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Gesellschaft, Kultur, Freizeit » Off Topic Forum » Schmetterlingsgesang - der Gedanken schönste Form

Mithrillips

Gefährtding

Schmetterlingsgesang - der Gedanken schönste Form

Ein neuer Thread wurde nach dem großen Krabbeln anverlangt - hier ist er.
Beginnend mit einem Zitat:

Poesie
Der Aufstand des Menschen gegen das, was er ist.
James Branch Cabell



Und die Romantik, in Form von Eichendorff:

Joseph von Eichendorff
Die Nacht

Wie schön, hier zu verträumen
Die Nacht im stillen Wald,
Wenn in den dunklen Bäumen
Das alte Märchen hallt.


Die Berg im Mondesschimmer
Wie in Gedanken stehn,
Und durch verworrne Trümmer
Die Quellen klagend gehn.


Denn müd ging auf den Matten
Die Schönheit nun zur Ruh,
Es deckt mit kühlen Schatten
Die Nacht das Liebchen zu.


Das ist das irre Klagen
In stiller Waldespracht,
Die Nachtigallen schlagen
Von ihr die ganze Nacht.


Die Stern gehn auf und nieder -
Wann kommst du, Morgenwind,
Und hebst die Schatten wieder
Von dem verträumten Kind?


Schon rührt sichs in den Bäumen,
Die Lerche weckt sie bald -
So will ich treu verträumen
Die Nacht im stillen Wald.
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Romansun

Hüterin der Ered Nimrais

Re: Schmetterlingsgesang - der Gedanken schönste Form [Re: Mithrillips]

Danke für die Eröffnung des neuen Threads, Mithrillips.

Und damit der bisherige Schmetterlingsgesang, ein Thread voller Poesie, nicht in Vergessenheit gerät: ----- hier entlang ----->
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Minuial_Tindómë

Gefährte

Re: Schmetterlingsgesang - der Gedanken schönste Form [Re: Romansun]

Das muss noch rein. Das finde ich so schön und schließlich war das der Anfang vom Schmetterlingsgesang:

Phönix:
In Antwort auf:

Mein alter Deutschlehrer sagte immer "Poesie sei wie der Gesang eines Schmetterlings" und schließlich "Nur wer Schmetterlinge singen hört, weiß wie Wolken schmecken!





Und hier noch was Schönes für die Liebhaber der Natur unter uns. Etwas zum Träumen in der dunklen, kalten Jahreszeit:

Sommerabend

Klar ruhn die Lüfte auf der weiten Flur;
fern dampft der See, das hohe Röhricht flimmert,
im Schilf verglüht die letzte Sonnenspur,
ein blasses Wölkchen rötet sich und schimmert.

Vom Wiesengrunde kommt ein Glockenton,
der Hirte sammelt seine satte Herde;
im stillen Walde steht die Dämmrung schon,
ein Duft von Tau entweicht der warmen Erde.

Im jungen Roggen rührt sich nicht ein Halm,
die Glocke schweigt wie aus der Welt geschieden;
nur noch die Grillen geigen ihren Psalm.
So sei doch froh, mein Herz, in all dem Frieden!

Richard Dehmel


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Minuial_Tindómë

Gefährte

Re: Schmetterlingsgesang - der Gedanken schönste Form [Re: Minuial_Tindómë]

Und hier noch was hoffnungsvolles:

Das hohe Lied der Liebe
(1. Kor. 13:1-14:1)

1. Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.
2. Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und hätte allen Glauben, so daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.
3. Und wenn ich mein Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.
4. Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht,
5. sie stellt sich nicht ungebärdig, sie sucht nicht das ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,
6. sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit;
7. sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
8. Die Liebe hört niemals auf, wo doch die Weissagungen aufhören werden und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird.
9. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk.
10. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
11. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und urteilte wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindisch war.
12. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.
13. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
14:1. Strebt nach der Liebe!


Das Lied wurde auch vertont. In meinen Ohren ein grandioses Meisterwerk. Die Musik schafft es genau die Essenz der Worte wiederzugeben.
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barthofan

Gefährte

Re: Schmetterlingsgesang - der Gedanken schönste Form [Re: Minuial_Tindómë]

Mir ist heute ein ziemlich seltsames Gedicht über den Weg gelaufen, dass ich im Moment selbst nicht so ganz verstehe. Es hat auf jeden Fall etwas mit dem Holocaust und einer Kritik am Nationalsozialismus zu tun. Ich finde das Gedicht zwar an sich nicht so schön, aber dennoch interessant.

Todesfuge
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar
Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne
er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar
Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften
da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen

Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister
aus Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

Paul Celan




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Athene

Gottding

Re: Schmetterlingsgesang - der Gedanken schönste Form [Re: barthofan]

Aaah, die Todesfuge!
Beim ersten hören konnte ich damals auch nicht sonderlich viel damit anfangen, aber wenn man es erst einmal im Deutschunterricht auseinandergenommen hat, wird einem so einiges klar.
Es macht mir immer noch eine Gänsehaut...
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Re: Schmetterlingsgesang - Dylan Thomas [Re: barthofan]

Werter barthofan,

Hier findest du eine Interpretation der Todesfuge.

Es ist sehr schwierig, nach diesem Gedicht eine angemessene Fortsetzung zu finden. Ich versuch's mal mit
Dylan Thomas:

Do not go gentle into that good night

Do not go gentle into that good night,
Old age should burn and rave at close of day;
Rage, rage against the dying of the light.

Though wise men at their end know dark is right,
Because their words had forked no lightning they
Do not go gentle into that good night.

Good men, the last wave by, crying how bright
Their frail deeds might have danced in a green bay,
Rage, rage against the dying of the light.

Wild men who caught and sang the sun in flight,
And learn, too late, they grieved it on its way,
Do not go gentle into that good night.

Grave men, near death, who see with blinding sight
Blind eyes could blaze like meteors and be gay,
Rage, rage against the dying of the light.

And you, my father, there on the sad height,
Curse, bless me now with your fierce tears, I pray.
Do not go gentle into that good night.
Rage, rage against the dying of the light.

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Re: Schmetterlingsgesang - Heinz Erhardt [Re: Alex]

Ein Gedicht von Heinz Erhardt passt jetzt ganz gut auf die schwarze Milch:

Gedanken an der Ostsee

--
Moderatorischer Eingriff: Urheberrechtlich geschützter Text entfernt.

Alienor
--

Geändert durch Alienor (01.08.2011 09:05)

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Athene

Gottding

Re: Schmetterlingsgesang - Erich Kästner [Re: TylerDurden]

Tja, dieser Mann hat nicht nur Kindergeschichten geschrieben

Erich Kästner

Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Bureaus, als wären es Kasernen.
Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!

Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!

Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.

Kennst du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen!
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.

Selbst Geist und Güte gibt’s dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.

Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!


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Laurelin

kleine Dunkle Herrscherin

Re: Schmetterlingsgesang - Erich Kästner [Re: Athene]

Athene, dein Gedicht wollte ich auch schon hier reingestellt haben.
Dafür jetzt dieses hier:


Reklame

Wohin aber gehen wir
ohne sorge sei ohne sorge
wenn es dunkel und wenn es kalt wird
sei ohne sorge
aber
mit musik
was sollen wir tun
heiter und mit musik
und denken
heiter
angesichts eines Endes
mit musik
und wohin tragen wir
am besten
unsere Fragen und dern Schauer aller Jahre
in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge
was aber geschieht
am besten
wenn Todesttille


eintritt

(Ingeborg Bachmann)
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