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Ring*Con2005 » Ring*Con - Allgemeines » Writing*Contest - Teilnehmende Geschichten

Nìthiel

Gefährte

Writing*Contest - Teilnehmende Geschichten

Wie bereits die letzten Jahre bekommt ihr auch diesmal wieder die Geschichten bereits vor der Con zu lesen. Diesmal wird allerdings nicht mehr im Vorraus, sondern erst auf der Con direkt für die Geschichten abgestimmt. Da auf der Con selbst aber erfahrungsgemäß nicht jeder die Zeit hat, die Geschichten zu lesen, bekommt ihr hier die Möglichkeit, euch schonmal ein Bild zu machen.

Es sind leider nicht ganz so viele Teilnehmer dieses Jahr, aber dafür sind die Geschichten sehr schön. Ich hoffe, sie gefallen euch auch!


Das Thema war Ungewöhnliche Freundschaften:

    "Ungewöhnliche Begegnungen bringen oft ungewöhnliche Ereignisse hervor. Die merkwürdigsten Wesen sind oft normaler als man denkt und Schönheit ist nicht immer ein Zeichen für Freundlichkeit... Und doch findet man eines fast überall, auch an den seltsamsten Orten: Freundschaft. Wo Elben sich mit Zwergen, Menschen sich mit Faunen oder Eisköniginnen, Hobbits sich mit Bäumen, eine Maus mit einem Löwen, Soldaten mit Untoten oder Adlige sich mit Piraten anfreunden, steckt immer eine Geschichte dahinter. Eine besondere Geschichte. Erzählt sie uns."




Es sind zwei ungewöhnliche Freundschaften, die Legolas' Leben am stärksten beeinflussen - die Freundschaft mit einem Zwerg und einem sterblichen Mann.


Nachts, wenn die letzten Angestellten das Kino verlassen haben ... ist es Zeit für eine Reihe von ungewöhnlichen Freundschaften.


Éanon ist ein junger Schneealb, der nicht viel weiß von der Welt jenseits seiner Heimat in den eisigen Höhen des Nebelgebirges. Doch dann wird eines Tages die ganze Gemeinschaft von Schneealben, zu der er gehört, von Orks entführt und er, der zurück bleibt, entschließt sich, sie zu finden und zu befreien. Er macht sich auf den Weg in eine ungewohnte Umgebung, wo er niemanden kennt und neue Gefahren auf ihn lauern...


Éomer erhält in seinen Träumen Besuch von einer schönen Frau. Er weiß, dass er sie kannte und erfährt von ihr, dass sie sich schon in Kindertagen in den Träumen besucht hätten. Er verliebt sich in sie und sie macht sich auf den Weg nach Gondor, um ihren Liebsten zu heiraten.

Während Gandalf weiterhin den geheimnisvollen Wissenden spielt, geht das Wetttrinken von Legolas und Gimli in zwei weitere Runden.


Aus der Sicht eines Einzelnen wird hier der Wunsch nach etwas geboren, das er nicht kennt - das Sehnen nach Freundschaft.


Eddie gehört zu einer Gruppe von Menschen und Hobbits aus dem Breeland, die ausgezogen sind um einen Drachen zu töten, der ihre Heimat bedroht. Durch eine Reihe von unglücklichen Zufällen steht er plötzlich alleine dem Drachen gegenüber und muss versuchen, ihn zu töten. Gelingt ihm das, erfüllt sich somit auch sein großer Wunsch, selbst eine spannende Geschichte erlebt zu haben...
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Nìthiel

Gefährte

Re: Writing*Contest - Teilnehmende Geschichten [Re: Nìthiel]

Zwei Freundschaften
~ Esteliel ~


1. „Er ist mein Freund.“

„Bist du dir wirklich sicher?” fragte Gimli zum zwölften Mal an diesem wolkenverhangenen Vormittag, während er argwöhnisch das Boot vor ihnen beäugte. Natürlich hatte er selbst an der Erschaffung mitgewirkt – was verstand ein Elb schon von Hammer, Meißel und Säge? Und dennoch, jetzt wo es soweit war und sie Mittelerde für immer verlassen würden, erschien ihm das Boot urplötzlich zerbrechlich und klein.

„Was ist mit Stürmen? Ich habe gehört, die gibt es oft auf hoher See! Und Wellen? Und... und... Monster! Ungetüme! Mit langen Greifarmen, wie der Wächter...”

„Uns wird nichts geschehen”, erklärte Legolas geduldig, ebenfalls das zwölfte Mal. „Wir nehmen einen anderen Weg nach Valinor, den geraden Weg, der allen anderen verwehrt ist, und uns wird kein Unheil geschehen, ich verspreche es dir, Freund. Ulmo wird unser Boot geleiten und beschützen.”

Gimli grummelte leise etwas in seinen Bart und umfasste den Anhänger an seinem Hals, welcher die drei goldenen Haare enthielt, die Galadriel ihm gewährt hatte. Dann wagte er einen beherzten Schritt auf die schwankende Planke, die Land und Boot verband, und nach einem weiteren Schritt befand er sich in ihrem kleinen, selbstgezimmerten Elbenschiff, während Legolas schnell die Taue löste bevor Gimli es sich doch noch anders überlegte.

Das Wasser war glatt wie ein Spiegel als sie aus der kleinen Bucht herausglitten, in der sie ihr Boot gebaut hatten, und selbst als sie das Land allmählich hinter sich ließen, bestätigten sich Legolas' Worte einmal mehr – keine einzige Welle beeinträchtigte Gimlis Schlaf als die Nacht schließlich über sie hereinbrach.

Selbst Legolas wanderte mit offenen Augen auf den Pfaden seiner Träume, so dass er nicht bemerkte, wie plötzlich ein Wind aufkam und Wellen das kleine Boot sachte zum Schaukeln brachten. Er erwachte erst, als schon dicke Tropfen auf sie herabfielen und dunkle Wolken das Lichte der Sterne und des Mondes verbargen. Höher und immer höher türmten sich die Wellen, so dass sie schon bald auf Wellenkämmen höher als ein Oliphant ritten, höher als die Fichten des Düsterwaldes sogar. Legolas klammerte sich mit bleichem Gesicht am Mast fest und schloss die Augen, als sich eine Welle so hoch wie Orthanc über ihnen aufbäumte, und doch bemerkte er plötzlich voll ungläubigem Erstaunen, dass Gimli noch immer schlief.

Höher und immer höher wurde ihr Schiff gerissen, und als Legolas sich schon endgültig dem Untergang ausgesetzt wähnte, bemerkte er, dass es keine Welle war, die sie so hoch emporgetragen hatte. Sie hatten das Wasser längst verlassen und schwebten nun hoch über dem aufgewühlten Meeresspiegel – gehalten in einer riesigen Hand.

„Ein Zwerg, der versucht, den geraden Weg nach Westen zu segeln? Ich habe schon viel gesehen seit die ersten Elben in Cuiviénen erwachten, aber dies ist neu selbst für mich.”

„Ulmo”, sagte Legolas ehrfürchtig und verbeugte sich, denn wer sonst konnte dies sein?

„Legolas, Thranduils Sohn, aus dem Düsterwald, der jetzt erneut der Grünwald ist... Was hast du dir nur dabei gedacht, einen Zwerg mit in den Westen zu bringen?”

„Auch er hat seinen Teil dazu beigetragen, dass Sauron endgültig besiegt wurde”, entgegnete Legolas beherzt, aber der riesige Vala schüttelte seinen Kopf.

„Was, wenn das nicht ausreicht?”

„Fragt Aulë, ob er für ihn bürgen würde!” sagte Legolas, erzürnt dass seinem langjährigen Freund trotz seiner Heldentaten der Zutritt verweigert werden konnte.

„Frieden, Thranduils Sohn – nenne mir nur einen guten Grund und ich werde dafür sorgen, dass ihr sicher und schnell Land erreicht.”

Legolas hob stolz seinen Kopf und sah dem mächtigen Vala furchtlos in die Augen. „Er ist mein Freund”, sagte er und verstummte dann, fest entschlossen, mit Gimli nach Mittelerde zurückzukehren falls dieser Grund nicht ausreichen würde.

„Dein Freund”, wiederholte der Vala, und dann lächelte er und die Wolken lösten sich auf, so dass die Sterne wieder über ihnen funkelten. „Das ist Grund genug für mich.”

Langsam sank ihr Boot wieder herab, und als die gewaltige Hand sie vorsichtig auf dem Wasser absetzte, sah Legolas, dass das Wasser erneut so glatt war, dass die Sterne und der Mond sich auf der Oberfläche spiegelten, fast so, als ob sie durch das Firmament segelten. Das Segel ihres kleinen Schiffes blähte sich, obwohl auch der Wind verschwunden war, und sie nahmen schnell Fahrt auf, geradewegs nach Westen geblasen während die riesige Gestalt des Valas hinter ihnen im Wasser versank.

Gimli erwachte schließlich in den Morgenstunden, und auf seinen griesgrämigen Morgengruß hin lachte Legolas übermütig, den nächtlichen Besuch Ulmos aber behielt er für sich.



2. „Der Menschenjunge denkt, er wäre ein Elb!”

Es war das erste Mal, das Estel einen Elben aus dem Düsterwald traf, und doch hatte er keine Zeit, um über die Unterschiede zwischen den Waldelben und ihren Brüdern, den gelehrten Noldor nachzudenken, die ihn aufgezogen hatten.

Tatsächlich war Elrond Peredhil Estels Ziehvater, der Sohn von Eärendil dem Seefahrer und Zwillingsbruder von Elros, der als Tar-Minyatur die Linie der Könige von Númenor begründet hatte. Estel hatte oft Elronds Erinnerungen an die kriegerischen Noldor des Ersten Zeitalters gelauscht und sprach selbst Sindarin und Quenya fast besser als das Westron seiner Väter. Doch jetzt, wo ein Pfeil auf sein Herz zielte, schien es, als ob all sein Wissen über elbische Kultur und Geschichte ihm nichts nützen würde, da er keine der pfeilschnell abgefeuerten Fragen des wilden Geschöpfs bevor ihm verstand.

