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Mittelerde & andere phantastische Welten » Kreativschmiede » Zwei Welten - Von der Errettung der Phantasie

Asphodele

Gefährte

Zwei Welten - Von der Errettung der Phantasie

Liebe Leserinnen und Leser,
bitte seid nicht darüber verwundert, dass diese Geschichte in verschiedenen Sprachstilen geschrieben ist. Schließlich handelt sie in verschiedenen Welten, wo auch verschieden gesprochen wird. Es wird viele Protagonisten geben und jeder erlebt diese Geschichte aus seiner Sicht. Aus diesem Grund erfolgt öfter ein Perspektivwechsel des Erzählens. Das ist unprofessionelles Schreiben, sagt vielleicht der eine oder die andere. Nun, sage ich, lasst euch doch mal auf ein Experiment ein! Und wenn ihr ganz mutig seid, so folgt ihr meiner Einladung

INTRO

Zur Zeit der Morgendämmerung saß der Zauberer Merkur im Turmzimmer seiner Burg in den Ered Luin und grübelte. Das Flackern einer einsamen Kerze erhellte kurzzeitig die seltsame Umgebung. Vor dem Fenster hingen Bündel getrockneter Kräuter an Schnüren herab. Auf dem Fensterbrett standen Blumentöpfe, in denen fremdartige Gewächse mit orchideenförmigen Blüten wuchsen. Ihr Anblick war ein friedvoller. Kam jedoch eine Fliege zu nah an diese farbenreiche Pracht, öffnete sich eine Blüte und verschlang das Insekt. Auf dem reich verzierten Schreibtisch aus schwerem Eichenholz lagen unzählige Pergamentrollen, ein goldenes Siegel, ein Fässchen mit roter Tinte, eine Pfauenfeder, ein Totenschädel, mehrere Reagenzgläser, die mit trüben Flüssigkeiten gefüllt waren und eine große Kugel aus schwarzem Glas.
Der Zauberer saß auf einem alten Stuhl mit hoher Lehne und streichelte seinen langen weißen Bart, der bis zum Boden reichte. Sein karminrotes Gewand war mit goldenen und schwarzen Borten besetzt. Es war alt und abgetragen, hier und da war der Stoff von Rissen durchbrochen, der Saum hatte eine schwarz verkrusteten Schmutzrand. Der Blick des Zauberers war aus seinen Kamin gerichtet, wo Reste des herunter gebrannten Holzes nur noch spärlich glühten. Die grauen Augen waren hellwach, sie blickten in den Kamin, so als sähen sie durch ihn hindurch in eine andere Welt. Er würde eine Entscheidung treffen müssen. Und wie auch immer die Entscheidung ausfallen würde, sie würde ihr aller Leben verändern.

Soweit er zurück denken konnte, waren sie zwischen den Welten gereist, Zauberer, Menschen und die freundlichen blonden Riesen. Niemals hatte es zu ihrem Nachteil gereicht. Aber nun, da in Terra Realis die Phantasie zum Tode verurteilt worden war, war es gefährlich, an diesen Ort zu reisen. Einige Bewohner dieser Welt hatten sich dort zwar zusammengeschlossen, um die Phantasie zu retten, aber es waren zu wenige. Sie wurden nieder gemacht von Realisten und Rationalisten. Sie wurden belächelt und ausgelacht. Manche mussten sich verstecken und heimlich in die zweite Welt reisen, immer davon bedroht, vom Ungeheuer Alltag zurückgeholt zu werden. Auf diese Weise blieb der Phantasie immer weniger Platz, sie konnte sich kaum noch bewegen. Wer aber der Phantasie den Raum nimmt, verurteilt sie zu Tode, denn sie muss fliegen können, von Nord nach Süd, von Ost nach West von Warm nach Kalt und von Weich zu Hart. Diejenigen, die angetreten waren, die Phantasie zu retten, nannten sich Autoren.

Der Zauberer stützte sich mit den Händen an den Stuhllehnen ab und stand langsam auf. Langsam ging er zum Schreibtisch. Er hatte seine Entscheidung getroffen. Er wollte noch eine letzte Geschichte freilassen und sie nach Terra Realis schicken. Vielleicht würde die Geschichte ja jemanden treffen, der stark genug war, die Phantasie zu retten. Der Zauberer nahm eine Pergamentrolle vom Tisch, ging zu der niedrigen Tür, die das Turmzimmer mit der schmalen steinernen Wendeltreppe verband und zog an einer Schnur. Irgendwo klingelte eine Glocke. Nicht lange danach betrat ein blonder Riese das Turmzimmer und verbeugte sich vor dem Zauberer. Dieser sprach: „Ich habe einen Auftrag für dich.“
Der freundliche Riese verbeugte sich wieder vor dem Zauberer und sagte: „Wie ihr befehlt, mein Herr. Nennt mir den Auftrag und ich will eilen, ihn zu eurer Zufriedenheit zu erfüllen.“
Der Zauberer Merkur nickte und sprach: „Nimm dieses Pergament und bringe es in die andere Welt.“
„Gern“, erwiderte der freundliche Riese, „aber wie gelange ich dorthin?“
„Es gibt Pforten“, erklärte der Zauberer. „Ich werde dir eine Pforte öffnen und du begibst dich hindurch.“ Der Riese sprach: „Wie gelange ich wieder nach Haus, mein hoher Herr?“
„Das hängt ganz allein vom Schicksal ab. Du bist darauf angewiesen, Wesen zu finden, die der Phantasie Raum zum Leben geben können. Deine Reise wird vielleicht sehr kurz sein, vielleicht aber wird sie auch ewig dauern.“
Der freundliche Riese sah traurig zu Boden und sprach: „Ich liebe meine Heimat und ich soll sie vielleicht nie wieder sehen?“ Der Zauberer Merkur lächelte. Er wusste, dass der Auftrag bei dem freundlichen Riesen sicher war. Er war etwas besonderes. Langes, weißblondes Haar fiel wie Wasser auf seinen Rücken, sein Blick war jung und alt zugleich, das Alter seiner Jahre vermochte niemand zu zählen, jedoch war er stark und kräftig und seine Fähigkeiten im Bogenschießen und im Schwertkampf waren unübertroffen. Nein, niemandem sonst würde er diesen Auftrag geben können.
„Ich vertraue Euch und ich glaube fest daran, dass ihr den Weg hierher zurück findet.“
„Nun“, sprach der Riese, „da ihr mir vertraut, will ich euch nicht enttäuschen. Nennt mir den Zeitpunkt meiner Reise und öffnet mir eine Pforte.“
„Wohl gesprochen, mein junger Freund.“, sagte der Zauberer Merkur. „Ihr reist in einer Stunde, gleich nach Sonnenaufgang. Eines jedoch, muss ich euch noch sagen.“
„Ja?“, der Riese sah ihn an. „Eure Fähigkeiten, die ihr hier habt, werden in Terra Realis verloren sein. Ihr seid dort wie alle anderen.“
„Ihr meint, ich könnte krank werden und sterben?“
„Ja“, antwortete der Zauberer. „Das ist der Preis, den wir zahlen, wenn wir die Welt der Phantasie verlassen.“ Der Riese überlegte. Wenn die Phantasie in Terra Realis starb, dann war auch seine Welt für immer verloren. „Nun denn“, forderte er den Zauberer auf. „Nennt mir den Ort und ich werde mich dort bei Sonnenaufgang einfinden.“ „Ich wusste, dass ich mich ganz auf eure Dienste verlassen kann“, sagte der Zauberer. „Kommt zum Brunnen. Dort öffne ich euch eine Pforte.“

Eine Stunde später stand der freundliche Riese am Brunnen des Burghofes. Der alte Ziehbrunnen war schon lang nicht mehr genutzt worden. Die Ketten hatten Rost angesetzt und der hölzerne Wassereimer hatte unzählige Löcher. Der Riese schaute sich um, aber er konnte nichts entdecken, was einer Pforte gleich kam. Plötzlich stand der Zauberer neben ihm. „Euren Langbogen und euer Schwert müsst ihr hier lassen, mein Freund.“ Fragend hob der Riese eine Augenbraue hoch.
„In Terra Realis würden euch die Schergen der Herrscher sofort einsperren, liefet ihr so herum. Begnügt euch mit dem Langdolch und verbergt ihn gut unter eurem Gewand. Der freundliche Riese legte mit einem bedauernden Seufzen seine Waffen ab und verbarg den Dolch unter seinem Gewand.
„Seid ihr bereit?“, fragte der Zauberer. Der Riese nickte. „Dann setzt euch in diesen Eimer“, forderte der Zauberer ihn auf. „In diesen Eimer?“, fragte der Riese erschrocken. Was hatte der Alte mit ihm vor?
„Vertraut mir. Setzt euch und schließt die Augen. Das ist der schnellste Weg in die andere Welt.“
Der Riese setzte sich auf den Eimer und schloss die Augen. Noch einmal sog er den würzigen Duft seiner Heimat ein. Ob er ihn je wieder riechen würde? Da raste der Eimer mit ihm schon in die Tiefe. Der sonst so starke Riese empfand große Furcht, er wagte nicht die Augen zu öffnen. Es schien ihm, als würde er immer schneller fallen. Er dachte noch: „Das ist das Ende“, da vergingen ihm die Sinne.

