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Mittelerde & andere phantastische Welten » Die Gaukler-Stube » Eberiad - Last Generation ~~~ Thread 1

Daisy

Gefährte

Eberiad - Last Generation ~~~ Thread 1

Willkommen, willkommen! Hier ist er endlich, der unglaubliche Spielthread *höhö*

Ich hoffe ihr werdet alle viel Spaß haben und ich nicht allzu grobe Fehler machen

Also, auf ein hübsches, neues RPG, viele schöne Posts und so weiter und so fort, Prösterchen und auf gehts´s


Êas – 15.4.

„Luthmill!“ Garlor brüllte den Namen, obwohl der Gerufene sich mit drei anderen Soldaten zusammen im Raum befand und sah ihn mit einem schmalen Grinsen an, als der vortrat

„Sir...“ Scott Luthmill bemühte sich um ein gehorsames Gesicht, als er sich dem brüllenden Fleischberg gegenüberstellte. Wie der es geschafft hatte stellvertretender Befehlshaber über die Königsgarde zu werden war ihm ein Rätsel, vermutlich aber hatte es mit seinem Hang zum Sadismus zu tun... eher aber mit seiner widerwärtigen Treue seinem König gegenüber. Ihm selbst hätte diese Stelle zugestanden, dann wäre er schon lange weiter, als er jetzt war, aber wie so oft, kam alles anders, als man es erwartete... und als es geplant gewesen war.

„Luthmill...“ wiederholte er und lachte dabei wie ein grunzendes Schwein „Erzählt den drei Schwuchteln hier, was Ihr über den Magischen Krieg wisst“

„Der magische Krieg?“ Scott war einigermaßen überrascht über diese Frage. Sie war das Letzte, was er in diesem Augenblick erwartet hatte.
„Es war der letzte Krieg, an dem die Völker der alten Zeit beteiligt waren“ begann er dann jedoch zu erzählen, was er wusste, nur in Ansätzen „Das Flügelvolk, Visby, Feen, selbst die Trolle haben zusammen mit den letzten heiligen Menschen versucht, ihr Land und ihre Existenz zu verteidigen.
Trotz all ihrer Macht und der Größe ihrer Heerscharen gelang es ihnen jedoch nicht, gegen die Überzahl der Menschen, die den alten Glauben verabscheuten und sich die Könige über das Land nennen wollten, anzukommen.
Sie zogen sich zurück, verließen Eberiad und überließen es dem Schicksal, das die Menschen ihm zugeteilt hatten.“ Das Ergebnis sahen sie jetzt, aber das behielt er lieber für sich „Wenn man es denn glaubt, Sir“ letzteres fügte er nur vorsichtshalber hinzu, konnte man sich doch nie sicher sein, was einen wegen eines falschen Wortes und einer falschen Einstellung erwartete

„Weiter...“

„Das ist jetzt fast dreihundert Jahre her, Sir, wie fast alle Dinge aus dieser Zeit, sind auch die Schriften über den Magischen Krieg verschollen, und niemand weiß, wohin die alten Völker gegangen sind. Es heißt, sie haben diese Welt verlassen, zumindest aber das Land... andere sagen es wären alles nur Legenden“

„Und ganz andere sagen, sie würden dort, wo sie jetzt sind, einen Krieg vorbereiten und über das Land herfallen, sobald sie das letzte Teil ihres Puzzles gefunden haben“ Garlor fluchte in einer Sprache, die niemand sonst im Raum verstand, wofür Luthmill gelegentlich sehr dankbar war, und spuckte wütend auf den Boden. Auch so etwas, an das man sich gewöhnen musste, wenn man mit dem zweiten Hauptmann der Königsgarde umgehen musste.
„Ein Puzzleteil, Sir?“ es war normalerweise nicht sehr ratsam derartige Fragen zu stellen, aber im Augenblick war ihm das gleichgültig. Garlor hatte es geschafft seine Aufmerksamkeit zu wecken und es wäre ein großer Schritt nach vorne, wenn er die richtigen Antworten bekam „Und wer sagt das?“

„Die Scheiß Druiden sagen das... Die Scheiß Druiden im weißen Turm prophezeien schon seit Monaten diesen Mist und der gute Jervon glaubt diesen Schwachsinn auch noch und sieht sein Reich in Gefahr“ er rotzte wieder auf den Boden.