„Bitte – sprecht langsamer, ich verstehe Euch nicht”, sagte er hilflos und hob seine Hände, um zu zeigen, dass er keine Gefahr darstellte. „Im Estel Elrondion o Imladris.” Er sprach jetzt selber langsam und deutlich als er das Sindarin benutzte, das mittlerweile mehr seine Muttersprache war als das Westron seines Volkes.

Der Krieger vor ihm lachte und schüttelte seinen Kopf, während weitere Elben behende aus den Bäumen sprangen. „Der Menschenjunge denkt, er wäre ein Elb!” sagte er amüsiert, aber er sprach jetzt langsamer, so dass Estel merkte, dass er wirklich Sindarin sprach, obwohl er einen seltsamen Akzent hatte und ihm unbekannte Wörter benutzte.

„Er behauptet, Elronds Sohn zu sein, aber als ich sie das letzte mal traf, waren seine Söhne noch nicht sterblich!”

„Und dennoch spricht er unsere Sprache wie ein Noldo.”

Einer der Waldelben verzog sein Gesicht. „So arrogant und affektiert, ich hasse ihren Akzent – es ist nur zu offensichtlich, dass sie am liebsten wieder die verfluchte Sprache der Sippenmörder benutzen würden.”

„Frieden, Bruder, wer auch immer er ist, der Welpe ist ein Mensch, kann also kein Sippenmörder sein, obwohl er behauptet, der Noldo wäre sein Vater”, sagte der Elb mit den weizenfarbenen Haaren, der Estel noch immer mit einem Pfeil bedrohte. Er sah den verwirrten Jüngling forschend an, aber dann senkte er seinen Bogen. „Er ist keine Bedrohung – seht ihn euch an, er hat mehr vom Wald zu fürchten als der Wald von ihm. Was hat ein Kind im Düsterwald zu suchen? Hat dir denn am Hofe deines Vaters keiner beigebracht, was es hier im Düsterwald für Gefahren gibt? Orks, Spinnen und – am allergefährlichsten – die barbarischen, rückständigen Waldelben?”

Estel errötete, denn er wusste, dass sie sich lustig über ihn machten. Trotzdem schluckte er die zornigen Worte herunter, die ihm auf der Zunge lagen, denn er wollte die angespannte Lage zwischen dem König des Düsterwaldes und dem Herrn von Imladris, seinem Vater, nicht noch verschlimmern.

„Ich bin kein Kind! Dies ist mein fünfzehnter Sommer, und meine Brüder haben mich auf ihre Reisen mitgenommen, damit ich mehr von Mittelerde kennenlerne”, sagte er leise und hob seinen Kopf, um dem Waldelben mit – wie er hoffte – gelassener Würde in die Augen zu sehen.

„Fünfzehn – die Jungen aus Seestadt haben in dem Alter schon ihre Gesellenzeit beendet und eine hübsche Maid geheiratet!” lachte einer der Elben.

Estels Wangen erröteten noch mehr, aber er zwang sich, die Hänseleien zu ignorieren.

„Nun, wo sind dann deine Brüder? Sicherlich haben sie dich nicht alleine hier zurückgelassen, damit dich die Spinnen fressen? Wenn das, was du behauptest, wahr ist, dann müssen es die berüchtigten Zwillingssöhne Elronds sein, Elladan und Elrohir, die Orks zum Spaß jagen.”

„Um genau diese Zwillinge handelt es sich”, sagten zwei Stimmen gleichzeitig, als die dunkelhaarigen Brüder hinter einem Baum hervortraten. Estel seufzte erleichtert aber verzog dann sein Gesicht, als Elladan liebevoll sein Haar zerwühlte.

„Das ist tatsächlich unser kleiner Bruder, den ihr hier gefunden habt. Vergebt ihm, wir haben ihm gesagt, dass er bei den Pferden bleiben soll während wir die Gegend erkunden, aber ihr wisst ja, wie aufsässig die Kinder der Sterblichen sind.”

Estel zog eine Grimasse. Es war schlimm genug, wie ein Kind behandelt zu werden, aber dass es vor diesem Elbenkrieger geschah, machte es noch viel schlimmer.

„Ich wollte doch nur unser Wasser auffüllen, und hier ist viel weniger Matsch... Woher sollte ich denn wissen, dass die zehn Schritte gleich als Grenzverletzung gesehen werden?”

„Woher? Du hättest uns zuhören können”, sagte Elrohir lachend und trat dann vor, um den Anführer der Waldelben zu umarmen. „Sei gegrüßt, Thranduils Sohn! Es ist schon viel zu lange her dass wir die Ehre deiner Gesellschaft hatten, und der Spinnen deines Waldes.”

Der Bogenschütze lachte und erwiderte die herzliche Umarmung, während Estel ihn staunend ansah. Thranduils Sohn...

„Legolas, Thranduils Sohn”, sagte der Waldelb mit einer kurzen Verbeugung. „Mae govannen, Elronds Sohn!”

„Mae govannen, Prinz Legolas”, antwortete Estel und umfasste den Unterarm des Prinzen, um dann erneut rot zu werden als Legolas leise lachte. Plötzlich war der äußerst kühle Empfang vergessen, den ihm die Elben des Düsterwaldes bereitet hatten, und er wußte nur noch eines – dass er alles daran setzen würde, die Freundschaft dieses kämpferischen Prinzen zu gewinnen.
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Nìthiel

Gefährte

Re: Writing*Contest - Teilnehmende Geschichten [Re: Nìthiel]