Als der freundliche Riese seine Augen öffnete, sah er über sich ein Dach von grünen Blättern. Er lag im einem Stadtpark unter einem Baum. Langsam richtete er sich auf und klopfte sich das Laub von seinen eng anliegenden samtenen Hosen. Diese wurden in Kniehöhe von dem braunen Rock bedeckt, unter dem sein Dolch verborgen war. Er sah sich um und suchte die Sonne. Wie lange mag er hier gelegen haben? Und wo war er? Der Riesen sah verwundert die verschiedenen Bäume und Sträucher an, die eigentlich nicht zusammenstehen durften. Hier hatten Menschen in die Weisheit der Natur eingegriffen und willkürlich Bäume und Sträucher gepflanzt. Der Riese schüttelte über so viel Unverstand den Kopf. Nicht weit von ihm war eine große Lichtung. Dort gab es Gras und Blumen und hin und wieder gingen Menschen vorbei. Der freundliche Riese hatte gerade beschlossen, in die Näher der Menschen zu gehen, als er hinter sich ein Lachen hörte.

„Was ist denn das für einer? He, Robin Hood, hast du dich verlaufen, oder was und wo ist denn dein Hütchen?“
Der Riese drehte sich um und sah sich furchterregenden Gestalten gegenüber. Sie waren viel kleiner als er, alle hatten tiefschwarzes Haar und waren in schwarzes Leder gekleidet. An ihren Füßen trugen sie schweres Schuhwerk. Durch ihre blasse Gesichtshaut hatten sie Ringe und Metallschmuck gefädelt und ihre Augen waren mit schwarzer Farbe umrandet.
„Bist du taub oder was?“, eine Gestalt mit langen blauschwarzen Haaren hatte sich, die Hände in die Hüften gestützt, vor ihm aufgebaut.
„Willst du nicht antworten, nein?“
Noch bevor der freundliche Riese registrierte, was geschah, spürte er den Schlag auf sein Kinn. Er kannte keine Schmerzen, noch nie in seinem langen Leben war er geschlagen worden. Deshalb war das, was er jetzt fühlte, so überraschend, so schrecklich für ihn, dass er außerstande war, zu handeln und einfach stehen blieb. Da traf ihn der nächste Schlag und wieder einer. Endlich wurde dem Riesen bewusst, dass er fliehen musste. Er begann zu laufen und wurde immer schneller. Die schwarz gekleideten Wesen folgten ihm. Da sah der Riese einen großen eisernen Behälter und versteckte sich darin. Nur mühsam ertrug er den Gestank, der ihn plötzlich umgab. Obwohl es dunkel war, gewahrte er doch, dass er im Abfall lag. Trotzdem verhielt er sich ruhig. Er hörte wie sich die Wesen näherten und an ihm vorbei jagten.

Der Riese wartete so lange, bis es völlig still war. Als er aus dem Behälter wieder heraus klettern wollte, bemerkte er, dass er die Pergamentrolle verloren hatte. Fieberhaft begann er im Abfall zu suchen, als ein Mann im orangefarbenen Gewand ihn ansprach:
„He, sie, machen sie, dass sie aus dem Container raus kommen, aber dalli.“
„Aber ich habe hier etwas verloren.“, widersprach der Riese. „Klar, sagte der Mann, das kannst du dir von der Müllkippe holen. Los, raus jetzt.“
Völlig nieder geschlagen kletterte der freundliche Riese aus dem Behälter. Ohne Orientierung lief er im Park herum, bis er sich schließlich unter einem großen Baum niederließ, dessen Stamm hinter einem Fliederstrauch verborgen war. Noch immer spürte er die Schmerzen, die an seinem Kinn und in seiner rechten Schläfe pochten. Der Riese nahm seine rechte Hand und legte sie auf die verletzte Schläfe. Dann schloss er die Augen und konzentrierte sich. Aber die heilende Energie wollte nicht wirken. Da erst begriff er, was sein Herr damit gemeint hatte, als er ihm sagte, seine Kräfte würden hier nicht wirken. Vor Schmerz und Verzweiflung warf er sich stöhnend auf den Boden. Der Kopfschmerz hinderte ihn daran, durch Meditieren einen klaren Gedanken fassen zu können. Endlich fiel er erschöpft in einen dämmerähnlichen Schlaf.
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Asphodele

Gefährte

Re: Zwei Welten - Von der Errettung der Phantasie [Re: Asphodele]

Freitag

Maximilian

Max saß in seinem Klassenzimmer und starrte aus dem Fenster. Unten waren gerade die Männer von der Müllabfuhr dabei, die Schulcontainer zu leeren. Sie hoben einen nach dem anderen auf eine gabelartige Halterung, betätigten einen roten Knopf, woraufhin der Container nach oben gezogen wurde und sich sein Inhalt, der Schwerkraft gehorchend, in das Innere des Müllautos ergoss.

Durch die Geräusche des Autos abgelenkt, hörte Max nicht, wie es in der Klasse immer leiser wurde und wie seine Lehrerin ihn freundlich aufforderte: „Maximilian? Max? Ma-ax, komm wieder zurück, wo immer du auch jetzt bist." Ludwig, der hinter Max saß, schaute kurz aus dem Fenster und sagte dann laut: „Er sitzt gerade im Müllcontainer." Die Klasse jubelte. Max aber schaute gebannt auf das Auto und malte sich aus, wie es wohl wäre, wenn er von hier oben hinunter springen würde, gerade in den Müllberg hinein, ob es wohl stinken würde, ob die Landung weich wäre und, das war der spannendste Gedanke daran, wohin er wohl gefahren werden würde.

Da legte sich eine Hand auf seine Schulter und rüttelte ihn sanft. Max sah hoch und in die meerblauen Augen seiner Lehrerin, Frl. Selena Schmidt, die ihn anlächelte und sagte: „Komm doch bitte zurück zu uns, ja?" Max sah sich um und bemerkte, dass sich die anderen Kinder kaum das Lachen verkneifen konnten. Einige kicherten, andere hielten sich die Hände vor den Mund, um nicht laut losprusten zu müssen. Ja, ja", stammelte Max, er wurde rot und sah beschämt nach unten.

„Na, dann ist es ja gut. Wo waren wir gerade stehen geblieben?", fragte Frl. Schmidt die anderen Kinder. „Bei der Fabel vom Fuchs und vom Storch.", antwortete Liliana, eine kleine Schülerin mit schwarzen Augen und noch schwärzeren Haaren, die in alle Richtungen von ihrem Kopf abstanden.
„Na Max", fragte die Lehrerin, „kannst du uns sagen, was eine Fabel ist?" „Äh....", Max überlegte, wie sollte er das nur beschreiben? Schließlich sagte er: „Na so was wie eine Geschichte. Nur mit Tieren und dann überlistet immer einer den anderen." „Fast richtig," sagte die Lehrerin. „Da es gleich klingelt, notiert euch bitte eine Hausaufgabe. Sucht eine Fabel heraus, die euch gefällt und schreibt in drei Sätzen auf, was der Dichter mit dieser Fabel sagen will. Wer Lust dazu hat, kann selbst eine Fabel erfinden und sie hier vorlesen."

Es klingelte. Die Stunde war vorbei. Max warf noch einen Blick aus dem Fenster, aber das Auto war verschwunden. Es war ohne ihn abgefahren. Schade eigentlich. Jetzt musste er diese blöden Fabeln lesen, wie langweilig. Er nahm sich vor, sich damit zu beeilen, denn zu Hause wartete schon ein dickes Buch auf ihn, ein Buch, welches er dem Vater aus dem Bücherschrank stibitzt hatte. Es war Tolkiens „Herr der Ringe". Nun aber musste sich Max beeilen, um zeitig genug zum Sportunterricht zu kommen. Der Sportlehrer war nicht ansatzweise so nett zu ihm wie Frl. Schmidt. Bei ihm durfte er nicht träumen.
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Max schloss die Wohnungstür auf, warf seine Mappe in die nächste Ecke und schleuderte seine Jacke auf den Boden. Dann ging er in die Küche, öffnete den Kühlschrank, holte eine Flasche Milch heraus und trank sie in einem Zug aus. Das tat gut. Endlich war die Schule vorüber. Endlich war er mit sich allein. In zwei Stunden würde seine Mutter von der Arbeit kommen. Diese Zeit musste er sinnvoll nutzen. Er eilte in sein Zimmer und schloss sorgfältig die Tür. Dann griff er unter sein Bett und zog das rote Buch hervor. Er setzte sich im Schneidersitz unter seinen Schreibtisch und begann zu lesen...

Als er gerade mit Streicher, Frodo, Sam und den anderen Hobbits im Zimmer des tänzelnden Ponys saß und mit ihnen angestrengt lauschte, weil die Nazgul just in diesem Moment die Betten der Hobbits zerstachen, ging die Tür. Max erschrak heftig. Was, wenn die Nazgul jetzt zu ihm kamen? Es war aber kein Nazgul, sondern seine Mutter, der die Einkaufstüte aus der Hand gefallen war und die deshalb laut fluchte:" Bescheuerte Einkaufsbeutel, halten nicht mal das bisschen Gelumpe, das man zum Leben braucht! Max? Ma-ax?"