Luthmill ignorierte es. Druiden also... Die Druiden waren alles, was von früher übriggeblieben war, eine schwache Erinnerung an das, was der Alte Glaube gewesen war. Heute lebten sie in einem Orden am Ostrande des Cel Givô, direkt an den Êlar-Fällen, der einzige Orden in ganz Eberiad und wie viele Druiden es dort noch gab, wusste niemand so genau, zudem es hieß, dass immer wieder welche verschwanden und dafür andere dazu kamen. Aber eigentlich gab es kaum jemanden, der überhaupt davon wusste. Der gewöhnlichen Bevölkerung war wohl nicht einmal bewusst, dass es den weißen Turm gab. Es würde auch niemand ungebeten dorthin gelangen… nicht einmal in die Nähe vermutlich, nicht nah genug, um ihn zu sehen... den Turm, der zumeist in dichten Nebel gehüllt schien...
Es war ein Wunder, dass ausgerechnet der König des Nordreichs den Druiden Glauben schenkte, aber er sah darin eine Chance sich gegen Angriffe aus dem Norden zu schützen und nutzte die seherischen Fähigkeiten der Druiden für seine Zwecke.
Die Druiden wiederum schützten sich damit, dass sie offiziell den großen und einzigen Gott `Tabor´ anbeteten, Luthmill und einige andere wussten es besser, aber darüber sprach niemand. Besser für die Druiden, besser für den König und besser für ihn selbst. „Und was haben wir nun damit zu tun?“

„Das ist eben der springende Punkt... und der Grund, weshalb dieser bescheidene, kleine Rat hier einberufen wurde“ Garlor machte eine kleine, pathetische Pause, in der er in die Runde sah und jeden einzelnen der vier mit einem intensiven Blick bedachte „Dieses Puzzleteilchen soll gefunden werden. Und wir haben die Ehre es zu suchen und herbringen zu dürfen, genaugenommen ihr vier, damit das Reich geschützt und bewahrt werden und unsere Hoheit in Ruhe und Frieden weiterherrschen kann... und so weiter und so fort... Ihr werdet also dafür sorgen, dass der gute Junge wieder ruhig schlafen kann“

Er würde dafür sorgen, dass der Junge gut schlafen konnte... für immer, wenn es sein musste. Scott hatte nicht umsonst fünfzehn Jahre seines Lebens damit zugebracht, diesem Bastard zu dienen, jetzt sollte er endlich seinen Lohn dafür bekommen. Und diese Information war schon mehr als genug Lohn, wenn er sie nun bloß noch richtig einsetzen konnte. Aber das würde er. Die Zeit würde es mit sich bringen.
In zwei Tagen würde er mit den drei Soldaten zusammen zum weißen Turm aufbrechen, um die Druiden zu befragen, zuvor aber würde er sein ganz eigenes Trüppchen aufstellen
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Daisy

Gefährte

Re: Êas - 17.4. - Mitternacht [Re: Daisy]