Nachts im Kino
~ Lady Celebrian ~

„Sind sie weg?“
Vorsichtig drückte Aragorn die schwere Tür ein Stück weiter auf; gerade so weit, dass er Schultern und Kopf hindurchschieben konnte.
„Einen Moment noch“, flüsterte Legolas. Er stellte sich auf seine Zehenspitzen, schob sich an der Wand entlang und warf einen raschen Blick um die Ecke. Gerade verschwand der letzte der rot gekleideten Menschen, die noch vor wenigen Minuten das Gebäude bevölkert hatten, in der Dunkelheit.
Der Elb atmete erleichtert auf. „Sie sind weg. Endlich.“
Aragorn seufzte und verdrehte die Augen. „Ich dachte schon, die gehen nie ...“
Dann schob er die schwere Tür vollständig auf und ließ sie an dem großen Magneten an der Wand einrasten. „Okay Leute, die Luft ist rein. Kommt raus. Sie sind weg.“
Einen Moment lang geschah nichts. Dann ertönte ein „Plopp“ und gleich darauf musste Legolas einer kleinen Gestalt - nicht größer als ein Kind - ausweichen, die stampfend und keuchend herangewackelt kam, sich an Aragorn vorbeidrückte und schnaufend weiterrannte.
Als nächstes – „Plopp“, „Plopp“, „Plopp“ und „Plopp“ – traten, nein, glitten einige schwarz verhüllte Wesen aus der Tür. Aragorn trat respektvoll einen Schritt zur Seite. Die Wesen waren groß und in einen Mantel mit einer Kapuze gekleidet, unter der kein Gesicht zu erkennen war, nur eine tiefschwarze Unendlichkeit.
„’N Abend Aragorn“, grüßte die erste der Gestalten nun fröhlich und winkte dem Menschenkönig zu. „’N Abend Legolas“, grüßte er ebenfalls den Elben. „Schicker Wams. Und du hast eine neue Frisur! Sieht gut aus.“ Legolas lächelte huldvoll und bedankte sich.
Der schwarzen Gestalt folgte eine zweite, die ebenfalls freundlich grüßte, dann eine dritte und schließlich eine vierte. Gemeinsam glitten sie hinter dem zuvor erschienenen Wesen her, dessen Schnaufen noch immer zu vernehmen war.
Für eine Weile tat sich nichts und Aragorn und Legolas waren inzwischen in ein Gespräch vertieft. Doch dann ertönte ein zweifaches „Plopp“ und gleich darauf erschien ein Junge aus dem Dunkel. Er war vielleicht elf oder zwölf Jahre alt, trug eine Schuluniform und seine Stirn zierte eine seltsam gezackte Narbe. Und er schien sich ganz offensichtlich vor etwas oder jemandem davonzustehlen – so nah, wie er gerade sich im Dunkeln an der Wand entlang drückte, um anschließend aus der Tür zu huschen. Zumindest setzte er zu einem Huschen an, wurde dann jedoch von einer resoluten rundlichen Frau mit roten Haaren am Kragen gepackt, die plötzlich neben Aragorn auftauchte.
„Harry Potter“, schimpfte sie, „ich habe dir schon tausend Mal gesagt, dass du noch zu jung bist, um die ganze Nacht mit all diesen Gestalten herumzuhängen!“
Ohne eine Erwiderung abzuwarten, zog sie den Jungen hinter sich her und verschwand mit einem lauten „Plopp“ wieder in der Leinwand, aus der die beiden soeben erschienen waren.
Aragorn lachte laut auf und auch Legolas verzog seine Mundwinkel zu einem Lächeln.
Es war jede Nacht dasselbe. Kaum hatten die letzten Menschen das Kino verlassen, kamen die seltsamsten und buntesten Gestalten aus den Leinwänden, um ein paar nette Stunden mit Freunden zu verbringen und ein wenig Spaß zu haben, ehe am nächsten Tag das große Drama auf der Leinwand von Neuem begann. Und jede Nacht versuchte Harry Potter, dabei zu sein.
Ebenfalls jede Nacht erwischte ihn seine Ziehmutter und schleifte den vor sich hinschmollenden Schüler wieder in die Leinwand zurück, wohin ein Minderjähriger ihrer Meinung nach um diese Zeit hingehörte.
Nachdem Aragorn sich vergewissert hatte, dass die Tür für etwaige Nachzügler sicher offen stand – er wollte doch nicht, dass ein Hauself oder ähnliches zerquetscht wurde – schlenderten er und Legolas in Richtung Foyer.
Wie jede Nacht hatten es sich die Piraten bereits an der Bar bequem gemacht, mit Red Bull – Rum gab es hier ja keinen – Cola und Popcorn. Sie hatten einen Heidenspaß daran, dreckige Piratenlieder zu singen und sich dabei gegenseitig mit den aufgepufften Maiskörner zu bewerfen. Obwohl Jack inzwischen so betrunken war, dass er sich nur mühsam auf seinem Barhocker halten konnte und bedenklich hin- und herschwankte, sang (oder lallte?) er am Lautesten von allen.
Nur ein wenig weiter glitzerten, blinkten, strahlten und jaulten die Spielautomaten, die des Tages zumeist Jugendliche unterhielten. In der Nacht waren sie das Reich Gimlis und der nicht weniger goldhungrigen Kobolde von Gringotts. Ein Jubelschrei ging durch die Gruppe, als Gimli zum wiederholten Male den Jackpot knackte. Der Automat pfiff, blinkte und spuckte schließlich laut rasselnd etliche goldene Münzen aus, nach denen viele gierige Finger grabschten.
Eine dieser Münzen prallte von den greifenden Fingern ab und schnellte in die Luft, wo sie von einer vorwitzigen Eule ergriffen wurde, die damit in die Höhe schoss – einzig und allein, um Gimli und die Kobolde zu ärgern. Die restlichen Eulen kreischten begeistert auf und freuten sich über den gelungenen Streich. Der mit ihnen seine Kreise ziehende Fawkes ging enthusiastisch in Feuer auf, nur um anschließend – sich noch immer in der Luft befindend – wieder seiner Asche zu entsteigen.
Über allem glitten die Adler majestätisch durch die Lüfte. Von dem ganzen Kleinvolk – den Eulen und dem angeberischen Phönix – hielten sie sich meistens fern. Sie hatten Wichtigeres zu tun. Wenn sie gefragt wurden, was genau das war, konnten sie nie eine Antwort geben, doch es war definitiv wichtig. Jawohl!
Die funkelnde und glänzende Münze rutschte der daraufhin enttäuscht aufschreienden Eule aus dem Schnabel, fiel auf den Boden, prallte von dem harten Untergrund ab, sprang hoch und fand zielsicher ihren Weg in die Hand eines Hobbits. Nach einem verdutzten Blick seinerseits und seiner umstehenden Freunde brach Jubelgeschrei los. Schließlich konnte man mit solch einer Münze den paradiesischen Automaten füttern, der Schokoriegel, Gummibärchen und andere Köstlichkeiten ausspuckte. Und Hunger hatte ein Hobbit ja immer. So schnell die Füße sie trugen, raste die ganze Bande in Richtung des Hobbit-Schlaraffenlandes.
Hagrid, den sie dabei beinahe umrannten, sah ihnen kopfschüttelnd hinterher, ehe er sich auf das Sofa fallen ließ, das am Rande des Geschehens stand. Er wusste nicht mehr, wie viele blaue Flecke er von den Hobbits bereits verpasst bekommen hatte. Eines hatte er zumindest gelernt: Stelle dich nicht zwischen einen Hobbit und sein Essen! Niemals!
Einige Male hatten sie ihn sogar bereits einfach über den Haufen gerannt – was ihm vermutlich keiner der Menschen geglaubt hätte, die ihn nur auf der Kinoleinwand gesehen hatten. Doch wo Film und Fernsehen andere einfach um mindestens fünf Kilo schwerer wirken ließen, ließ die Leinwand seine 1,63 Meter nun mal ein klein wenig größer wirken.
Aus den Toiletten nebenan drangen die begeisterten Aufschreie von Gollum und Dobby, die dort jede Nacht aufs Neue ihren Spaß hatten. So konnten sie Stunden damit verbringen, die Wasserhähne aufzudrehen und die Waschbecken vollaufen zu lassen. In der Zwischenzeit planschten sie in den Kloschüsseln und spritzten jeden nass, der sich in ihre Nähe wagte.
Diesen Krach fand der Diskussionszirkel, der es sich meist in einer Sitzgruppe unweit der Toilettenräume bequem gemacht hatte, gar nicht lustig. Außer heißer Luft brachten sie zwar wenig zustande, doch wehe jemand störte sie bei der Beschäftigung mit höchstphilosophischen Fragen – er konnte den Rest des Abends als farbenfrohes Nagetier verbringen. Gandalf und Dumbledore waren definitiv Meister der Kunst des Philosophierens – und des heiße Luft Produzierens, wie es das rosa Kaninchen mit den hellblauen Punkten gerade eben festgestellt hatte. Kam einer von beiden – oder gar beide, Gott im Himmel! – richtig in Fahrt, waren sie nicht mehr zu stoppen. Ab und an flogen sogar Funken, so hitzig wurde ihr Gespräch. Funken, die in alle Richtungen stoben und schon die ein oder andere umherfliegende Eule entzündet hatten, was Fawkes freute – so fühlte er sich nicht mehr ganz alleine in seiner Rolle als brennender Vogel. Es ist eben immer schön, Freunde zu haben, die sich für die gleichen Dinge interessieren.
Heute hatte Saruman zunächst begonnen, das Buch vorzustellen, dass er derzeit las – „So you want to be a wizard“ – doch weit war er nicht gekommen. Die Frage, wie genau der Begriff des Zauberers zu definieren sei, hatte bei seinen beiden Kollegen zu einer hitzigen Diskussion geführt, die sicherlich nicht so bald beendet sein würde. Saruman seufzte entnervt und vertiefte sich in seine mitgebrachte Lektüre. Vielleicht würde er ja ein paar Seiten schaffen, es wurde gerade spannend ...
Auch die beiden anderen Teilnehmer der Buchrunde waren von Dumbledores und Gandalfs Freude an solch existentiellen Fragen eher genervt. So nutzten sie die Zeit stattdessen, um Koch- und Backrezepte auszutauschen – ein Hobby, das sie teilten und liebten, bot es doch Ablenkung und Entspannung von ihrem anstrengenden Arbeitsalltag als Leinwandbösewichte.
Das Rezept des Apfelkuchens, das Voldemorts Großmutter ihrem Enkel mitgegeben hatte, verzückte Sauron. Er wagte sich kaum vorzustellen, wie fantastisch der Kuchen schmecken musste, wenn er ihn im Feuer des Schicksalsberges buk ...
Während Sauron sich in Gedanken diesen lukullischen Genüssen hingab, waren Grima und Snape während ihres allnächtlichen Spazierganges in ein Gespräch über die neusten modischen Trends vertieft. Die Nachricht, dass schwarz die Farbe der kommenden Saison sei, hatte sie in Entzücken versetzt. Es entging ihnen fast, dass sie nicht mehr allzu weit von den Garderoben entfernt waren, an denen des Tages Jacken, Mäntel und Rucksäcke aufbewahrt wurden. Nun jedoch hingen dort viele dunkle Fetzen und jeder, der vorbeikam, wurde zu einer Runde des „Nazgul-oder-Dementor“-Ratespiels genötigt, ob er nun wollte oder nicht. Vor allem die Nazgul waren groß darin, flehende Blicke aus der Finsternis und hängende Schultern so gezielt einzusetzen, dass niemand ernsthaft ablehnen konnte.
Ebenso vergnügungssüchtig waren die Geister, die sich in den Wänden des langen Ganges versteckt hielten, der von der Garderobe zu den einzelnen Kinosälen führte. Ihr Ziel war es, jeden der vorbeikam, in Angst und Schrecken zu versetzen. Da sie dieses Spiel jedoch schon seit Ewigkeiten spielten, hatte sich der Überraschungseffekt bereits ein wenig abgenutzt. Wenn sich wirklich einmal jemand erschreckte, tat er es meist, um den sonst sehr deprimierten Geistern einen Gefallen zu tun. Kam mal eine ganze Weile niemand vorbei, verlegten sich die Geister von den Pfaden der Toten darauf, sich aus dem Hinterhalt auf die Hogwarts-Geister zu stürzen. Ein besonders dankbares Opfer war hierbei der fast kopflose Nick, der die Angewohnheit hatte, etwas nach dem Schelm werfen zu wollen, der ihn erschreckt hatte. Für große Heiterkeit sorgte dabei, dass sich dieser Reflex stets auf das Naheliegendste richtete – Nicks eigenen Kopf, der sich jedoch nur bedingt dazu eignete.
Denn schließlich war er nur der *fast* kopflose Nick.
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Nìthiel

Gefährte

Re: Writing*Contest - Teilnehmende Geschichten [Re: Nìthiel]