Max verbarg flink das Buch hinter seiner Lego-Burg und flitzte auf Strümpfen in die Küche. „Du sollst dir doch Schuhe anziehen, Junge. Wie oft muss ich dir noch erklären, wie leicht man sich verletzt, wenn man barfuß läuft?" Man muss wissen, dass die Mutter von Max Krankenschwester war und bei einem Chirurgen in der Praxis arbeite. Eigentlich fand Max das furchtbar spannend, denn so kam er fast täglich zu Geschichten, die immer etwas mit abgesplitterten Knochen und Blut zu tun hatten.
„Karin, nicht vor dem Kind!", pflegte Max´ Vater dann auszurufen. „Er ist doch noch viel zu jung zu so was." Quatsch", sagte die Mutter dann, „er ist zwölf, da muss man das schon ertragen können. Stell dir doch mal vor, er würde ein Unfallopfer auf der Straße finden, dann würde er nicht gleich in Ohnmacht fallen und könnte Hilfe holen."

In ihrer Stimme klang Stolz. Nein, ihr Sohn war nicht so ein verhätscheltes Püppchen. Max griente dann, er fühlte sich in solchen Situationen immer mächtig erwachsen. Er musste das auch, denn wenn man ihn eines Tages in Mittelerde brauchte, dann war er bereit. Der Vater von Max sah das etwas anders als seine pragmatisch veranlagte Frau. Er versuchte, Max vor allen Übeln dieser Welt zu schützen, wo er nur konnte. Wahrscheinlich lag das an seinem Beruf. Er war Musiker und spielte im Orchester der Landeshauptstadt. Wenn er seine Klarinette zu Mund führte, hatte das etwas Magisches. Vor seinem inneren Auge erhoben sich Landschaften und es gelang ihm immer wieder, die Zuhörer in den geheimnisvollen Bann dieser Landschaften zu ziehen.
Meistens mussten Mama und Max allein Abendbrot essen, weil der Vater arbeiten musste. Aber sie hatten sich daran gewöhnt und alle genossen es, wenn sie zu dritt ihre Zeit verbringen durften.

Nachdem Max den Inhalt der Einkaufstüte eingesammelt hatte, setzte er sich zu seiner Mutter. „Hast du noch Hausaufgaben auf?", wollte sie wissen. „Ja", sagte Max, „in Deutsch."
„Und", fragte sie weiter, „kommst du damit klar?" „Geht schon", versprach Max und somit verschwand er für eine Stunde in seinem Zimmer. Als er wieder heraus kam, strahlte er. Er hatte eine Fabel gefunden, die ihm gefiel und sie interpretiert. Auch die Schultasche hatte er gepackt. Jetzt war er frei. „Bis zum Abendbrot!", rief er der Mutter zu, während er schon die Treppe hinunter lief. „Bis dann", rief sie ihm hinterher. Sie wusste, er würde pünktlich zu Hause sein. Er hatte sich noch nie verspätet, bis heute. . . . .
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Asphodele

Gefährte

Re: Zwei Welten - Von der Errettung der Phantasie [Re: Asphodele]

Die Pforte - Teil 1
Max lief schnell die Straße hinunter, vorbei am Zeitungskiosk, in dem der alte Paul saß, der zwar schon lange Rentner war, den aber nichts zu Hause hielt. Er betrieb den Kiosk schon vierzig Jahre lang und er würde wohl auch in ihm sterben. Max grüßte den Alten und lief weiter, durch das Tor zum Stadtpark, wo die anderen Jungen aus seiner Klasse Fußball spielten. Vielleicht würden sie ihn heute mit spielen lassen. Er hörte sie schon von weitem grölen. Max wollte schon quer über den Rasen laufen, um den Weg abzukürzen, da vernahm er ein leichtes Stöhnen.

Max drehte sich um, allein, er konnte nichts sehen. Da, da war es wieder. Irgendwo in der Nähe war jemand und hatte Schmerzen. Vielleicht war er sogar verletzt und nur er, Maximilian Poppe, er würde ihn retten können. Max ging in Gedanken die Verletzungen durch, die seine Mutter immer so anschaulich beschrieben hatte.
– Also heute hatten wir einen Oberschenkelhalsbruch. Der Knochen hatte den Schenkel sogar durchdrungen, es sah nicht appetitlich aus. – Der Vater war auf die Toilette gerannt. Max hatte den offenen Oberschenkelhalsbruch auf seine gedankliche Liste gesetzt. Was gab es da noch? Knieverletzungen, Schädelbasisbruch....

"Oh", stöhnte es wieder, während Max weiter seine Liste durchstöberte. Diese Mal war das Geräusch sehr deutlich. Max duckte sich und kroch unter einem Fliederstrauch hindurch, der betörend duftete. Er gelangte an einen alten Baum, dessen Stamm vor den Blicken der Spaziergänger im Verborgenen lag. Am Stamm des Baumes saß ein junger Mann mit langen, weißblonden Haaren. Er hatte die Augen geschlossen und sein bleiches Gesicht war vor Schmerz verzerrt.

„Ej", sprach Max ihn an. „Ej, Sie da, können sie mich hören?" Der Mann reagierte nicht, nur hier und da ließ er ein leises „Oh", ertönen. Was musste getan werden? Max dachte nach. Mist, er hätte sich zum Geburtstag ein Handy wünschen sollen, dann könnte er jetzt jemanden anrufen. Da er nicht helfen konnte, wollte Max wieder zum Weg zurück krauchen, da ertönte eine wohlklingende Stimme: „O, bitte bleibt, lasst mich nicht allein, ich ängstige mich so." Ich ängstige mich so, wie sprach der denn ?, dachte Max. Der Typ war nicht nur verletzt, der hatte definitiv was an der Bimmel.

Max drehte sich um und sagte: "Machen Sie sich keine Sorgen, ich hole Hilfe." „Nein!", rief der junge Mann, „niemand kann mir helfen." „O", erwiderte Max, „meine Mum schon." „Wer ist deine Mum?", wollte der Mann wissen. „ Sie ist Krankenschwester, sie kennt sich aus. Machen Sie sich da mal keine Sorgen." „Was ist denn eine Krankenschwester", fragte der Fremde. O, o, dachte Max, was´n das für einer, der wusste ja gar nichts. Vielleicht, überlegte er, war das ein Ausländer. Er sprach zwar ohne Akzent, aber was hieß das schon? Max erklärte: „Meine Mum, also meine Mutter, ist Kran-ken-schwes-ter. Oder Nurse – du verstehen?" Der Mann blickte den Jungen ratlos an. Nein, er verstand wohl nicht. Max beschloss jetzt zu gehen.

„Geht nicht!", rief der Mann. Geht nicht? Max sah sich um. War er jetzt schon zu zweit? Oder sah der Mann ihn zweimal? Vielleicht war das des Rätsels Lösung. Na klar, der Mann war betrunken, er war umgekippt und konnte nicht mehr laufen, weil er einen Rausch hatte.

Max kletterte entschlossen durch das Gebüsch. Er würde jetzt nach Hause gehen, seiner Mum die Geschichte erzählen und sie sollte dann entscheiden, was weiter geschah. Er war schließlich erst Zwölf. Max kletterte unter dem Strauch hindurch und gleich würde er wieder auf dem Weg sein. Noch ein Schritt und er betrat den Asphalt....
Aber der Asphalt war weg. Max stand mitten auf einem Waldweg und vor ihm waren Pilze. Sie waren riesengroß. Fast hätte er sich unter sie setzten können. Solche Pilze gab es gar nicht, nicht auf dieser Erde.......
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Asphodele

Gefährte

Re: Zwei Welten - Von der Errettung der Phantasie [Re: Asphodele]

Die Pforte - Teil 2
Max sah sich um. Wo war dieser blöde Weg geblieben, auf dem man immer aufpassen musste, damit einen die Leute mit den Rollerblades nicht um fuhren? Er sah zurück zum Fliederstrauch und überlegte. Dann schlug er sich die Hand vor die Stirn. Klar, er war auf der falschen Seiten heraus geklettert. Also kroch er wieder zu dem Baum zurück.
„Ihr seid schon zurück?“, sprach der Mann ihn an. „Äh, ja, aber.....nicht wirklich, ich hatte nur die falsche Richtung....äh, ...bis bald dann.“

Just in dem selben Augenblick, in dem er vor sich hin tammelte, wurde Max klar, dass er nicht die falsche Richtung genommen hatte. Der Mann lehnte noch genauso an dem Baum wie vor wenigen Minuten. Max begann zu verstehen. Trotzdem wollte Max sich ganz sicher sein. Als wolle er die Wahrheit nicht akzeptieren lief noch zweimal um den Baum, einmal links herum und einmal rechts herum. Seine Befürchtung wurde zur Gewissheit: es gab nur diesen einzigen Fliederstrauch. Wieder kroch er unter ihm hindurch und wieder stand er auf diesem Waldweg. Max kehrte zum Baum zurück.

„Was ist los, mein junger Freund? Ihr seht so traurig aus. Ist euch ein Unglück geschehen?“ Max beschloss, die Redeweise des Fremden zu ignorieren und zu antworten. Schließlich war das der einzige Erwachsene weit und breit, den man um Hilfe bitten konnte. „Also.......es ist so......vielleicht halten sie mich ja auch für dumm, aber..“, Max rang nach Worten. Wie sollte er dem Fremden erklären, dass offenbar ein Weg verschwunden war? „Nur zu“, ermunterte ihn der Fremde.