17.4. – kurz nach Mitternacht

Êas. Die Stadt stank wie immer nach Müll, Scheiße und Dreck. Zumindest hier in dieser Gegend. Man konnte den Hafen riechen, sobald man die Stadt betrat und musste nur diesem unverkennbaren Duft folgen, um ihn zu finden, und das nicht, weil es nach Fluss und Fisch gerochen hätte. Zweifelsohne konnte man auch diesen Geruch unter all den anderen herausfiltern, aber dazu musste man sich Zeit lassen und sich ziemlich darauf konzentrieren. Niemand hatte Lust dazu, und die Menschen hier sagten ohnehin, sie würden den Gestank nicht bemerken. Natürlich sagten sie es nur, weil sie die Stadt nie verlassen hatten und nicht einmal ahnten, wie frische Landluft riechen konnte, oder das offene Meer, oder einfach eine saubere Stadt mit einem sauberen Fluss. Vermutlich bemerkten sie ihn wirklich nicht. Er selbst hatte ihn nicht bemerkt, als er als Kind hier gelebt hatte. Aber als er sie verließ und Jahre später zurückkam, war es nicht nur Vertrautheit, die er bei ihrem Anblick empfand. Vor allem war es Erkenntnis. Darüber, wie erbärmlich diese Stadt in Wirklichkeit war, wie hässlich und kalt... verabscheuenswert, wenn man erst einmal etwas anderes, schöneres gesehen hatte. Und es schien, je hässlicher und dreckiger eine Stadt war, desto größer waren die Bande der Menschen untereinander. Je ärmer sie wurden, desto mehr rotteten sie sich zu kleineren und größeren Grüppchen zusammen. Und die eine Gruppe unterdrückte die andere und wieder andere unterdrückten sie alle und niemand wagte es etwas gegen den Fürsten oder König der Stadt zu sagen. Oder deren Wache, die in dieser riesigen, verwesenden Stadt mehr Macht hatte, als alle anderen und diese schamlos ausnutzte. Niemand wusste, wovor man sich mehr fürchten musste, davor überfallen zu werden, oder davor, dass einem die Wache zu Hilfe kam. Am besten war es sowieso, man ging allen aus dem Weg, die man nicht kannte... oder auch grade denen.
Dayn kannte viele hier, auch wenn ihn selbst nur wenige kannten, oder nicht mehr kannten. Er war erst seit drei Jahren wieder in der Stadt und hatte sich seither in ihrem Schatten gehalten, um sein Leben und seinen Beruf in Ruhe leben und ausführen zu können.
Er wusste, wem er aus dem Weg gehen sollte, wen er bei nächstbester Gelegenheit umbringen würde und von wem er sich Aufträge erhoffen konnte. Wäre nicht der Gestank und seine innere Unruhe gewesen, er hätte ein recht angenehmes Leben führen können, aber es war ständig etwas in ihm, das ihn daran denken ließ die Stadt zu verlassen und wegzugehen, am besten in den Süden, auch wenn es dort nicht viel besser war, aber es war größer und die Chance, dass es doch besser wurde, wurde schließlich größer, je weiter man nach Süden ging. Aber dort musste man erst einmal hinkommen und das war schon ganz anderen als ihm misslungen.
Der Norden wäre eine weitere Option, nur Leute wie ihn brauchte man dort nicht, oder nicht in dieser Form. Die Bezahlung wäre nicht gut genug, um davon leben zu können, vor allem aber hatte er noch immer das Gefühl nicht ruhigen Gewissens gehen zu können, solange sich hier nicht einige Dinge ändern würden... aber diese Dinge würden sich sobald nicht ändern. Vielleicht nie und irgendwann würde er alt und grau und verbittert sein und seinem Leben im schlammigen Wasser des Tawarell ein Ende bereiten.
Er schlenderte die dunklen Gassen der Stadt entlang, während er sich, wie so oft, in diesen Gedanken verlor und alles hin- und herwälzte, um einen Ausweg zu finden, der ihm doch immer wieder verwehrt blieb. Der Nebel kroch vom Fluss herauf über das nasse Kopfsteinpflaster, hüllte das Licht der vereinzelten Straßenlaternen in sanfte Wolken und verwandelte die Stadt in einen schwülwarmen Dschungel aus grauem Stein. Die Luft war vom vergangenen Gewitter noch feucht und drückend und seine Kleidung klebte klamm an seinem Körper.
Wenigstens für eine Weile würde er diese Stadt nun aber verlassen können, nachdem Jamie ihm einen Auftrag vermittelt hatte, oder besser gesagt ein Freund, von einem Freund von Jamie. Jamie selbst kannte grundsätzlich niemanden persönlich, wenn er gefragt wurde, und die Stadtwache fragte oft.
Vielleicht konnte er sogar helfen die Welt ein bisschen besser zu machen, wie er es irgendwann einmal gewollt hatte. Der Freund von Jamies Freund hatte jedenfalls gesagt, dass es `helfen wird diesen ganzen Scheiß zu beenden´. Er war gespannt, ob das wirklich passieren würde. Oder was genau überhaupt passieren würde, aber das würde er erst in Jamies feuchten, modrigen Keller erfahren. Einer der Orte, an denen man sich ungestört treffen konnte, und Jamie war einer der wenigen Männer, denen jemand wie er vertrauen konnte. Auch wenn der Wirt bei weitem nicht besonders vertrauenswürdig aussah. Eine Augenklappe zierte sein von schwarzen Zotteln umrahmtes Gesicht, etliche Narben ebenfalls, an seiner linken Hand fehlten zwei Finger und wenn er sprach bekam man das Gefühl sich mit einem rostigen Blecheimer zu unterhalten, dass es einem eiskalt den Rücken herunterlief. Wenn er vor einem stand glaubte man ohnehin der Tod in Person wäre erschienen, nur war es eigentlich ein recht friedlicher Tod, nett sogar, wenn man ihn erst einmal etwas besser kannte, aber offiziell kannte ihn natürlich niemand.
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Fin Anor