Nur einer bleibt zurück
~ CherryMoon ~


Der Wind bedeckte mit Schlieren von Neuschnee die Blutflecken und wirbelte die schwarze Asche fort. Mit der unerbittlichen Macht des Sturmes heulte und tobte er über den Berg hinweg, aber in Éanons Herz war nichts als Leere und Stille. Er fühlte nichts; nicht die Kälte des Schneesturms auf der Haut, nicht die Wucht des Windes, die an seinem Haar zerrte und auch nicht all die Empfindungen und Gedanken, die es nicht schafften seinen betäubten Geist zu durchdringen. Er starrte auf die ebene Schneefläche die sich vor ihm erstreckte und hinter der sich der Gipfel der Silberzinne erhob, die die Zwerge Zirakzigil nennen. Die einzige große, runde Hütte die hier einst in mühsamer gemeinsamer Arbeit gebaut worden war, war verbrannt worden, nur ein paar verkohlte Balken ragten noch aus dem Schnee und erinnerten an das gemütliche Zuhause einer ganzen Gemeinschaft, das hier gestanden hatte; eine einzelne Träne lief über Éanons Wange.
Die Schneealben, die hier gewohnt hatten, waren allesamt fort, entführt von den Orks, verschleppt an einen unbekannten Ort oder vielleicht auch einfach nur grausam ermordet. Nur Éanon war noch übrig. Und endlich fiel die Betäubung des Schocks von ihm ab und machte dem verzweifelten Schmerz in seinem leeren Herzen Platz. Fort. Seine Familie, seine Freunde, einfach fort! Und Tinwedh. Er sah ihr Gesicht vor sich, ihre großen eisblauen Augen, die schwarzen lockigen Haare, die ihr blasses, schmales Gesicht umrahmten. Es durfte einfach nicht sein! Plötzlich verließ ihn alle Kraft, sein Speer und die Schneehasen, seine Jagdbeute, rutschten ihm aus der Hand und weinend brach er im Schnee zusammen; der Schmerz schien Éanons junges Herz zu verbrennen.
Eine sanfte Berührung an seiner Schulter holte Éanon in die schreckliche Wirklichkeit zurück. Langsam und ein wenig benommen erhob er sich und blickte dabei als erstes in das schwarz gefleckte Gesicht eines Schneeleoparden. „Onyr!“ Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht. „Wenigstens dich haben sie mir gelassen!“ Er hatte den Schneeleopard als Junges gefunden und aufgezogen, weil seine Mutter von den Orks getötet worden war; jetzt war er sein treuer Freund und Begleiter.
„Oh Onyr, was ist nur geschehen?“, murmelte er.
Éanon war vor einigen Tagen zur Jagd aufgebrochen, doch als er heute zurückkehrte sah er aus der Ferne eben noch die Orks, wie sie zusammengekettete Schneealben seitwärts den Berg hinunter trieben, während hinter ihnen die große runde Hütte der Schneealben verbrannte.
Éanon hatte nie etwas anderes gekannt als sein Leben in Schnee und Kälte, umgeben von hohen Bergen. Er war ein Schneealb und er liebte dieses Leben. Die Schneealben lebten in kleinen Gruppen zusammen, sie kannten keine Kälte und auch keine Krankheit, sie trugen stets dünne Stiefel und Kleider, tanzten in den Schneestürmen und brauchten auch nicht viel zu essen; der Himmel über ihren Köpfen und der Schnee unter ihren Füßen allein machte sie glücklich.
Seine Gedanken wanderten wieder zurück zu Tinwedh. Er wusste nicht, warum die Orks nun öfter in den Bergen auftauchten, warum sie seine ganze Gruppe entführt und so sein Zuhause zerstört hatten; er wusste nichts von der Welt jenseits der Berge. Aber aus seiner Verwirrung und Verzweiflung entsprangen nun der Mut und Wille, einen Entschluss zu fassen. „Wir müssen sie finden und befreien, Onyr!“, sagte er mit fester Stimme.

Am nächsten Morgen hatte sich der Schneesturm wieder etwas gelegt und Éanon und Onyr brachen zusammen auf, nach Westen, denn in diese Richtung hatten sich auch die Orks davongemacht. Tagelang wanderten sie durch eine ebenso fremde wie vertraute Gegend aus Schnee, Wind und Kälte, entschlossen und unermüdlich.
Als sie schließlich den westlichen Rand des Nebelgebirges erreichten, war es Nacht, die Sterne strahlten und sie stiegen zum letzten Mal den steilen Hang eines Berges herab; das Nebelgebirge lag nun hinter ihnen. Éanon fühlte, wie der Boden sich unter seinen Füßen veränderte, er ging erst über harten Fels, dann hin und wieder über ein vereinzeltes Büschel Gras. Er hatte das Gefühl, eine neue Welt zu betreten. Als es Zeit wurde zu rasten, setzte er sich nur hin und erwartete das Morgengrauen; ihm war nicht nach schlafen zumute.
Strahlend hell ging die Sonne auf und ließ Éanon zum ersten Mal einen Blick auf Lande werfen, wie er sie noch nie gesehen hatte, grün, fruchtbar und warm. Sie erstreckten sich bis zum Horizont und Éanon fühlte sich wie verzaubert von ihrem Anblick, doch fürchtete er plötzlich auch, sich in dieser unbekannten Weite zu verirren und nicht mehr zurückzufinden in das Leben, das er bisher geführt hatte.
Da schnitt plötzlich ein schmerzerfülltes Kreischen und Fauchen in seine Gedanken ein und ließ ihn erschrocken hochspringen; er war allein. „Onyr!“, schrie er außer sich vor Angst. Mit rasendem Herzen lief er den steilen Hang hinunter.
Onyr lag nur ein Stück weiter unten zwischen großen Felsblöcken und Blut verfärbte sein weißes Fell; aus seiner Flanke ragte ein schwarzer Orkpfeil.
Éanon wusste nicht, wohin der Ork verschwunden war, der den Pfeil geschossen hatte, oder woher er gekommen war, für ihn zählte nur, dass der letzte Freund, der ihm geblieben war, nun in tödlicher Gefahr schwebte. Er zog den Pfeil aus der Wunde und bemühte sich, die Blutung zu stillen, aber er wusste nicht, ob der Pfeil vielleicht vergiftet gewesen war. Ihm blieb nichts zu tun, als neben Onyr auszuharren, der immer wieder in einen leichten fiebrigen Schlaf fiel, und zu hoffen; die Wunde war ziemlich tief. Den ganzen Tag und die darauf folgende Nacht brachte er so zu, mit steifen Gliedern und voll wachsender Verzweiflung; er wusste nicht, was er hätte tun können. Nun wurde ihm auch erst bewusst, wie allein er war, allein in einer ihm fremden Gegend, ahnungslos, wohin er sich wenden sollte und wer ihm helfen könnte.
Als erneut der Morgen graute, ergriff ihn plötzlich eine große Unruhe, seine Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt, als er ein leises Poltern wie von abrutschenden Steinen hörte. Sofort war er auf den Beinen und griff nach seinem Speer. Das Geräusch ertönte noch einmal und Éanon ertrug die Spannung nicht mehr. „Wer ist da?“, schrie er. „Keinen Schritt näher, ich bin bewaffnet!“
„Nicht töten, ich zeig mich ja schon!“, ertönte eine etwas knarrende Stimme. Dann tauchte hinter einem Felsen ein recht kleiner Ork auf, der vorsichtig die Hände hob. „Will nur helfen!“
Éanon war so überrascht, dass er kein Wort hervorbrachte.
Der Ork nutzte diesen Moment aus, um sich an Éanon vorbeizudrängeln, neben Onyr niederzuknien und sich ebenso vorsichtig wie geschickt an dessen Wunde zu schaffen zu machen. Éanon sah ihm wie erstarrt dabei zu, als er eine schwarze Salbe auftrug, war aber immer noch wie vor den Kopf geschlagen. Die Orks waren an seiner ganzen schrecklichen Lage schuld, und dann kam da plötzlich einer daher und begann ihm zu helfen! Er wusste nicht, ob er erleichtert oder misstrauisch sein sollte. Woher wollte er wissen, ob der kleine Ork wirklich Gutes im Schilde führte?
„Was machst du da?“, fuhr er ihn wütend an.
„Deinen pelzigen Freund retten, wenn’s nicht schon zu spät ist!“
„Warum tust du das?“
„Bin euch schon ’n paar Tage gefolgt. Und jetzt hat’s eben so ausgesehn, als würdet ihr ’n bisschen Hilfe brauchen.“
„Ach, und wo sind deine räuberischen, stinkigen kleinen Freunde?“
„Hab die Kumpels schon vor ’ner ganzen Weile verlassen.“ Er wirkte plötzlich etwas bedrückt.
Éanon setzte sich auf die andere Seite neben Onyr, dem Ork gegenüber; er wünschte, dieser möge so bald wie möglich wieder verschwinden. Aber der Ork rührte sich nicht.
„Was ist los, warum bist du noch hier? Du hast schon genug geholfen!“, sagte er schließlich ungeduldig.
„Muss aber noch sehen, ob er sich wirklich erholt!“
Éanon seufzte. Er war verzweifelt, mutlos und müde und brachte nicht die Kraft dazu auf, den kleinen seltsamen Ork zu verjagen; außerdem wirkte dieser tatsächlich eher harmlos. Er war zwar genau so hässlich wie der Rest seiner Art, aber in seinen Augen fehlte das tückische, streitsüchtige Glitzern und seine Sprache war lange nicht so ungehobelt, wie die aller anderen Orks, die Éanon je begegnet waren.
Außerdem: Seine ganze Welt war aus den Fugen geraten; was erstaunte es ihn da noch, wenn ein Ork ihm plötzlich helfen wollte?
Wieder harrte Éanon einen ganzen Tag lang neben Onyr aus, nur dass ihm diesmal der Ork gegenübersaß. Anfangs machte ihn das unruhig, doch dann gewöhnte er sich daran und wenn sich zufällig ihre Blicke trafen, sahen sie beide schnell wieder weg.
Onyr schien die ganze Zeit zu schlafen; als eine neue Nacht hereinbrach, hatte er sich noch immer nicht gerührt und Éanon schluckte mühsam die Tränen der Verzweiflung hinunter. Allerdings fühlte er sich nicht so schlecht wie in der ersten, allein durchwachten Nacht und es dauerte eine Weile, bis ihm klar wurde, woran das lag: an dem Ork; er war nicht allein.
Nach einer Weile ertrug er die Stille nicht mehr. „Wie heißt du?“, fragte er den Ork.
„Aschdág.“
„Und warum hast du deine Freunde verlassen?“
„Die Kumpels? Die sind nicht meine Freunde. Wollen immer nur streiten und töten und ich kann doch kein Blut sehen!“
Diese Antwort erstaunte Éanon, aber etwas in der Stimme Aschdágs rührte ihn zutiefst; für ihn war es schwer vorstellbar, seine Gruppe einfach so zu verlassen. Der kleine Ork tat ihm leid.
Wieder schwiegen sie und während über ihnen die Sterne strahlten und sie gemeinsam über Onyr wachten, entstand eine seltsame Verbundenheit zwischen ihnen.
Beim ersten Morgengrauen wurde Éanon von einem Geräusch geweckt; er war wieder einmal eingenickt. Benommen hob er den Kopf und da sah er Onyr, der sich vorsichtig erhob und streckte; seine Wunde war sauber verkrustet. Die schreckliche Ungewissheit fiel endlich von Éanon ab und vor Erleichterung umarmte er den kleinen Ork, der immer noch neben ihm saß. „Du hast ihn gerettet! Ich danke dir mein Freund, was kann ich nur tun um meine Schuld zu begleichen?“
Der kleine Ork zögerte kurz, bevor er antwortete: „Die Kumpels haben deine Leute entführt, nicht wahr?“
„Ja…“
„Ich weiß, wohin sie sie bringen.“ Im Blick des Orks stand plötzlich etwas Flehendes.
Und Éanon verstand ihn. „Dann werden wir sie gemeinsam zurückholen!“
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Nìthiel

