weißdorn, steht für Hoffnung und ich denke, die kann sie brauchen. Diese hier …“ sagte Èamon und fasste den nächsten Strauß zusammen: „… den bekommt Thaurea, die Akelei ist verspielt und ein bisschen verrückt. Anju bekommt die Kornblumen, den sie bedeuten Zärtlichkeit, Tiefsinn und Treue.“ ließ er Shiv wissen und sah nachdenklich die blauen Blumen an. “Für Alanya sind die Gladiolen, sie bedeuten Charakterstärke und Mut. Und Jayden …“setzte er an und erkannte erst jetzt die Bedeutung von Flieder … und schwieg. Nein, wieso hatte er nicht früher daran gedacht. Andererseits, wer wusste schon um diese Bedeutung? “Flieder, bedeutet Frühling und Neuanfang, … das können wir doch alle brauchen.“ beschrieb er es deshalb und lächelte schnell.
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Kelis

Nebelläuferin

Re: Die Rinde ~~21.6. Nachmittag ~~ [Re: Calimar]

Shiv lag auf der Zunge, dass Männer, die sich für Blumen interessierten, sich seiner Erfahrung nach eben meistens nicht für Frauen interessierten, aber ihm war im Moment so gar nicht zum scherzen zumute und in seiner jetzigen Laune hätte es sich vielleicht auch nicht wie ein Scherz angehört. Èamon hätte es vielleicht als Beleidigung aufgefasst und beleidigen wollte er ihn sicher nicht, nachdem er ihm geholfen hatte. Er war schon ein netter Kerl, wenn auch etwas wunderlich ab und an. Shiv dachte darüber nach, welche Blumen wohl zu Shary gepasst hätten, oder zu Nymphee, während sie weiterritten, ohne sich noch einmal umzusehen, aber ihm wollte keine Pflanze einfallen.
"Ja, ein Neuanfang wär gut." meinte er schließlich nur. In letzter Zeit war einfach zu viel auf einmal schief gelaufen. Die Götter mussten sich langweilen oder sauer sein. Andererseits hätte vieles auch schlimmer laufen können, also waren sie vielleicht einfach nur nicht ganz bei der Sache. Er hoffte nur, dass sie wenigstens, was das Aufpassen auf die Kranken betraf, bei der Sache waren...
Den Rest des Weges redeten sie nicht viel. Shiv hielt ab und zu an, wenn er einen Busch mit Beeren sah, die er für heute Abend einsammelte, so dass sie erst spät am Nachmittag wieder im Lager eintrafen, wo es bereits feierlich bunt geschmückt aussah.

Geändert durch Kelis (03.01.2008 12:01)

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Calimar

Gefährte

Re: Die Rinde ~~21.6. Nachmittag ~~ [Re: Kelis]

Der Rückweg wurde von Èamon genutzt, um die Sträuße zu binden und nachzudenken. Shiv hatte ein wenig Ähnlichkeit mit Ryan, er redete auch nicht gerade wie ein Buch, aber Èamon empfand es als angenehm. Man war nicht allein, musste aber auch nicht ununterbrochen quatschen. Als sie das Lager wieder erreichten, hatte dieses sich in einen bunten, geschmückten Ort verwandelt, der trübe Gedanken vertrieb. "Das sieht ja ... schön aus." lächelte er, denn ihm wollten nicht so recht die passenden Worte einfallen. Èamon saß ab, legte die Blumen vorsichtig beiseite und versorgte Poldi. Dann ging er zum Lager und legte neben Monja den Weißdorn, neben Thaurea den Strauß mit den Akeleien, Anju drückte er mit einem strahlenden und echtem Lächeln die Kornblumen in die Hand, Jayden gab er den Flieder in die schlaffen Hände. Später würde er sie für sie ins Wasser stellen, aber jetzt wollte er, dass sie die Blumen erst einmal eine Weile hatte. Schließlich ging er zu Alanya und gab ihr die wunderschönen Gladiolen. “Hier für dich … ich wollte dir doch etwas mitbringen.“ zwinkerte er und lächelte sie verschmitzt an. Die Toten wollte er vergessen und bei Alanyas Anblick gelang dies überraschend gut.
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