Gefährte

Re: Eberiad - Last Generation ~~~ Thread 1 [Re: Daisy]

Juhuuuu *freu**jubel*
Ich bin die Erste!! *rumhops*

*lesengeh*ggg*


EDIT: Äh, Verzeihung, doch nicht die Erste... der... Threaderöffner hat sich vorgedrängelt *g*

Und ja ich weiß, das ist ein Spielthread, ich machs nie wieder!! *flücht*

Geändert durch Fin Anor (01.08.2007 20:17)

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Fin Anor

Gefährte

Re: Êas [Re: Daisy]

5 Jahre zuvor...





Sathyan lauschte in die Dunkelheit um sich herum. Es war finstere Nacht und die Stille hier wurde nur gelegentlich von einem Schnarchen oder Husten unterbrochen. Es roch faulig und alt, nach menschlichen Exkrementen und Tierkadavern. Ein Geruch an den Sathyan sich die ganze Zeit seit er hier war noch immer nicht hatte gewöhnen können. Nicht, daß es da wo er herkam immer sonderlich gut roch, aber das hier war wirklich furchtbar. Leise kauerte Sathyan sich wieder ein wenig weiter zusammen, legte die Arme um die Knie und sah zu dem vergitterten Fenster hoch über seinem Kopf. Er wartete auf den Morgen, darauf daß jemand kam um ihn zu holen. Er hatte Angst davor, aber er hatte irgendwo mal gehört, daß es nur kurz wirklich weh tat und dann gleich besser wurde. Vielleicht war das wirklich so. Aber er hatte trotzdem Angst, er bekam zum ersten Mal eine Hand abgehackt. Sathyan schob die Finger beider Hände ineinander und versuchte sich das Gefühl einzuprägen. Morgen um die Zeit würde er das nicht mehr machen können. Jemand in seiner Nähe stöhnte im Schlaf und Sathyan stellten sich die Nackenhaare auf. Er wollte nach Hause. Er hasste sich selbst dafür, daß er Angst hatte und noch mehr hasste er sich dafür, daß er sich hatte erwischen lassen. Es war so ein Getümmel auf dem Markt gewesen, es hätte ein leichtes sein müssen den Dolch zu stehlen ohne erwischt zu werden. Aber er hatte nicht aufgepasst und die Hand des Händlers hatte sich um sein Handgelenk geschlossen und nicht mehr losgelassen. Genau jenes Handgelenk, von welchem ihm am nächsten Morgen die Hand abgetrennt werden würde.

Unheilverkündend knarrte der Schlüssel im Schloss, mit dem Strain die Zelle öffnete. Er hatte die ganze Nacht durchgezecht und viel zu früh war der Morgen gekommen. Das Tagwerk konnte nicht warten, das konnte es nie. Sein Atem roch nach Met und sein beleibter Körper hatte sich längst den Ausdünstungen in diesem Loch vom Geruch her angepasst. Strains erster Kunde an diesem Morgen war das magere Kerlchen, welches zusammengekauert unter dem Fenster saß. „He, du da!“ sprach er ihn an, ehe er ihn mit seiner großen, schwieligen Hand am Kragen packte und in die Höhe zog. „Mitkommen.“ Befahl er und hoffte, dass der Knilch freiwillig mitkam und er ihn nicht tragen musste. Das konnte er ebenso wenig leiden wie Gejammere.