Gefährte

Re: Writing*Contest - Teilnehmende Geschichten [Re: Nìthiel]

Éomers Ring
~ Aronnia ~


Éomer sass in der grossen Halle und sah dem munteren Treiben zu. Die Stimmung war ausgelassen und die Freude über den Frieden unglaublich gross. Von seinem Platz aus sah Éomer dem Wetttrinken von Legolas und Gimli zu. Gimli hatte Revanche gefordert. Bald war er müde und ging zu seiner Ruhestatt. Er fühlte, wie plötzliche Erschöpfung über ihn kam. Bald ging sein Atem ruhig und regelmässig. Seit langem träumte er wieder mal von etwas anderem als dem Krieg. Er sah das Gesicht einer Frau vor sich.
« Sei mir gegrüsst edler Éomer, Sohn von Éomund. »
« Wer seid ihr? »
« Jemand, der schon längere Zeit über eure Träume wacht. Nur waren eure Träume von Krieg beherrscht, so dass ihr mich nicht wahrnehmen konntet. »
« Wer aber seid ihr? »
« Das werdet ihr schon bald erfahren. »
« Was wollt ihr von mir? »
« Ich werde euch um einen Gefallen bitten. »
« Um welchen? »
« Ich treffe bald ein und kann es euch persönlich sagen. »
« Wann kommt ihr? »
« Bald. »

Dieses Wort hallte noch eine Weile nach. Solange sah er ihr Gesicht noch, und dann verblasste es. Éomer schlief ruhig und falls er geträumt hatte, dann konnte er sich beim Erwachen nicht daran erinnern.

Am Morgen stand er ausgeruht auf und ging in die Halle zum Frühstücken. Er gesellte sich zu Gandalf.

« Guten Morgen Gandalf. »
« Ebenfalls guten Morgen Éomer. Hast du schön geträumt? »

Gandalf sah ihn freundlich an und zog die Augenbrauen hoch. Éomer schaute erst zu Boden und dann langsam zu Gandalf hinüber. Dieser erwiderte seinen Blick vorerst finster, doch dann hellte sich seine Miene auf und er lächelte.

« Ihr Zauberer wisst wohl über alles Bescheid, was vor sich geht? »
Gandalf schmunzelte und sagte dann: « Nein, nicht alles, nur wenn Magie in der Luft liegt. Es bleibt mir nicht verborgen, wenn jemand in meiner Nähe Besuch bekommt in seinen Träumen. »
« Weißt du, wer sie ist? »
Gandalf schüttelte den Kopf.
« Sie sagte, sie würde bald hier eintreffen. »
« Ja, das wird sie. »
Gandalf begann zu lachen und schlug sich mit der Hand an die Stirn.
« Ich habe vergessen, dass sich dein Schicksal noch nicht erfüllt hat. Du bist noch nicht an dem Platz, an dem du sein solltest. »
« Wie bitte? Was weißt du? »
« Nicht viel, und schon gar nichts, was ich dir sagen darf. »

Da heute der Tag von Arwens und Aragorns Hochzeit war, ergab sich an diesem Tag keine Gelegenheit mehr, das Gespräch fortzuführen. Alle hatten sich beim weissen Baum eingefunden, wo die Trauung vollzogen wurde. Éomer war mit seinen Gedanken weit fort und bekam kaum etwas mit. Immer wieder sah er das Bild der schönen Frau vor sich. Sie liess ihn nicht in Ruhe, und er spürte, wie sie sich mehr und mehr in sein Herz stahl. Gedanken über Frauen hatte er sich seit Jahren nicht mehr gemacht. Wenn er jedoch eine Frau hätte beschreiben müssen, hätte sie genau wie die Frau ausgesehen. Vielleicht trug er ihr Bild schon lange mit sich, ohne es zu wissen. Um Éomer herum wurde es unruhig, und diese Unruhe holte ihn in die Realität zurück. Von irgendwoher drang Musik an sein Ohr. Er musste lächeln, denn er fühlte, wie die Verliebtheit seinen Körper durchströmte und er merkte, wie die Sehnsucht nach dieser Frau ihn erfüllte. Er freute sich mächtig auf sie und konnte ihr Kommen kaum noch erwarten. Er stürzte sich übermütig in das Getümmel. So frei hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt.

Éowyn hatte ihren Bruder beobachtet und freute sich darüber, dass es ihm so gut zu gehen schien. Trotzdem war sie darüber etwas erstaunt und ging zu ihm herüber.

« Lieber Bruder, es ist schön, dich so fröhlich zu sehen. Dein Lächeln habe ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen. »
«Ja es geht mir gut. Ich habe letzte Nacht schön geträumt. Für einmal nicht vom Krieg. »

Éowyn konnte ihren Bruder verstehen, doch wurde sie das Gefühl nicht los, dass er nicht alles gesagt hatte. Aber sie wollte nicht in ihn dringen. Er war glücklich, somit war auch sie glücklich. Sie lächelte ihn an.

Ein Bote kam auf Éomer zu und überbrachte ihm eine Holzschachtel. Éomer war erstaunt, doch fühlte er auch gleich, dass diese Holzschachtel etwas mit der schönen Frau aus dem Traum zu tun hatte. Er öffnete die Schatulle und fand darin einen Ring. Gimli, der neben Éomer vorbei lief, sah den Ring und liess einen tiefen Seufzer hören.

« Mein Junge, nimm einen guten Rat von einem alten Zwerg an. Vernichte den Ring bevor er Unheil anrichtet. Der letzte Ring hat mich genügend Kraft gekostet. »

Éomer sah Gimli an und für einen kurzen Moment dachte er über seine Worte nach, doch schüttelte dann den Kopf und lächelte wieder.

« Seht her, ein verliebter Narr. »

Vor sich hinmurmelnd ging Gimli davon. Éomer streifte sich den Ring über den Ringfinger. Es fühlte sich gut an, und so vergass er die Warnung schnell. Er gesellte sich zu Legolas und Gimli. Kaum hatte er sich gesetzt, fiel Legolas Blick auf den Ring.

« Aber das gibt es nicht! »
« Was ist? », fragte Éomer.
« Woher hast du den Ring? »
« Der wurde mir vorher von einem Boten gebracht. »
« Da steht uns sicher schon der nächste Ärger ins Haus », grummelte Gimli.
« Ich kenne diese Schmiedekunst, doch dachte ich, dass das Volk, welche sie herstellt, ausgestorben wäre. »
« Kannst du mir noch mehr darüber sagen, Legolas? »
« Das Volk der Samorin lebte an den Grenzen zu unseren Landen. Doch es bestand kaum Kontakt. Wir lebten neben einander her. »
« Vielleicht gibt es noch einige. »
« Ich weiss es nicht. Gesehen haben wir lange Zeit niemanden. Es ist ein Nomadenvolk. Sie ziehen im Jahreswechsel durch ihr Land. Vielleicht hat sich die Route verändert. »
« Ich habe von einer Frau geträumt. »
« Auch das noch. Jetzt fängt der Junge noch an zu träumen », knurrte Gimli.

Legolas warf Gimli einen scharfen Blick zu.

« Herr Zwerg, falls du es nicht weißt, es ist eine Ehre, wenn einem eine Dame des Volkes im Traum erscheint. Éomer, du bist ihr Auserwählter und der Ring, welchen du trägst, ist ein Verlobungsring. »

Éomer sah ihn sich an und lächelte.

« Ja, Herr Elb, wie war das noch gleich mit knechten und binden? Lass uns das Wetttrinken von gestern weiterführen. Gestern war unentschieden. »
« Aber sicher doch. »

Legolas konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Es wurde noch bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Éomer legte sich schlafen und hoffte, bald von seiner Braut zu träumen. Der Traum liess nicht lange auf sich warten.

« Éomer, mein Bräutigam, ich grüsse dich. »
« Ich habe dich schon erwartet, meine Schöne. Es scheint, als würden wir uns schon lange kennen. »
« Das tun wir auch. Wir haben uns schon als Kinder in den Träumen getroffen. Doch dann kamen die Jahre der Kriege und Auseinandersetzungen. Jetzt ist aber unsere Zeit gekommen. »
« Ja, das stimmt. »
« Du trägst den Ring also? Du wirst mein Gemahl werden? »
« Ja, von Herzen. »

Beide wurden von der Liebe zwischen ihnen erfüllt.
« Bis morgen, mein Liebster. »
« Ich freue mich auf dich, meine Liebste. »

Als Éomer am nächsten Morgen aufstand, konnte er seine Ungeduld kaum verbergen. Er betrat die Halle und steuerte auf Gandalf zu. Dieser lächelte zufrieden.

« Guten Morgen Éomer. Wie ich sehe, nimmst du dein Schicksal an. »
« Ja, das werde ich. »
« Schön. Sie wird bald da sein. Sie reist mit dem Rest ihres Volkes an. »
« Ich kann es kaum erwarten. »

Als wären diese Worte ein Zeichen gewesen, erklangen die Hörner. Eine Reitergruppe von 20 Leuten kam näher. Éomer bot sich an, die Ankömmlinge willkommen zu heissen. Er ging zum Tor und sah zum ersten Mal seine Braut ausserhalb seiner Träume. Sie stieg ab und ihre Gefährten taten es ihr gleich. Zu Éomers erstaunen waren es alles Frauen.