„Also...“begann Max wieder, „das ist so: Der Weg ist weg. Einfach verschwunden.“ „Erklärt euch genauer“, bat der Mann. „Als ich sie das erste Mal getroffen habe, bin ich doch unter dem Strauch durch geklettert, und als ich wieder zurück gegangen bin, war der Park nicht mehr da. Da ist nur noch ein Wald und da stehen Pilze, gaaanz große.“ Max klang verzweifelt. Der Mann jedoch hatte auf einmal ein eigenartiges Leuchten in seinen Augen und fragte nach: „Ganz große Pilze, sagst du? Ganz sicher?“ „Ja“, antwortete Max.

Der Mann kroch nun selbst unter dem Gebüsch hindurch. Als er auf der anderen Seite stand, spürte er keine Schmerzen mehr. Er tastete nach seiner Schläfe. Nichts. Kein Hämmern, kein Wundgefühl. Er griff nach seinem Kinn und es fühlte sich völlig normal an. Erleichtert atmete er einmal tief ein und aus. Er war zurück. Seine Augen leuchteten voller Freude und er rief: „Ihr seid ein toller Kerl! Ihr habt die Pforte gefunden!“

„Was denn für eine Pforte?“, fragte Max, der plötzlich neben dem Mann stand. „Ein Tor in meine Heimat. Es verbindet zwei Welten miteinander, aber es gelingt nur wenigen, eine Pforte zu finden. Und wenn man einmal hindurch ist, kann es sein, dass einem der Rückweg für immer versperrt bleibt, so wie für mich. Aber Ihr habt mich gerettet, ihr habt die Pforte geöffnet und mich zurück gebracht. Ich danke euch von Herzen.“ Der Mann, der nun aufrecht stand, verbeugte sich vor Max und gleichzeitig führte er seine rechte Hand auf die Stelle, wo sein Herz lag. Als er sich wieder aufgerichtet hatte, sah Max erst, dass er neben einem Riesen stand, der Mann war fast zwei Meter groß. Max sah den Mann mit großen Augen an. Dann fragte er: „Sind sie ganz sicher, dass wir jetzt in ihrer Welt sind?“ Der Riese lächelte freundlich, legte Max seine große Hand auf die Schulter und sprach: „Diese Pilze, mein junger Freund, wachsen nur in meiner Heimat.“ Max fragte weiter: „Soll das heißen, dass wir hier in einer anderen Welt sind und ich nicht mehr zu-rück-kann?“

Die letzten drei Silben schrie er fast. Der Mann hob bedauernd die Schultern und nickte. Da musste sich Max erst einmal setzten. Das war zuviel. Er sah auf seine Armbanduhr und bemerkte, dass es schon spät war. In einer halben Stunde musste er zu Hause sein, aber wie sollte er das anstellen? Er wusste ja noch nicht einmal, wo er war!

„Ihr seht traurig aus“, sprach der Mann ihn an. Max wischte sich eine Träne aus den Augen. Mist, der Kerl hatte ihn genau beobachtet. Aber nun schlug eine Welle von ganz tief unten aus seinem Bauch nach oben und Max konnte es nicht verhindern, dass er nun zu schluchzen begann. Die Welt verschwamm in seinen Tränen und Max schloss die Augen. Er hatte nur noch den einen Wunsch: die Augen aufzumachen und wieder zu Hause zu sein.

Er spürte, wie ihn der große Mann in seine Arme nahm und ihn sacht an sich drückte. „Ja, weint nur“, sprach er sanft, „Tränen sind die Schmetterlinge unserer gefangenen Seele und wir müssen sie einfach nur frei lassen, dann geht es uns bald besser.“ Max verstand keine Wort von dem , was der Fremde da sagte, aber die Umarmung tat ihm gut und bald hatte er sich wieder beruhigt. Er zog eine letzte aufsteigende Träne mit der Nase hoch, öffnete die Augen, atmete einmal tief durch und fragte dann: „Und wo sollen wir jetzt lang gehen?“

„Habt ihr Hunger, mein junger Freund?“, fragte der Mann. Max schüttelte den Kopf. Nein, hungrig war er nicht, aber müde. Als könne der Mann seine Gedanken lesen, hob er ihn vom Boden auf, nahm ihn auf seinen Arm und lief los. Max wollte zuerst protestieren, schließlich war er ja kein Baby mehr. Aber der Mann lief so leicht und so schnell, als flöge er. Kaum berührten seine Füße den Boden. Und durch die gleichmäßige fließende Bewegung schlief Max ein...

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Asphodele

Gefährte

Re: Zwei Welten - Von der Errettung der Phantasie [Re: Asphodele]

Una – Teil 1
Zur selben Stunde stand eine Frau im mittleren Alter vor der Kasse einer Ausstellung. Sie war schon am Morgen angereist. Nun war es fast 10.00 Uhr und sie war die erste in der Schlange. Die Kasse öffnete und sie kaufte eine schmale Eintrittskarte, an deren Ende „Der ein Ring“ abgebildet war.

Una war heute zum zweiten Mal hier. Sie erinnerte sich daran, dass sie beim letzten Mal mit dem Burschen am Eingang ein wenig geflirtet hatte. Zuerst hatte sie ja gedacht, der leibhaftige Will Turner stehe vor ihr. Doch bei näherer Betrachtung blieben dunkles Haar, Oberlippenbart und Jugend als gemeinsame Merkmale übrig. Sie hatte trotzdem ihr Glück bei ihm versucht. „Och, bitte, bitte, lassen sie doch die Eintrittskarte ganz, sie machen mir ja den schönen Ring kaputt“, hatte sie mit gespielter Empörung gebeten. Der junge Mann hatte sie angelächelt und gesagt: „Dann kaufen sie sich doch noch eine.“, und er hatte ihr zugezwinkert.

Kichernd war Una dann in die Ausstellung gegangen. Sie hatte sich viel Zeit gelassen, mit Muße die einzelnen Ausstellungsstücke betrachtet und sich einen Plan von deren Anordnung aufgezeichnet. Sorgsam hatte sie darauf geachtet, jedem Exponat den richtigen Standort zuzuweisen.

Ebenfalls hatte sie Sicherheitspersonal genau beobachtet. Die Jungs wurden immer ein wenig nervös, wenn die Ausstellungsbesucher ein Handy oder einen Gegenstand in der Hand hielten, der auch nur annähernd einem Fotoapparat glich. Einige Besucher hatten sich benommen, als wären sie auf der Jagd. Genau in dem Augenblick, in dem der Sicherheitsdienst an ihnen vorbei gegangen war, hatten sie ihr heimliches Foto gemacht, um es dann bei Freunden stolz zu präsentieren oder es gar in ein Internetforum zu stellen, um ihre Anerkennung als heimliche Rebellen zu erlangen. Una hatte alles genau beobachtet und sich vorgenommen, sich die Sehnsüchte der Besucher zu Nutzen zu machen.

Heute ging sie mit schnellen Schritten zu der Tür, durch die sie eine andere Welt betreten würde. Ihre Karte wurde abgerissen und Una fand sich plötzlich im Dunkeln wieder. Schummriges Licht und Geräusche aus der Wand ließen sie vorsichtig auftreten und so schritt sie, zwischen zwei Statuen hindurch, in eine Welt von Ausstellungsstücken hinein. Wie hatte sie sich danach gesehnt, dies alles noch einmal mit eigenen Augen sehen zu dürfen. Ihr brauner Umhang war lang und weit. Darunter trug sie Bluse, Jeans und Turnschuhe. Praktische Kleidung war für das, was sie vorhatte, angebracht. Andere Besucher hatten sich vollkommen verkleidet, so sah man viele Elben und einige Hobbits.

Una beobachtete eine Frau im mittleren Alter, die vor der Vitrine mit dem Legolas-Kostüm stand. Una stellte sich neben sie und hörte, wie die Frau leise seufzte: „Ach ja, Frau Schneiders persönlicher Lustsklave...“. Una grinste. Sie hatte soeben ihr Opfer gefunden. „Machen sie doch ein Foto.“, raunte sie ihr zu. „Das ist doch verboten.“, flüsterte die Frau zurück. „Na und“, sagte Una, „die anderen halten sich doch auch nicht daran.“ Die Frau seufzte wieder und starrte weiterhin das Kostüm an. Dann sagte sie: „Ich hab mein Handy aber nicht mit und einen Fotoapparat habe ich auch nicht.“ Una griff in die weite Tasche ihres Umhangs, holte einen kleinen silbrigen Gegenstand heraus und drückte ihn der Frau unauffällig in die Hand. „Aber wie soll ich ihnen das zurück geben?“, fragte die Frau. „Och“, sagte Una, „ich bin noch eine Weile hier, ich werde sie finden.“ Die Frau nickte und starrte wieder das Kostüm an.

Una ging nun zielsicher zu der Vitrine, in der das Schwert lag. Aus den Falten ihres Gewandes holte sie einen Glasschneider und wartete. Sie hatte Zeit. Als sie hörte, wie sich das Wachpersonal laut darüber empörte, dass da jemand ein unerlaubtes Foto gemacht hatte, sah sie ihre Chance gekommen. Rasch benutzte sie den Glasschneider und öffnete die Tür. Noch einmal wandte sie sich um, aber niemand schien sie zu beobachten.