Sathyan erstarrte voller Entsetzen, als ein riesiger, unglaublich fetter Mann zur Tür reinkam und direkt auf ihn zusteuerte. Und noch ehe Sathyan die Flucht ergreifen konnte hatte der Mann ihn gepackt. Grob zog er ihn am Kragen hoch und Sathyan schlug in wilder Panik um sich. Hand abhacken war eins, aber sich dabei einem Monster hilflos auszuliefern war was anderes. Ausserdem hatte er doch noch in aller Ruhe die Frage klären wollen wohin seine Hand kam... wenn sie ab war. Die konnten sie hier schlecht einfach wegschmeissen, oder? Sathyan hätte sie wenigstens gerne mitgenommen um ihr ein anständiges Begräbnis angedeihen zu lassen. Aber der Mann sah nicht aus als würde er über irgendwas mit sich reden lassen. „Ich will euren Vorgesetzten sprechen,“ bellte Sathyan im Befehlston während er weiter auf den kahlrasierten, speckigen Gefängniswärter einschlug.

Auch das noch, ein aufmüpfiges, halbstarkes Kerlchen, der nach ihm boxte. Strain verpasste ihm eine Kopfnuss, schubste ihn vor sich her und drehte ihm schließlich den Arm auf den Rücken ... dabei hatte er noch nicht einmal Frühstück gehabt. Als die Frage nach dem Vorgesetzten aufkam, lachte Strain auf und der Bengel erntete eine weitere Kopfnuss, denn darauf verstand sich Strain. „Siehst du hier noch jemand, außer die Lackaffen vor der Zellentür? ... Ich bin der Vorgesetzte hier.“ Ließ er den kleinen Taugenichts wissen und beförderte ihn mit einem kräftigen Schubser in den Rücken in eine Kammer, die einer Folterkammer glich. Ketten waren in die Wände eingelassen, es gab eine Streckbank, einen Sessel mit Nägeln, der wenig gemütlich wirkte und in der Mitte einen breiten Holzklotz, in welchem ein Beil steckte. Dunkle Flecken waren auf dem Holz und auf dem steinigen Boden zu sehen und die Delle auf der Oberfläche des Holzes kündete davon, dass hier zuweilen fleißig gearbeitet wurde. Geradezu beschaulich mutete da das Feuer an, welches in einem offenen Kamin brannte. Strain wusste, welchen Eindruck diese Kammer des Schreckens für gewöhnlich auf Neulinge machte und er ließ sie meist erst einmal gewähren und den besagten Eindruck wirken ... ja Strain mochte seine Arbeit wirklich sehr. Dem Bengel entrollte er ein Pergament, auf welchem Namen in einer Art Liste vermerkt waren und dahinter das Vergehen. „Hier dein Name ... hier deine Tat und hier ich und das Gesetz. Kapiert?“ fasste er für den Angeklagten zusammen und hob die Hand um ihm eine neuerliche Kopfnuss zu verpassen.

Sathyan stand wie erstarrt mitten in diesem... Horrorkabinet. Er konnte gar nichts mehr tun außer den Blick wandern zu lassen. Es stellten sich ihm alle Nackenhaare auf, die auf den Armen und es lief ihm sogar ein eisiger Schauer den Rücken runter. Das war nicht gut... gar nicht gut. Er wollte sich gar nicht vorstellen, was hier noch so passierte... außer Hand abhacken. Als der Vorgesetzte ihm ein Pergament hinhielt starrte er einem Moment verständnislos darauf. „Ich kann nicht schreiben,“ sagte er und duckte sich als der Mann ihm schon wieder eine seiner schmerzhaften Kopfnüsse verpassen wollte darunter hinweg und die Nuss ging ins Leere. „Aber ich wollte fragen ob ich meine Hand hinterher mitnehmen kann...“ Wenn dieser hier der Vorgesetzte war, musste Sathyan wohl oder übel mit ihm verhandeln.