« Seid herzlich willkommen. »
« Hab vielen Dank, mein Bräutigam. »
« Ich werde euch zu Gondors König bringen. »
« Gerne. »
« Darf ich dir den Arm reichen? »
« Sehr gerne. »

Éomers Gefährten waren ihm zum Tor gefolgt. Wie es schien fand sich für jede Frau einen passenden Mann, so dass jede begleitet wurde. Bald betraten Éomer und seine Braut die Halle. Beim Eingang wendete Éomer sich ihr zu.

« Verzeih, aber wie ist dein Name? Darf ich dich als meine Braut vorstellen? »
« Mein Name ist Eonora und ich würde mich freuen, als deine Braut vorgestellt zu werden. »

Sie traten auf den Thron von Aragorn zu. Dieser hatte bereits seinen Platz eingenommen.

« Darf ich Euch, werter Aragorn, meine Braut Eonora vom Volk der Samorin vorstellen?»
« Seid herzlich Willkommen in Gondor, Lady Eonora. Nehmt hiermit die Gastfreundschaft von Gondor an. »
« Habt vielen Dank für das herzliche Willkommen. Gerne nehmen wir Eure Gastfreundschaft in Anspruch. Mein Volk möchte Euch um Entschuldigung bitten, dass wir Euch im Krieg nicht beistehen konnten. Wir 20 Frauen sind die letzten Überlebenden von unserem Volk. Unsere Männer sind alle gefallen. »
« Gerne nehme ich Eure Entschuldigung an. Doch wäre sie nicht nötig gewesen. Ausserdem lasst uns über erfreulichere Dinge sprechen. Ich gratuliere dir, lieber Freund, und Euch, Lady Eonora, zur Verlobung. »

Beide verneigten sich.

« Habt vielen Dank, werter Freund. »

Da lösten sich Éowyn und Faramir aus der Menge.

« Dann möchten Faramir und ich ebenfalls unsere Verlobung bekannt geben. »
« Darüber freue ich mich sehr. Dann lasse ich für heute Abend die Verlobungsfeier ausrichten. »
« Gilt die Feier auch für meine Mannen, die erwählt wurden von den Frauen der Samorin? »
« Selbstverständlich. Morgen sollen die Vermählungen stattfinden. »

In Gondor wurde drei Nächte und drei Tage gefeiert. Die Paare wurden in Liebe vereint. Das Volk der Samorin erstrahlte später wieder im alten Glanz.

Gandalf sass zufrieden da und hatte seine Pfeife in der Hand, und genoss das sehr gute Pfeifenkraut der Hobbits.
Dann murmelte er: « Wenn drei Königsfamilien herrschen, ist Frieden in Mittelerde eingekehrt. »
Lächelnd sah er dem Treiben zu.

Und wenn Legolas und Gimli nicht gestorben sind, dann trinken sie noch heute um die Wette!
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Nìthiel

Gefährte

Re: Writing*Contest - Teilnehmende Geschichten [Re: Nìthiel]

Definition einer Freundschaft
~ An_Dune ~


Die Äste des alten, knorrigen Baumes wiegen sich sanft in der Melodie des Windes. Fast könnte man meinen, sie vollführen einen immer währenden Reigen. Am Fuße des Baumriesen tummeln sich nahezu durchscheinende Wesen. Feingliedrig und mit übergroßen Augen in dem zarten Gesichtchen. An ihrem Rücken siehst du Flügel, einer Libelle gleich.
Gebannt starre ich auf das, was sich hier meinem Auge offenbart. Wesen aus einer anderen Welt. Denn von meiner Welt, wie ich sie kenne, können sie unmöglich sein. Nie zuvor hatte ich so etwas gesehen. Ich schließe meine Augen, denke nach .... Nein, ich kann mich an keine derartige Begegnung erinnern. Sie wäre auch sicher in meinem Gedächtnis haften geblieben, bin ich mir sicher. Noch bin ich verborgen vor den Blicken dieser seltsamen Schar.
Sie lachen, kann ich sehen. Wie du und ich .. Freuen sich daran, sich nahe zu sein, miteinander zu spielen oder was immer dieses flinke Herumhuschen sein mag. Ich beschließe, diese kleinen Flügelwesen Elfen zu nennen. Mein innerer Instinkt sagt mir, dass diese Elfen, wenn sie meiner ansichtig werden, angstvoll in die Lüfte entweichen werden. Leise seufze ich auf, da mein schlechter Ruf mir vorauseilt. Das Geräusch entweichender Luft durchschneidet die Luft, konnte man es hören? Erschrocken halte ich den Atem an.
Trotz meiner Gestalt und Herkunft und meiner eigentlichen Bestimmung sehne ich mich nach etwas. Wie gerne würde ich mit diesen lieblichen Wesen tanzen. Ein nächstes Seufzen unterdrücke ich nur unter größter Anstrengung. In meinem Herzen brennt eine ungestillte Sehnsucht nach .... Wonach eigentlich? Wie soll ich benennen, was ich nicht kenne?
Warum muss ich meinen Genen folgen, die besagen, dass ich Kleinere und Schwächere vernichten soll? Dass sie nur den Zweck erfüllen, mir dienen zu müssen. Wofür auch immer ... Warum darf nicht auch ich mit ihnen lachen und tanzen, als wäre ich einer von ihnen? Ist es so erstrebenswert, immer nur Sieger sein zu wollen? Muss mein Leben voller Dominanz gegenüber jenen sein, die schon in Ehrfurcht erzittern, wenn sie nur den Hauch von meinem Namen hören?
Diese Elfen, wie ich sie nenne, sie sind voll des Glücks über ihre Einigkeit, ihre Gemeinsamkeit, einfach selig, den anderen um sich zu haben. Enttäuschung über das eigene Sein macht sich in mir breit. Selbst unter Meinesgleichen kann ich meine unterdrückten Gefühle nicht leben. Jeden Tag entbrennt aufs Neue der Kampf um die Vorherrschaft in der Gemeinschaft.
Ich horche in mich hinein. Gemeinschaft? Nennt sich so die Ansammlung Gleichgearteter, die wir sind? Was haben wir gemeinsam – außer dem Ziel, andere zu beherrschen und zu unterdrücken? Bitterkeit mischt sich mit meiner Sehnsucht nach diesem Etwas, das ich nicht kenne.
Habe nur ich diese Gefühle, diese Sehnsüchte? Niemand anderer sonst? Bin ich in meiner Gestalt so anders als die anderen, weil neben dem täglichen Kampf um das Überleben auch noch ein zweites Herz in mir schlägt? Wer hat mir dieses Herz gegeben? Warum ich?
Was ist das, was aus meinen Augen tropft? Nie zuvor spürte ich diesen salzigen Geschmack auf meiner Zunge. Es ist eigenartig und immer mehr spüre ich, wie dieses zweite Ich in mir wächst. Ich will ändern, was Urväter mir in die Wiege gelegt haben.
Mein Weg soll ein anderer sein, auch wenn ich damit auf Unverständnis und wenig Gegenliebe stoßen werde. Ich will nicht länger allein sein. Alleine in einer riesigen Gesellschaft Gleicher und noch „Gleicherer“. Sie, zu denen ich gehöre, werden mich ächten, vielleicht sogar verstoßen. Angst kenne ich ... es ist, als ob jemand dir die Luft zum Atmen nimmt.
Ihren Willen wollen sie dir aufzwingen. Dich Glauben machen, dass nur richtig ist, was immer schon war. Neues darf nicht aufbegehren in ihrer Welt. Die, die über dich und mich bestimmen, wollen Althergebrachtes nicht verändern, es würde ihre Macht eingrenzen. Ihre so einzigartige Konstruktion der Befehlsgewalt und Demonstration von Stärke würde zusammenbrechen wie ein labiles Bauwerk aus Karten oder Blättern. Es ist mir klar, dass sie das nicht wollen. Niemand soll mit dem anderen sich verbünden. Die ewige Devise soll lauten: Jeder gegen Jeden .......
Mein Herz pocht laut in meiner Brust. Ich weiß noch immer nicht, was es ist, was ich suche oder zu finden glaube. Immer noch bin ich unsicher, wie ich mich verhalten soll um diese Grenze zu überwinden, die mir von Geburt an auferlegt ist. Doch je länger ich diesen feinen Geschöpfen zusehe, desto mehr wächst die Sehnsucht in mir.
Auch ich möchte mich fallen lassen können und sicher sein, dass jemand an meiner Seite ist, der mich vor Schaden bewahrt. Gut, ich weiß, dass diese zarten Wesen meinen Körper nie auffangen würden können. Aber vielleicht könnte ich ganz nahe bei ihnen sein, ohne dass sie meine Gesellschaft fürchten. Vielleicht würde ich ihre Lieder, die jetzt nahezu lautlos an mein Ohr klingen, hören. Glücklich, andere um mich zu haben, würde ich ruhen, wenn die Sonne hinter den Bergen ins Nichts taucht, während die bleiche Scheibe des Mondes in den dunklen Himmel steigt.
Wie schön wäre es, an ihrer Seite durch diesen alten Wald zu wandeln und sich lachend an Beeren oder Pilzen gütlich zu tun. Mein Aussehen gäbe mir die Kraft, die Elfen vor bösen Dingen zu beschützen. Gleichwohl wie es mir gelänge, ihnen die süßesten Früchte von den hohen Ästen zu holen.
Immer lauter rauscht das Blut in meinen Adern. Ich spüre den Moment kommen, an dem ich mich zu erkennen geben will. Einen Schritt nach vor will ich mich wagen. Noch können mich diese Elfen nicht sehen. Doch scheint ihr Gehör besser zu sein, als ihre Gabe, das Dickicht mit ihren stahlblauen Augen zu durchdringen.
„Bitte bleibt“, flehen meine Gedanken.
Seltsam, es scheint, als könnte die kleinen Feen meine innere Stimme vernehmen. Sie verharren still an ihrem Platz. Die Blätter an den Ästen scheinen stumm geworden zu sein. Etwas Neues scheint hier Einzug halten zu wollen. Irgendwo stand einmal: Die Welt ist im Wandel. Ein guter Spruch, finde ich. Er definiert sehr treffend, dass ich mich von Altem lösen werde. Unausgesprochenes und Unbekanntes wartet auf mich. Gleich was geschehen wird weiß ich, dass ich in dieser Welt – wage ich nun nicht diesen Schritt – alleine sein werde. Es ist genau das, was ich beenden möchte. Dieses ewige alleine sein. Mir fehlt – ich weiß es noch immer nicht zu sagen ........
Ich verhalte mich, wie ich es gelernt habe, wenn Höherrangige meine Unterwürfigkeit erwarten. Meine Augenlider sind gesenkt, mein Haupt berührt meine Brust ..... So trete ich aus dem Schatten des dornigen Busches. Die spitzen Schutzmechanismen der Pflanzen ritzen in meine Haut. Bluttropfen quellen aus den tiefen Kratzwunden.
Noch im nächsten Schritt verharre ich und spreche mit ungewohnt leiser und heiserer Stimme: „Bitte“, wie seltsam klingt dieses Wort in meinen Ohren und dann erst in den feinen Lauschern der sanften Wesen auf dem moosbedeckten Boden. Während die kleinen Waldbewohner eilig die luftigen Höhen aufsuchen um sich in Sicherheit zu bringen, spreche ich weiter: „Bitte, fliegt nicht weg. Ich weiß, ihr habt Angst vor mir, weil man es euch gelehrt hat. Auch mir hat man von Kindesbeinen an weisgemacht, dass ich euch zerstören muss. Doch will ich nicht länger so leben wie bisher. In mir ist etwas, das nach etwas sucht, was ich nicht benennen kann.“
Ohne einen Laut von sich zu geben lassen sich die Elfen auf einem Ast in sicherer Höhe nieder. Doch sie verschwinden nicht im Dickicht der Blätter und somit aus meinem Blick. Sie lassen mich sprechen. Von meinen Ängsten, Gefühlen und Sehnsüchten. Solange, bis wieder diese salzigen Bäche aus meinen Augen rinnen.
Eines der Flügelwesen schwebt lautlos herab und lässt sich auf meiner Schulter nieder. Wie rein ist doch seine Stimme. Wie ein klarer Wasserlauf, der durch steinige Halden seinen plätschernden Weg in den großen Strom sucht. Das Glücksgefühl in mir erreicht einen Zenit, den ich noch nie erklommen habe. Ich weiß jetzt, dass es auch nicht Glück war, das ich empfand, als ich siegreich über andere stand. Auch nicht, als Blut meine Augen netzte, wenn ich den Schwächeren zu Boden warf. Das was jetzt mich bewegt, in diesem Augenblick, das macht mein Herz lachen und jauchzen. Das ist Glück.
„Wie heißt dieses Etwas, das ich suche und zu finden hoffe?“, frage ich mit einem vorsichtigen Seitenblick das Elfenkind auf meiner Schulter. Ich weiß um meine Körperkraft und Stärke, will es nicht erschrecken.
„Was du suchst, mein haariger Geselle, dessen Name in unseren dunklen Träumen „böser Wolf“ ist, ist nichts anderes als Freundschaft. Freundschaft kennt keinen Neid, keinen Anspruch auf Besitz des anderen in Form von Leben oder Gut. Freundschaft ist einfach da, wenn man sie braucht. Freundschaft ist Wärme, wenn du frierst, ist Nahrung, wenn du Hunger hast, ist Schutz und Trost, wenn du Hilfe brauchst. Und wenn du in deiner Entwicklung so weit geraten bist, dass du erkennst, dass ein Leben ohne Freunde kein Leben ist, dann hast du dein Ziel erreicht und Weisheit gewonnen, die viele noch suchen müssen. Komm nun, mein Freund, geselle dich zu uns und erzähle uns deine Geschichten, wie auch wir dir unsere erzählen wollen.“
Die Äste des alten, knorrigen Baumes wiegen sich sanft in der Melodie des Windes. Fast könnte man meinen, sie vollführen einen immer währenden Reigen. Am Fuße des Baumriesen tummeln sich nahezu durchscheinende Wesen. Feingliedrig und mit übergroßen Augen in dem zarten Gesichtchen. An ihrem Rücken siehst du Flügel, einer Libelle gleich. In ihrer Mitte liegt ein riesiges , haariges Pelzungetüm. Ein Wolf? Egal, was es ist ...... Es ist anders und doch gleich, denn es sind Freunde und die unterscheiden nicht zwischen Aussehen, Rang und Namen. Sie sind einfach eins in ihren Herzen – eben Freunde!
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Nìthiel