Da langte sie in die Vitrine, nahm das Schwert heraus und verbarg es unter ihrem Umhang. Leise und schnell ging sie zum Ausgang und bevor das Wachpersonal den Diebstahl bemerkt hatte, war Una schon in den nächsten Bus gestiegen.

Nach drei Stationen stieg sie aus, öffnete den weiten Kofferraum ihres Volvo, hob die Bodendecke ab und hievte das Ersatzrad aus dem Wagen. Erst jetzt öffnete sie ihren weiten Mantel, holte das Schwert heraus und legte es auf den Boden des Kofferraums, den sie vorher sorgsam mit Stoff ausgelegt hatte. Nun entledigte sie sich ihres Mantels und legte ihn ebenfalls hinein. Sie arretierte die Bodenabdeckung, legte das Ersatzrad darauf, schloss den Kofferraum und setzte sich auf den Fahrersitz. Irgendwo heulten Sirenen. Mit einem wissenden Lächeln startete Una den Wagen und fuhr in Richtung Autobahn. Niemand schien sie zu verfolgen.....

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Asphodele

Gefährte

Re: Zwei Welten - Von der Errettung der Phantasie [Re: Asphodele]

Una – Teil 2
Nachdem Una ohne Probleme die A 10 erreicht hatte, wechselte sie in die linke Spur und gab Gas. Als sie bei 170km/h angelangt war, wechselte sie in die Mittelspur. Wenn sie in diesem Tempo weiter fuhr, würde sie Hannover in zwei Stunden erreicht haben. Sie drückte den Sendersucher am Radio so lange, bis ihr die Musik gefiel. Dann langte sie nach ihrer Handtasche, die auf dem Beifahrersitz lag, fand jedoch nicht, was sie suchte. Kurz entschlossen schüttete sie den Inhalt auf den Sitz und tastete nach der Schachtel. Sie zog sich eine Zigarette heraus und schob sie zwischen ihre Lippen. Dann betätigte sie den Zigarettenanzünder und endlich glühte das Tabakstäbchen.

Una inhalierte tief. Das hatte sie jetzt gebraucht. Obwohl sie vorhin völlig ruhig gewesen war, waren ihre Nerven bis an die Grenze des Zerreißens gespannt gewesen. Nun lehnte sie sich zurück. In vier Stunden würde sie das Schwert übergeben haben und ihren Lohn erhalten. Eigentlich fand sie es schade, dass sie sich bald wieder von diesem einzigartigen Werk der Schmiedekunst trennen sollte. Aber sie brauchte dringend das Geld. Es war höchste Zeit, dass sie ihrem Bruder das Geld wieder gab, das er ihr für den Kauf des Autos geliehen hatte.

Una dachte gerade daran, wie sie ihr Schmuckstück von einem Auto vor einem halben Jahr beim Händler abgeholt hatte, da ging durch den Wagen ein Ruck. Una erschrak. Ihre Rechte umfasste instinktiv das Lenkrad. Die Zigarette war aus dem Mund gefallen und glimmte nun auf dem Boden weiter.

Una konnte sich darum nicht kümmern, denn der Wagen schlingerte heftig und sie hatte Not, ihn in der Spur zu halten. Sie verlor an Tempo und betätigte die Warnblinkanlage. Sie sah in die Rückspiegel und als sie sich sicher war, dass keine anderen Wagen in der Nähe waren, fuhr sie das Auto an den rechten Rand der Fahrbahn und ließ es dort ausrollen. Dabei benötigte sie all ihre Kraft, um das Ausbrechen des Wagens aus er Spur zu verhindern. Endlich konnte sie die Handbremse ziehen. Sie schaltete den Motor ab, trat die Zigarette aus und stieg aus dem Wagen.

Erst jetzt, als der kühle Wind über ihre Stirn strich, bemerkte sie, dass ihr der Schweiß ausgebrochen war. Una lief einmal um den Wagen und besah sich den linken hinteren Reifen. Nur noch Reste von Gummi klebten an der verbeulten Felge. Sie würde das Rad wechseln müssen. Aber sie wusste nicht, wie. Bisher hatte ihr Bruder solche Sachen übernommen, aber er war jetzt nicht da.

Unweigerlich würde sie einen Autobahndienst kommen lassen müssen, und wenn sie dies nicht tat, konnte immer noch die Autobahnpolizei vorbei kommen. Sie würden vielleicht sehr nett sein und ihr anbieten, ihr zu helfen. Dann würden sie den Kofferraum öffnen und sich wundern, warum das Rad obenauf lag. Nein, dazu dufte es auf keinen Fall kommen. Una sah gehetzt um sich. Dann öffnete sie den Kofferraum und hob das Ersatzrad heraus. Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn und löste die Bodenabdeckung Sie griff nach dem braunen Umhang und warf ihn achtlos zu Boden. Jetzt holte sie das Schwert heraus.

Es war ein Prachtstück. Der blaue Stahl funkelte in der Sonne und es war, als würden die gewundenen Schriftzeichen lebendig. Una´s Augen strahlten. Sie hielt dieses Schwert in ihren Händen, die-ses Schwert. Sie überlegte einen Augenblick lang , ob sie es überhaupt an den Hehler verkaufen sollte. Es könnte ja etwas schief gelaufen sein. Woher wollte der Hehler denn wissen, ob es ihr gelungen war, das Schwert zu stehlen? Aber, so überlegte sie weiter, im Zeitalter von Rundfunk und Fernsehen, GPRS und Satelliten würde es wohl bald jeder im Land wissen, dass das Schwert des Waldläufers entwendet worden war.

Was, so fiel ihr ein, würde die neuseeländische Premierministerin dazu sagen? Konnte es etwa noch zu diplomatische Verwicklungen kommen, wegen einer Requisite? Nein, dachte Una. Ausgeschlossen. Es gab wohl auf dieser Welt wichtigere Dinge, um die sich Premierminister kümmern sollten. Während sie so in ihren Gedanken versunken war, drang nach und nach ein Geräusch an ihr Ohr, das immer intensiver wurden.

Als sie endlich registrierte, was das für ein Geräusch war, erschrak Una: es war eine Polizeisirene! Nicht das lustige Tatüü-tataa. Nein, es war das ätzende, alles durchdringende Wihüü-wihüü-wie...
Una musste handeln. Sie zog den Umhang über, ergriff das Schwert und flüchtete in den angrenzenden Wald.
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Asphodele

Gefährte

Re: Zwei Welten - Von der Errettung der Phantasie [Re: Asphodele]

Una - Teil 3
Zuerst lief Una einfach durch das Unterholz. Es war schwierig, mit dem Schwert in der Hand, schnell zu laufen. Mist, sie hätte die Scheide auch klauen sollen, dann könnte sie sich den ganzen Krempel jetzt umhängen. Una lief. Sie stolperte über Äste, trat in Löcher, verknackste sich dabei den Fuß und humpelte, fluchend, weiter. Außer Atem gelangte sie nach einer Viertelstunde auf eine Lichtung mit frischem Gras. Una warf das Schwert auf den Boden, beugte den Oberkörper hinunter, stütze dabei ihre Hände in die Seiten und versuchte, tief ein und auszuatmen. Gleichzeitig konzentrierte sie sich auf die Geräusche in ihrer Umgebung. Außer Vogelgezwitscher war nichts zu hören. Als Unas Atem wieder ruhig war, richtete sie sich auf.

Sie spürte die Wut, die in ihr aufstieg. Irgendwo stand jetzt ihr Auto, über das sie so froh gewesen war, als sie es sich endlich leisten konnte, mit kaputtem Reifen und sie, sie stand mit verknackstem Fuß mitten in einem Wald, in dem sie sich nicht auskannte. Sie hatte Durst, aber die Wasserflasche lag auf dem Rücksitz des Autos. Das hatte sie mal wieder toll gemacht, einfach toll!

Mit einem lauten Schrei stürzte sich Una auf das Schwert, erhob es mit beiden Händen und hieb mit kräftigen Bewegungen Löcher in die Luft. „Hier hast du, und hier und nimm das!“, schrie sie. Das war gut, irgendwie waren diese Bewegungen befreiend. An den Fuß dachte Una nicht mehr. Sie kämpfte weiter gegen einen unsichtbaren Gegner und fühlte sich seltsam leicht. Fast schwanden ihr die Kräfte aus den Armen, da holte sie noch einmal zu einem letzten Streich aus und .........hieb einen Spalt in die Luft.

Nein, sie hatte sich nicht getäuscht. Es sah aus, als hätte sie einen Riß in eine Stoffwand geschlagen, hinter der ein unwirkliches Leuchten war. Moment mal, was war das? Ein Wurmloch? Nein. Una schüttelte den Kopf. Das hier war ein Wald, nicht der Weltraum mit seinen unendlichen Weiten. Das war nur ein Wald. Vielleicht wären andere jetzt vorsichtig rückwärts gegangen. Una jedoch, die so weit gegangen war (schließlich war sie zur Diebin geworden), war nicht nur neugierig, nein, sie fühlte, wie eine geheime Kraft sie auf die andere Seite des Risses zog. Sie atmete einmal tief durch, dann klemmte sie das Schwert unter ihren Arm und stieg vorsichtig durch den Spalt.

Kurzzeitig wurde sie von einem hellen Licht umhüllt, dann war alles wieder normal. Sie stand wieder(oder immer noch) im Wald. Aber etwas war anders. Als sie sich umsah, sah sie hinter sich keine Lichtung mehr, sondern einen alten Magnolienbaum, der in voller Blüte stand. Ein Magnolienbaum im Wald? Moment mal, irgend etwas stimmte hier nicht. Una versuchte, den Spalt zu finden, allein, er war verschwunden.

Da hörte Una das helle Lachen eins Kindes. Das machte ihr Mut und entschlossen setzte sie ihren Fuß auf den weichen, Moos besetzten Waldboden. Sie konnte nichts sehen, weil sie sich den Weg durch dichtes Gestrüpp bahnen musste. Hier war ihr das Schwert eine große Hilfe. Sie benutzte es wie eine Machete. Aber jedes Mal, wenn sie es benutzte, hörte sie ein Stöhnen, so als würde sich jemand vor Schmerzen krümmen. Endlich erreichte Una einen breiten Waldweg. Jetzt ertönte wieder ein helles Lachen. Da sah sie ein kleines Feuer und vor diesem Feuer saßen ein junger Mann und ein Junge. Una atmete auf. Sie war nicht mehr allein.
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Asphodele

Gefährte

Re: Zwei Welten - Von der Errettung der Phantasie [Re: Asphodele]

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Die Zeit wird gelöscht
Der Zauberer Merkur stand in seinem langen roten Mantel vor seinem Schreibtisch, streichelte mit der Linken seinen langen weißem Bart und sah in die Kugel aus schwarzem Glas. Konturen von Gesichtern kamen ihm entgegen und entfernten sich wieder.

Der Zauberer suchte. Er suchte diejenigen, die in der Geschichte ein Rolle zu spielen hatten. Da waren sie, Max und Tuillinn, Una, Frl. Schmidt , die Eltern von Max, und noch einige andere. Merkur beugte sich über die Kugel und sprach: „Mögen die Zeit rückwärts laufen, möge sie stehen bleiben, möge sie für euch nicht mehr existieren.“ Und er blies auf die Kugel, so dass ein feiner weißer Nebel in die Kugel eindrang, zu denen schwebte, die ihn brauchten und sich sanft über sie legte.

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Samstag


Viele Namen

Max erwachte erst, als die Morgensonne schien. Außer Vogelgezwitscher war kein Geräusch zu hören. Die Stille war allumfassend. Von fern hörte Max das Geräusch fallenden Wassers und das erinnerte ihn daran, dass er am Abend weder gegessen noch getrunken hatte. Er sprang auf und sah, dass er auf einer Stelle gelegen hatte, die vor allem aus weichem Moos bestand. Max sah sich um. Unweit von ihm saß der fremde Mann an einer Feuerstelle und rührte in einem Topf. Max kam näher und als er die Suppe roch, die nach fremden Kräutern duftete, erinnerte sich auch sein Magen daran, dass er schon seit geraumer Zeit leer war und begann laut zu knurren. Dieses Geräusch veranlasste den Mann dazu, sich nach Max umzudrehen und ihm einen fröhlichen „Guten Morgen, mein junger Freund, habt ihr auch gut geschlafen?“, zuzurufen.

Statt zu antworten gähnte Max herzhaft, streckte sich und setzte sich neben den Mann. Der reichte ihm ein Stück Gebäck von unbestimmbarer Farbe und Form.
„Was ist das?“, wollte Max wissen. „Esst, junger Freund esst, das ist das beste Brot, das es hier in dieser Welt gibt. Es sättigt euch, es erfrischt und es hält euch wach.“ Max biss in das Brot, kaute kräftig, schluckte es herunter und spürte dem Geschmack nach. Er war wirklich einzigartig. Sofort nach dem ersten Bissen hatte das Hungergefühl nachgelassen und Max fühlte sich seltsam erfrischt. Er griff nach dem irdenen Becher, den der Mann ihm reichte und trank das kühle Quellwasser in einem Zug aus.

Maximilian hatte noch nie solch ein leckeres Brot gegessen und solches Wasser getrunken. Es schmeckte nach Kräutern und duftete nach Blumen. Auch die Suppe war köstlich. Max hatte sich zwar gewundert, woher der Mann den Topf und die Teller her hatte, aber er fragte nicht danach. Das konnte er später immer noch tun. Er fragte statt dessen: „Was machen wir jetzt?“ Der Mann sah ihn an und erklärte: „Ihr und ich, wir suchen den Zauberer Merkur. Er muss uns sagen, was nun weiter geschehen soll.“, erklärte der Mann.

„Der Zauberer Merkur?“, fragte Max. „Nie von ihm gehört. Ich kenne nur Zauberer, die Merlin heißen oder Harry Potter oder Dumbledore und einer heißt Melkor. Aber Merkur, den kenne ich nicht.“ In seinem Redeschwall hatte Max nicht bemerkt, dass der Mann seltsam blass geworden war. Er wandte sich zu dem Jungen und flüsterte: „Wie war der letzte Name, den ihr nanntet?“ „Melkor!“, sagte Max. Der Mann fuhr zusammen. „Psst, wagt nicht, diesen Namen laut auszusprechen. „Warum nicht?“, wollte Max wissen. „Weil es diesen Melkor wirklich gibt.“ Der Mann flüsterte und Max hatte Mühe, ihn zu verstehen. „Er wird in einer Festung gefangen gehalten und ist derjenige, der Arda immer wieder vernichten wird, so lange er lebt.“
„Moment mal“, sprach Max, „Melkor gibt’s doch gar nicht. Den hat doch der Tolkien nur erfunden?“

Dieses Mal sah der Mann ihn erstaunt an. „Wer soll ihn erfunden haben?“ „Na der J.R.R. Tolkien, ein Schriftsteller.“ Und als er sah, dass der Mann ihn nicht verstand, fügte er hinzu: „Ein Geschichtenerzähler, wenn man so will.“ Der Mann stand auf und ging nachdenklich auf und ab. „Ihr meint, es gibt Melkor nur in Geschichten?“ „Klar, genau so wie Hobbits, Zwerge und Elben.“ Der Mann staunte wieder. „Warum seid ihr euch so sicher, dass es keine Hobbits, Zwerge und Elben gibt?“

Max lachte. Na der war ja lustig. Wollte er ihn auf die Probe stellen? Zum ersten Mal sah Max den Mann genauer an. Er war groß, hatte schönes langes Haar, feingliedrige Hände, aber die hatte sein Vater auch und der war auch kein.....Elbe? Nun stand auch Max auf. Das war doch ein Traum! Max kniff sich in den Oberarm. Er schrie: „Au“, Der Mann beobachtet ihn erstaunt. „Was tut ihr da, junger Freund?“ „Ich kneif mich. Das machen wir immer so, wenn wir aus einem Traum aufwachen wollen.“ „Und“, fragte der Mann, „seid ihr aufgewacht?“ „Ich glaube, ich bin so was von wach, wacher geht es nicht.“ Der Mann amüsierte sich über die Redeweise des Jungen und lachte.

„Warum lachen Sie?“ „Ich lache über eure ungewöhnliche Sprache.“, erklärte der Mann. „Ich? Ich habe ein ungewöhnliche Sprache? Ist ja mal ganz was Neues. Sie sprechen doch so komisch.“ „So“, sagte der Mann, „also ich spreche komisch. Was ist denn an meiner Sprache komisch?“
„Na sie sagen immer Ihr zu mir. Ich bin doch aber alleine. Mir wäre es lieber, wenn sie Du zu mir sagen.“ Der Mann schüttelte energisch den Kopf. „das geht nicht. Ich darf zu einem hohen Herren nicht Du sagen, das verstößt gegen das Gesetz.“ „Wo ist denn hier ein hoher Herr?“, fragte Max, der sich suchend umsah. „Ihr seid ein Herr, ihr tragt doch das Zeichen, den Armreif der Zeit.“

Den Armreif der Zeit? Max hatte ja schon im Park gewusst, dass der hier nicht ganz rund lief. Den Armreif der Zeit. Max streckte sein Hände weit von sich und betrachtete seine Arme ganz genau. Da war aber nichts, nirgendwo ein Reif. Er sah auf sein Handgelenk und entdeckte, dass auf seiner Uhr beide Zeiger auf der Zwölf standen. So was, dachte Max, dabei hatte er doch erst in der letzten Woche die Batterie wechseln lassen. Aber was wollte der Mann ihm sagen? Max sah wieder auf seine stehen gebliebene Uhr und erst da fügte er die Gedanken zusammen: Der Armreif der Zeit –das war nur eine andere Beschreibung für eine Uhr.