Gefährte

Re: Writing*Contest - Teilnehmende Geschichten [Re: Nìthiel]

Eine eigene Geschichte
~ CherryMoon ~


Es war nun einmal wirklich nicht die Sache der Hobbits, sich in große Fahrten oder Abenteuer zu stürzen, das musste Eddie sich nun endlich eingestehen. Aber genau das hatte er leider getan und nun gab es so schnell kein Zurück mehr; erst musste wohl oder übel erledigt werden, wozu sie ausgezogen waren. Andererseits: Hatte er sich nicht selbst mit feuriger Begeisterung für die Sache eingesetzt und war guten Mutes losgezogen? Nein, dachte er, ich hab’s mir selbst zuzuschreiben, dass ich hier bin. Und außerdem hatte er immer schon seine eigene Geschichte haben wollen, ein spannendes Erlebnis, das er immer wieder in den Gasthäusern erzählen konnte, während alle Leute an seinen Lippen hingen.
„Eddie!“ Eine fröhliche Stimme riss ihn aus seinen Überlegungen hoch. Es war Meladoc Lattich, der nach ihm gerufen hatte und gemeinsam mit seinem Bruder Dobbin ein Stück vor ihm ging.
„Was ist?“ Eddie schloss rasch zu ihnen auf.
„Mein lieber Edegard Grabner“, sagte Mel und bedachte Eddie mit einem strafenden Blick, „du hängst hier hinten allein herum und bist so in Gedanken versunken, dass du beinahe vergisst deine Füße zu bewegen, und da fragst du, was ist? Wir wollen natürlich wissen, ob alles in Ordnung ist mit dir!“
„Ja, klar, alles in Ordnung!“, sagte Eddie etwas zerstreut.
„Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, wir finden ihn schon, immerhin sind wir erst seit ein paar Tagen unterwegs.“
„Hm.“ Eigentlich machte sich Eddie Sorgen, gerade weil sie ihn vermutlich finden würden. Den Drachen. Allein bei dem Gedanken daran wurde Eddie angst und bange. Und im Nachhinein kam es ihm auch ziemlich seltsam vor: ein Hobbit, der einem Drachen nachjagte! Wo hatte man das je gesehen?
Begonnen hatte das Ganze eigentlich eher harmlos an einem gemütlichen Abend im Gasthaus „Zum tänzelnden Pony“ in Bree. Doch dann hatte ein Mann, der den Grünweg von Norden herab gekommen war, eine schreckliche Geschichte erzählt von einem riesigen, Feuer speienden Drachen der aus den Nördlichen Höhen gekommen war und nun direkt auf Bree zuhielt. Nach dieser Geschichte waren die Hobbits und die anderen Bewohner des Breelandes überstürzt nach Hause gegangen, empört, dass es jemand wagte, eine so furchtbare Geschichte in ihrem Gasthaus zu erzählen; aber die Sache ließ ihnen keine Ruhe und am nächsten Abend trafen sie sich wieder, um darüber zu reden. Manche zweifelten an der Wahrheit der Geschichte, doch die meisten überlegten, wie man das Unheil abwenden könnte. Sie kannten Drachen nur aus Sagen und Liedern und die Vorstellung, ihr friedliches kleines Land würde
von einem solchen Untier bedroht, versetzte vor allem die Hobbits in Angst und Schrecken.
Mel und Dob Lattich machten schließlich den Vorschlag, gegen den Drachen auszuziehen und ihn zu töten, bevor er das Breeland erreichte. Und nach einigem Zaudern vonseiten der Hobbits war eine Gruppe von etwa drei Dutzend Menschen und Hobbits von Bree aus über den Grünweg nach Norden aufgebrochen, mit reichlich Proviant und eilig zusammen gesuchten Waffen ausgestattet.
Im Nachhinein kam Eddie dieses ganze Vorhaben eher unüberlegt und planlos vor und seine rasche Einwilligung daran teilzunehmen ziemlich unbedacht. Aber nun, da er einmal hier war wollte er die Gelegenheit zu einer eigenen Geschichte zu kommen auch nicht einfach verstreichen lassen.