„O“, sagte Max, „sie meinen meine Uhr.“ Und er hob seinen linken Arm. „Wie ihr auch dazu sagt, mein Herr.“, bestätigte der Mann. „Ich bin aber gar kein Herr,“ sagte Max, „bei mir zu Hause haben fast alle ein Uhr.“ „Warum haben so viele Menschen eine..“ der Mann zögerte kurz, dann sagte er: „eine Uhr?“, „Damit sie immer wissen, wie spät es ist“, erklärte Max. „Aber wozu soll das gut sein? Es reicht doch zu wissen, dass die Sonne am Tage ihre Bahn zieht und nachts begleitet uns das Licht Earendils, des Seefahrers.“

Von Earendil hatte Max auch schon gelesen, von ihm gab es viele Legenden im Mittelerde. So stand es in dem roten Buch. Mittelerde. Sollte es wahr sein? Sollte er wirklich den Weg nach Mittelerde gefunden haben? Er hing seinen Gedanken nach und musste sehr niedergeschlagen ausgesehen haben, denn der Mann sprach ihn an. „Mein junger Freund? Warum seid ihr so traurig?“ „O“, sagte Max, „ich bin gar nicht traurig. Ich denke nur nach.“ „Und worüber denkt ihr nach?“ Max sah dem Mann in die Augen und sprach: „Ich denke darüber nach, wie dieses Land heißt, in dem wir sind.“

„Das ist das Land Doriath, und wir sind im Wald von Brethil. Noch eine Tagesreise und wir kommen an die Stelle, wo sich die Flüsse Teiglin und Sirion treffen.“ Max sah trübe vor sich hin. Doriath, Brethil, Teiglin, Sirion....diese wundersamen Namen hatte er noch nie gehört. Er fragte: „Wir sind doch aber auf der Erde , ja? " Der Mann lachte und sprach: „Wenn ihr es so wollt, wir nennen es Arda oder auch Mittelerde.“

„Mittelerde? Wir sind wirklich in Mittelerde?“ Der Mann nickte. „Super!“, rief Max. Seine Augen strahlten. Sein sehnlichster Wunsch war in Erfüllung gegangen. Er war in Mittelerde und er würde all die wunderbaren Gefährten treffen, Legolas, Aragorn, Elrond..... „Kommen wir auch am Düsterwald vorbei und in Bruchtal?“, wollte er wissen.
Der Mann schaute ihn traurig an: „Ich muss euch leider enttäuschen, diese Orte sind mir nicht bekannt. Vielleicht liegen sie im Osten, jenseits der Ered Luin, aber ich bin noch nie über sie hinweg gestiegen. Meine Heimat liegt in Ossiriand.

Max war zunächst ziemlich enttäuscht. Dann aber kam ihm eine Idee. Er fragte: „Darf ich mir mal ihre Ohren ansehen?“ „Meine Ohren?“, fragte der Mann erstaunt, aber er strich sich eine Haarsträhne hinter das linke Ohr und sagte: „Bitte sehr, junger Freund.“ Max sah prüfend auf das Ohr. Er konnte keine Besonderheit erkennen. Da zuckte er mit den Schultern und sagte: „Na macht ja nichts, hätte aber sein können.“ Der Mann sah ihn verständnislos an. Max zog es jedoch vor, keine Erklärung seines merkwürdigen Verhaltens abzugeben.

„Kommt mein Herr.“, sagte der Mann. „Ich bin aber kein Herr, ich bin ein Junge. Und ich komme mir so furchtbar alt vor, wenn sie mich so nennen. Oder...“, Max überlegte, dann sagte er : „Ich werde euch dann auch so ansprechen“, sagte Max. „O nein“, der Mann war entsetzt. „Das darf nicht sein. Ich bin nur ein niedriger Diener. Diese Anrede gebührt mir nicht.“

„Und welche Anrede gebührt euch dann?“ fragte Max, der ganz unbewusst die alte Sprache angenommen hatte. „Mein Herr sagt Du zu mir.“ „Darf ich auch Du sagen?“ fragte Max.
„Es wäre mir eine Ehre“, antwortete der Mann. „Gut, aber nur, wenn du auch Du zu mir sagst, einverstanden?“ Der Mann zögerte. Dann sagte er: „Ich weiß nicht einmal deinen Namen.“
Da streckte Max ihm die Hand entgegen und sagte: „Ich heiße Maximilian Poppe, aber meine Freunde sagen Max zu mir.“

Der Mann nahm die Hand in seine beiden großen Hände, so dass sie ganz in ihnen verschwand uns sprach: „Nun, Herr Max, dann will ich mich auch vorstellen.“ Der Mann verbeugte sich und sprach: „Mein Name ist Tuilinn.“ Nun verbeugte sich auch Max und er kam sich in diesem Augenblick sehr erwachsen vor.

Nach dem alles gesagt war, löschte Tuilinn das Feuer, sammelte das Kochgeschirr ein und stopfte es in einen Leinensack, den er über seine Schulter warf. Dann machten sich die beiden auf den Weg. Dieser führte sie tief in den Wald hinein.....

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Asphodele

Gefährte

Re: Zwei Welten - Von der Errettung der Phantasie [Re: Asphodele]

Verschwunden
In Neustadt brannte zur selben Zeit in der Küche einer Neubauwohnung eine Kerze herunter und erlosch. Kerzenwachs hatte sich über den Tisch ergossen. Am Tisch saß Esther Poppe, den Kopf auf die Arme gelegt und schlief. Sie hatte auch geschlafen, als alle Uhren der Familie stehen geblieben waren. Nun standen alle Zeiger auf Zwölf. Esthers Mann, der Klarinettist Peter Poppe, kam auf Strümpfen in die Küche und bereitete Kaffee zu. Der Duft des fertigen Kaffees ließ Esther erwachen.

Sie sah sich erschrocken um, dann verstand sie, wo sie sich befand. Die einzige Frage, die sie beschäftigte war: „Ist Max nach Hause gekommen?“ Peter schüttelte den Kopf. Nein, ihr Sohn war nicht nach Hause gekommen. Esther stand auf, nahm die Kaffeetasse in beide Hände, trat ans Fenster und sah hinaus. Sie hing ihren Erinnerungen nach....

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Esther Poppe stand vor dem Bühneneingang des Konzerthauses und fror. Trotz des dicken Wollschals, den sie sich um den Kopf geschlungen hatte, trotz der Stiefel, die sie wieder aus dem Schrank genommen hatte, in den sie vor zwei Wochen alle Wintersachen verstaut hatte, trotz ihres dicken Mantels. Regentropfen rannen über ihr Gesicht und vermischten sich mit ihren Tränen.

Als Peter Poppe aus dem Bühneneingang kam und seine Frau so unter der Laterne stehen sah, immerhin war es bereits eine Stunde vor Mitternacht, da wusste er, dass etwas Furchtbares passiert sein musste. Er nahm sein Frau in den Arm und spürte, wie sich ihr Körper in ständigem Schluchzen aufbäumte. Er strich ihr über das nasse Haar und fragte leise: „Was ist passiert, Liebes? Was ist los? Die bist ja ganz aufgelöst.“

„Der Junge“, stammelte Esther „der Junge ist weg. Niemand hat ihn gesehen. Er ist einfach weg.“
„Moment mal, hast du denn bei seinen Freunden angerufen? Vielleicht hat ja einer der Burschen sturmfreie Bude, sie sitzen beim fernsehen, gucken sich verbotene Filme an und haben die Zeit vergessen. Hast du daran mal gedacht?“ „Esther vergaß das Schluchzen, sah ihren Mann an, als wäre er ein Außerirdischer und sagte tonlos: „Aber Peter, wo lebst du denn? Weißt du denn nicht, dass unser Sohn gar keine Freunde hat?“

„Was?“, stammelte Peter Poppe, „unser Sohn soll keine Freunde haben, aber wie kann das sein? Jeder Junge hat doch Freunde, oder nicht?“ Esther hakte sich bei ihrem Mann ein. Langsam gingen sie die Straße hinunter. Das Licht der Laternen spiegelte sich in den Pfützen und manchmal war in ihnen auch ein Stern zu sehen. „Nein“, sprach Esther“, „unser Sohn hat keine Freunde.“ „Das ist aber traurig für ein Kind seines Alters, sehr traurig.“, sagte Peter Poppe. „Ja“, sagte seine Frau, „das ist es wohl. Aber bisher kam er immer pünktlich nach Hause und nun ist er schon seit sechs Stunden spurlos verschwunden.“

„Hast du überall nachgesehen?“, fragte Peter Poppe. „Vielleicht hat sich versteckt, er wollte einen Spaß mit dir machen.“ Das ernste Gesicht seiner Frau machte ihm diese kleine Hoffnung zunichte. „Laß uns zur Polizei gehen, Peter, es wird Zeit. Ich wollte es nur nicht allein machen.“ „Das musst du auch nicht, schließlich ist er unser Sohn.“ Gemeinsam liefen sie zur nächsten Polizeistation. Wieder musste Esther Poppe erklären, dass ihr Sohn keine Freunde hatte, bei denen sie ihn suchen könne und wieder bekräftigte sie, dass er immer pünktlich nach Hause gekommen war.

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Nachdem Peter und Esther zu Hause angelangt waren, hatte Peter seiner Frau einen Tee gekocht ihr zugeredet, ins Bett zu gehen. Allein, Esther hatte darauf bestanden, am Küchentisch zu sitzen und hier auf ihren Sohn zu warten. Peter hatte sich in das Zimmer seines Sohnes begeben und sich auf dessen Bett gelegt. Umgeben von einem Plüschbären, zwei Kissen (Esther liebte kleine Kissen und trotzdem Max die Kissen immer wieder unwillig auf den Boden geschleudert und erklärt hatte, er brauche so was nicht, war sie nie müde geworden, diese Kissen immer wieder auf sein Bett zu legen), und diversen Comic - Heften schlief er ein. Er war früh erwacht und hatte sich umgesehen.

Wie oft hatten sie beide unter Max´ Schreibtisch gesessen, sich gegenseitig Geschichten erzählt und ihm vorgelesen. Peter stand vom Bett auf und setzte sich unter dessen Schreibtisch. Er musste seinen Kopf einziehen, damit er sich nicht an der Tischkante stieß. Er dachte nach. Sein Sohn war doch ein so lieber und phantasievoller Mensch, warum hatte er dann keine Freunde? Weil er nicht mit Monsterfiguren spielte und keinen PC mit Internetanschluss besaß? Weil er kein Handy hatte? Weil er Eltern hatte, die mit ihm Ausflüge machten und ihm, als er klein war, Geschichten vorgelesen hatten? Warum hatte sein Sohn keine Freunde? Fast schien es, als beschäftigte Peter diese Frage mehr als die Tatsache, dass sein Sohn spurlos verschwunden war.

Er rückte noch ein wenig nach hinten und saß auf etwas hartem. Er tastete danach und holte eine Lego-Burg hervor. Peter lächelte. Das war auch schon wieder zwei Jahre her, dass sie beide auf dem Teppiche gelegen und das Ding zusammengebaut hatten .Sechs Stunden hatten sie dafür gebraucht! Esther hatte ihnen zugesehen und dabei ihre Gruselmärchen vom OP-Tisch erzählt. Peter lächelte. Es war ein toller Tag gewesen.

Peter versuchte wieder, sich zu setzen, da saß er wieder auf etwas hartem, aber dieses Mal war es glatt. Peter griff nach hinten und hielt das rote Buch in seinen Händen. Sofort strömten Erinnerungen auf ihn ein. Gedanken an wunderschöne Landschaften, an Freunde und schreckliche Feinde, an bestandene Kämpfe, an Verluste und Siegesfeiern. Versonnen blätterte Peter Poppe in dem Buch.

Es war sehr lange her, da er in Mittelerde war, aber er erinnerte sich noch ganz genau an seine Abenteuer, er hatte gemeinsam mit den Zwergen gegen Drachen gekämpft, hatte Bogenschießen gelernt und was war er geritten! Er hatte eine tapfere Riesin zur Gefährtin gehabt und er hatte sich damals geschworen, dass er genau eine solche Frau heiraten würde und keine andere. Jahre später war er Esther begegnet und er hatte in ihr diese Riesin gesehen. So stand sein Entschluss schnell fest, entweder diese Frau zu heiraten oder gar keine.

Peter lächelte, als er an seinen Heiratsantrag vor 14 Jahren dachte. Er hatte sich vor der überraschten Esther auf die Knie geworfen, ihr eine rote Rose entgegengestreckt und gesagt: „Liebe Esther, ich habe dich mein ganzes Leben lang gesucht, und nun, da ich dich gefunden habe, will ich mich nie wieder von dir trennen. Heiratest du mich?" Esther hatte mit einem fröhlichen Lachen „Na wenn es so schlimm um den Patienten steht, bleibt mir wohl gar nichts anderes übrig." ,gesagt und war ihm um den Hals gefallen. Zwei Monate später hatte er seine „Riesin" geheiratet.

Peter dachte nach. Wenn er damals in die Phantasiewelt Mittelerdes eintauchen konnte, warum sollte das seinem Sohn nicht auch gelungen sein? Er hatte das richtige Alter, er war reif genug für Abenteuer. Warum eigentlich nicht? Je mehr Peter darüber nachdachte, desto sicherer wurde er. Ja, es gab eigentlich gar keine andere Erklärung, Max war in Mittelerde und er würde dort Gefährten finden und Abenteuer bestehen, und er würde gesund und um viele Erfahrungen reicher zurück kommen, dessen war sich Peter gewiss. Dann kletterte er unter dem Tisch hervor, legte das Buch obenauf und ging zu seiner Frau in die Küche.

Er kochte ihr Kaffee und trank selbst Milch aus dem Kühlschrank. Dann holte er seine Frau, die am Fenster stand zu sich, setzte sie sich auf den Schoß, nahm ihre Hände in die seinen, sah sie an und sprach: „Esther, du musst jetzt ganz tapfer sein. Ich glaube, ich weiß , wo unser Sohn ist.“ Ein hoffnungsfrohes „Ja?“ ließ kurzzeitig Esthers Gesicht erstrahlen. „Sag, Peter, wo ist er.“ Ihr Mann hob den Kopf und sah sie an. „Er ist in Mittelerde.“

Esthers Blick, der soeben noch hoffnungsvoll war, verdüsterte sich im Zorn. Sie sprang auf und lief aus der Küche. Dabei fiel die Teetasse auf den Boden und zersprang mit einem Klirren,
Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr. Sie hatte nicht nur ihren Sohn verloren, nein, auch ihren Mann. Der Verlust um Max hatte ihm seinen Verstand geraubt. Er war vollkommen durchgeknallt...............
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Asphodele

Gefährte

Re: Zwei Welten - Von der Errettung der Phantasie [Re: Asphodele]

Herrin und Diener Teil 1

Als die Sonne am höchsten stand, legten Max und Tuilinn eine kurze Rast ein. Sie saßen an einem Bach und Tuilinn fing mit seinen großen Händen Fische, die sie über der Flamme brieten. Sie ließen sich den Fisch gerade schmecken, da hörten sie ein Geräusch. Es klang so, als bräche ein großes Tier durchs Unterholz, vielleicht ein Reh, vielleicht aber auch ein Wildschwein. Tuilinn bedeutete Max, sich ruhig zu verhalten. Leise holte er seinen Dolch hervor. Das Geräusch dauerte eine Weile an, dann verstummte es. Max und Tuilinn verharrten in ihren Bewegungen, da sahen sie die Frau im braunen Mantel, die, ein Schwert in der Hand, auf sie zu kam.
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Una schritt weit aus. Ihre Schmerzen im Fußgelenk ignorierte sie. Endlich Menschen! Vielleicht würden sie ihr helfen, aus diesem Schlamassel wieder heraus zu finden. Es waren ein Mann und ein Junge, wahrscheinlich sein Sohn. Etwas war merkwürdig. Der Junge war ganz normal gekleidet, er hatte eine Bluejeans an, Turnschuhe, ein grünes T-shirt mit dem weißen Schriftzug No Sports und sein dunkles Haar war schulterlang, so wie das vieler Jungen in seinem Alter. Er mochte 10 –12 Jahre alt sein. Der Mann war ungewöhnlich hübsch, er hatte langes weißblondes Haar. Hm, dachte Una, der hat zwar kein schwarzes Haar, aber er sieht doch sehr annehmbar aus.

Der Mann trug eine enge Samthose und eine braune Tunika. Eigentlich hätte dies Una stutzen lassen sollen, aber für sie war sein Anblick nur im ersten Augenblick merkwürdig, hatte sie selbst doch auch einen Kostümmantel. Es gab anscheinend viele, die sich gern in mittelalterliche Gewänder kleideten. Der Mann stand auf und Una warf ihm einen bewundernden Blick zu. Er war sehr goß und stattlich. In seiner breiten Hand hielt er einen blitzenden Dolch und wirkte sehr entschlossen.

Una zögerte, näher zu kommen. Warum blickte der Mann so grimmig? Da fiel ihr ein, dass sie ja ein ziemlich großes Schwert in der Hand hielt. Sie lachte erleichtert und legt das Schwert auf den Waldboden. Einige Sonnenstrahlen brachen sich in dem blauen Stahl und brachten die Schriftzeichen zum Leuchten. Da geschah etwas sehr Merkwürdiges. Der Mann sah das Schwert an, sah Una an, dann wieder das Schwert, erschrak und fiel auf die Knie. Der Junge sprang auf, stürzte zu seinem Vater und fragte. „Was hast du? Was ist mit dir?“ „Verbeug´ dich!“, flüsterte der Mann ihm zu. Zögernd ging der Junge in die Knie.

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Max wollte sich schon verbeugen, da sah er an Una´s Handgelenk etwas Metallisches blitzen, das ihm sehr bekannt vorkam. Er grinste, verbeugte sich aber auch und hörte nun den Gefährten reden: „Seid willkommen hohe Herrin der Zeit! Verzeiht, dass ich Euch nicht gleich kannte. Vergebt mir.“

Max sah hoch und sah die Frau verlegen lächeln. Sie war etwas älter als seine Mutter, hatte grüne Augen und halblanges braunes Haar, das sie mit einem Gummi, den man in jeder Drogerie kaufen konnte, zusammengebunden hatte. Sie hatte zwar einen braunen Umhang übergeworfen, darunter jedoch sah er eine lachsfarbene Bluse über einer Jeans. An den Füßen hatte sie schwarze Lederschuhe.

Max stand auf und ging auf sie zu. Er reichte ihr die Hand und sagte: „Willkommen in Mittelerde, ich bin übrigens Max aus Neustadt. Und wo kommen sie her?“ Una sah sich von dem Kind überrumpelt. Sie gab ihm ebenfalls die Hand und sagte: „Una, ich komme aus Hannover. Wo, sagtest du, sind wir hier?“ „In Mittelerde.“ „Das gibt’s ja nicht!“, rief sie aus. „Doch, können sie ruhig glauben.“, meinte Max. Una schien überhaupt nicht verwundert zu sein. Sie schritt auf den am Boden liegenden Mann zu und sprach: „Na, nu mach dir nicht gleich ins Hemd. Ich bin Una und wie heißt du, du hübscher Elbe?“
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