Abends schlugen sie ihr Lager ein Stück abseits der Straße auf und entzündeten wegen der Kälte einige große Feuer.
„Morgen sollten wir einmal einen Kundschafter ausschicken, sonst stoßen wir noch völlig unvorbereitet auf diesen Drachen“, schlug Mel plötzlich vor.
„Und an wen genau hast du da gedacht?“, fragte Olgo Bims, ein ziemlich dicker Hobbit, besorgt.
„An unseren Eddie hier natürlich“, sagte Mel strahlend, „er war heute schon sehr enttäuscht, weil wir den Drache noch immer nicht gefunden haben und ich finde, wir sollten ihm die Gelegenheit dazu geben, ihn als Erster zu sehen!“
Für Eddie war das eine Verdrehung der Tatsachen und er wollte Mel schon widersprechen, als Heinrich Haselmann das Wort ergriff. „Gute Idee Mel! Und wenn Eddie dann nichts dagegen hat, würde ich sagen, machen wir es so!“
Eddie hatte sogar eine ganze Menge dagegen, aber traute sich nun nicht mehr so recht, etwas zu sagen. Heinrich Haselmann hatten sie nämlich als Leiter ihrer Unternehmung gewählt (weil er immer sehr vernünftig war), und Eddie hielt es nicht für gut, seiner Entscheidung zu widersprechen. Also nickte er nur missmutig.
„Du kannst deinen Drachen natürlich auch gleich töten, damit ersparst du uns eine Menge Arbeit!“, sagte Dob zu Eddie und zwinkerte ihm fröhlich zu.
Eddie knurrte nur unverbindlich. Diese Schurken!, dachte er. Mel und Dob wissen genau, dass ich diesen Drachen nicht unbedingt finden will. Aber ich werd’s denen schon zeigen! Ich werd’s ihnen schon zeigen…

Es war noch vor Sonnenaufgang, als Eddie vom Gezwitscher der Vögel geweckt wurde, die einen schönen Tag ankündigten; seine Laune aber hatte einen Tiefpunkt erreicht. Grummelnd suchte er seine Sachen zusammen und schulterte seinen kleinen Bogen, die einzige Waffe, die er außer seinem Messer mitnahm. Dann marschierte er los nach Norden.
Es wurde ein sonniger Tag, aber Eddie bemerkte es kaum, er hatte eine ziemliche Wut im Bauch und verfluchte den vermaledeiten Drachen, den er nun alleine suchen sollte.
Die ganze Zeit schlug er sich mit diesem Gedanken herum, bis er plötzlich kurz nach Mittag feststellte, dass er irgendwie von der Straße abgekommen war und schon eine ganze Weile einfach so durch die Wildnis wanderte. Normalerweise wäre er vielleicht in Panik geraten, doch jetzt wurde seine Wut noch mehr geschürt. Dieser verdammte Drache war schuld daran, dass er sich nun auch verlaufen hatte! Einfach um seinem Zorn irgendwie Ausdruck zu verleihen stürmte er blindlings drauflos, durch das inzwischen deutlich felsiger gewordene Gelände. Zu spät sah er, dass plötzlich vor ihm eine steile Felswand wie eine Stufe in die Landschaft einschnitt und bevor er sich noch irgendwo festhalten konnte, stürzte er schreiend in die Tiefe und schlug mit dem Kopf hart auf einem Stein auf.
Als er wieder aus seiner kurzen Bewusstlosigkeit erwachte und stöhnend die Augen aufschlug, war das erste was er sah ein großer, schwarz geschuppter Kopf mit rot glühenden Augen, die ihn anstarrten. Fast wäre Eddie noch einmal in Ohnmacht gefallen. Der Drache!
Hastig sprang er auf die Füße und riss sich den Bogen von den Schultern. Aber er war noch ein wenig schwindelig und sein abgeschossener Pfeil ging daneben.
„Kannst du mir sagen was das soll, mein Freund?“, fragte der Drache mit grollender, leicht eingeschnappter Stimme.
Wie vom Donner gerührt blieb Eddie stehen.
„Schießt hier einfach so in der Gegend rum! Das kann ganz schön ins Auge gehen!“, grummelte der Drache.
Eddie beruhigte sich langsam wieder. Ein sprechender Drache, na und? Trotzdem würde er ihn jetzt erschießen!
Aber der Drache sah, wie er nach einem weiteren Pfeil griff und mit einer raschen Bewegung seines Schwanzes fegte er ihn einfach von den Füßen. „Immer mit der Ruhe, mein Freund, wir können über alles reden!“, grollte er.
Eddie versuchte weg zu kriechen, aber der Drache hob ihn mit einer Klaue an Umhang hoch, direkt vor eines seiner großen, roten Augen; es schien ihm richtig Spaß zu machen, dass Eddie sich so sehr bemühte, ihn umzubringen. „Hast du heute schon zu Mittag gegessen?“, fragte er.
Eddie schüttelte stumm den Kopf.
„Ich auch nicht!“ Der Drache verzog sein Maul zu einem breiten Grinsen.
Als Eddie aufging, was damit gemeint war, riss er panisch sein Messer aus dem Gürtel und schleuderte es nach dem Drachenauge; er traf nicht und da wurde ihm bewusst, dass er nun nicht einmal mehr eine Waffe hatte, denn seinen Bogen hatte er schon vorher vor Schreck fallen gelassen.
Der Drache wirkte nach diesem erneuten Angriff ziemlich beleidigt. „Jetzt hör endlich auf, mit Dingen rum zu schießen, noch dazu wenn sie spitz sind!“
„Lass mich sofort runter!“, sagte Eddie in einem verzweifelten Anflug von Mut.
Der Drache ließ ihn tatsächlich fallen, legte aber eine seiner Klauen so über ihn, dass er sich nicht mehr rühren konnte. „Können wir jetzt endlich reden?“
„Wie…wie meinst du das?“
„Na wie ich’s sage!“
Eddie war verwirrt. „Du willst mich also nicht fressen?“
„Ich fresse keine dicken Hobbits.“
„Ich bin nicht…!“
„Ja ja.“ Der Drache zwinkerte ihm zu. „Wie heißt du?“
„Eddie Grabner.“ Er zögerte kurz. „Und du?“
„Gulmur.“
Ich liege hier und rede mit einem DRACHEN! Na ja, immerhin hat er Humor…
Dem Drachen schien das Gespräch sehr zu gefallen. „Woher kommst du?“
„Aus Stadel im Breeland.“ Da fiel Eddie plötzlich etwas ein. „Warum hast du die Nördlichen Höhen verlassen und willst Bree angreifen?“
Gulmur wirkte erstaunt. „Ich will Bree nicht angreifen und ich komme auch nicht aus den Nördlichen Höhen. Kennst du die Ettenöden? Von dort komme ich. Tief in diesem Gebirge unter der Erde habe ich gehaust, seit ich mich erinnern kann. Aber das war kein Leben für einen Drachen wie mich. Stell dir vor, du sitzt unzählige Jahre lang auf einem Schatz, den du nicht einmal sehen kannst, es ist stockdunkel und kalt und nie siehst du auch nur einen Lichtstrahl, spürst einen Hauch von Sonnenwärme. Es ist schrecklich. Also bin ich schließlich heraus gekrochen aus meiner Höhle, fort von den Ettenöden, erst nach Westen und dann nach Süden. Ach, es ist wunderschön so, ich liebe die Sonne und die Natur…“
Der Drache hatte Eddie inzwischen freigegeben und er setzte sich gemütlicher hin. „Ja, ich kann dich gut verstehen. Ich könnte auch nie in einem dunklen, kalten Loch hausen!“, sagte er. „Hobbits lieben die Sonne.“

Den ganzen Nachmittag saßen der Drache und der Hobbit beieinander und redeten und als die ersten Sterne zu leuchten begannen, blickten sie gemeinsam in den weiten Abendhimmel.
„Es war schön, dich zu treffen“, sagte Gulmur, „und es wäre noch schöner, dich wieder zu sehen.“
„Ich werde wiederkommen!“
„Du wirst mich sicher finden; ich habe vor, hier zu bleiben.“
Eine Weile schwiegen sie beide.
„Eigentlich hätte ich dich töten sollen!“, sagte Eddie etwas verlegen. „Was soll ich nur den anderen erzählen?“
„Denk dir irgendeine wilde Geschichte aus, sie wollen doch ohnehin nur einen Grund, um wieder nach Hause zu gehen.“ Gulmur sah Eddie aus seinen großen runden Augen an. „Du wirst mir fehlen, mein kleiner Freund. Komm gut nachhause und vergiss mich nicht.“
„Sicher nicht!“ Dann wandte er sich zum Gehen und kletterte die Felswand hinauf, die er zuvor hinuntergefallen war, drehte sich aber noch einmal um. „Ich danke dir, dass du mir
einen großen Wunsch erfüllt hast!“, rief er.
Nun hatte er seine eigene Geschichte, die er erzählen konnte.
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Scotch

Gefährte

Re: Writing*Contest - Teilnehmende Geschichten [Re: Nìthiel]

Nochmal meine Glückwünsche an den Gewinner! Und auch an die anderen, alle Geschichten waren klasse!

Und nun meine Frage: ich möchte nächstes Jahr mit einer Freundin auch teilnehmen am Writing Contest.

Allerdings sind beide stories auf Englisch. Ist das ein Problem?
Außerdem wüßten wir gerne, ob es wichtig ist, ein bestimmtes Thema zu haben. Und muß die Geschichte mit Herr der Ringe zu tun haben? In meiner kommt zum Beispiel nur kurz einmal Gollum vor.
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Nìthiel

Gefährte

Re: Writing*Contest - Teilnehmende Geschichten [Re: Scotch]

Scotch schrieb:
Und nun meine Frage: ich möchte nächstes Jahr mit einer Freundin auch teilnehmen am Writing Contest.

Allerdings sind beide stories auf Englisch. Ist das ein Problem?
Außerdem wüßten wir gerne, ob es wichtig ist, ein bestimmtes Thema zu haben. Und muß die Geschichte mit Herr der Ringe zu tun haben? In meiner kommt zum Beispiel nur kurz einmal Gollum vor.



Siehe da.

Geschichten sollten aufgrund der besseren Vergleichbarkeit auf Deutsch sein. Das Thema für nächstes Jahr steht noch nicht fest, wird wahrscheinlich erst im Juni/Juli festgelegt werden. Die letzten zwei Male hatten wir feste Themen, das wird nächstes Jahr wahrscheinlich auch so sein. Dann sollten die Geschichten aber natürlich auch zu dem entsprechenenden Thema passen.
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Scotch

Gefährte

Re: Writing*Contest - Teilnehmende Geschichten [Re: Nìthiel]

Vielen Dank, die Auskunft hat sehr geholfen
Dann werden ich und meine Freundin mal warten, bis näheres bekannt wird.
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