Strain schwankte ein wenig, als die Kopfnuss ins Leere ging, blinzelte und fing sich wieder. „Sollst auch nichts schreiben, ... ist längst geschrieben.“ Brummte er unwillig und brauchte einen Moment, ehe er die kranke Frage nach der Hand verstand ... richtig der Bengel hatte gestohlen, da stand es ja, schwarz auf weiß ... also Hand ab ... richtig, so stand des im Strafregisterbuch. Der Junge starrte ihn durchdringend mit seinen dunklen Augen an und ein wenig erinnerte er Strain an den eigenen Sohn, ... der Hohlkopf der Buchhalter geworden war, anstatt Scharfrichter, wie die Familientradition es eigentlich erfordert hätte. Nun, auch egal, wo war er nochmal stehen geblieben? ... Ach ja, die Hand. Er packte das Bürschchen am Ärmel, zog ihn in die Mitte des Raumes und schob dessen Hemd zurück. Ein magerer Unterarm und eine dreckige Hand kamen zum Vorschein. „Ich pack sie dir auch ein ... aber nun halt still.“ Beantwortete er endlich dessen merkwürdiges Anliegen und zerrte ihm zum Block.

Sathyan stemmte unwillkürlich die Füße in den Boden als der Mann ihn zu dem Holzblock in der Mitte des Raumes zerren wollte. Was ihm leider auch gelang, denn Sathyan hatte ihm wahrlich wenig entgegen zu setzen. Grauen griff nach seinem Herzen und er konnte den Blick nicht von dem blutbesudelten Block nehmen, der immer näher rückte. Sathyan spürte wie die Angst ihm für einen Moment den Verstand rauben wollte, dann zerrte er an seinem Arm, warf sich mit vollem Gewicht in die andere Richtung, weg von dem Block. „Wartet!“ rief er und seine Stimme brach. „Ich kann noch nicht, ich hab... das nicht richtig gelesen...“ Er sah zurück zu dem Tisch auf dem das Pergament lag welches der Mann ihm eben gezeigt hatte.

Strain verdrehte die Augen ... Zeit schinden, das versuchten sie doch wirklich alle und er würde wieder Überstunden schieben müssen. Dabei standen heute mindestens drei Folterungen an. Einmal davon Daumenschrauben und DAS konnte wirklich dauern ... Aber er war auch kein Unmensch, er schlug das Beil wieder ins Holz, packte den Jungen am noch intakten Handgelenk und schleifte ihn zum Tisch. Wieder hielt er ihm das Papier vor die Nase: „Hier, Hayo Triefmann, Hühnerdieb ... ach nein, warte, das bist ja gar nicht du ... du bist der hier, Sathyan ...nicht wahr? ... Hast einen Dolch gestohlen ... tja, da stets, schwarz auf weiß. Noch Fragen, oder können wir endlich weitermachen?“ fragte der Scharfrichter genervt. Die Strafe stand nicht mit dabei, das Strafmaß musste er jeweils dem Register entnehmen.

„Ja,“ stammelte Sathyan als der Mann ihn nach seinem Namen fragte, dann fügte er sogleich ein „Nein!“ hinzu, als er fragte, ob sie weitermachen konnten. „Ich hab den Dolch gar nicht gestohlen, ich wollte ihn nur ansehen. Der Händler hat mir gar nicht die Möglichkeit gegeben ihn wieder zurück zu legen, ich... ich wollte ihn nur ansehen ehrlich.“ Gestern Nacht hatte er sich fast damit abgefunden gehabt seine Hand zu verlieren, aber jetzt in Anbetracht dieser Örtlichkeit und des ganzen Blutes, ganz zu Schweigen von dem Gestank hier, hätte Sathyan seine Hand doch lieber gerne behalten. „Bitte, ich tu alles was ihr wollt, aber ihr müsst mir glauben... ich bin kein Dieb, ich... ich bin... der Sohn vom Priester.“ Sathyan hielt ganz kurz inne, schluckte leer und nickte dann eifrig. „Wirklich, mein Vater wird euch Tabor auf den Hals hetzen, wenn ihr mir die Hand abhackt... ich soll Gelehrter...“ Sathyan merkte wie er eierte. Er hatte gesagt er könnte nicht schreiben, dann hatte er gesagt er könnte lesen und jetzt... sollte er Gelehrter werden. „Ich meine die Gelehrten, die mich unterrichten... ich bin nicht ganz dicht, ich... lerne ein wenig langsam. Aber ich würde nie stehlen, niemals... beim heiligen Tabor und allen göttlichen... äh... Reliquien und...“

„Alles klar und ich bin eine dreibeinige Jungfrau.“ Knurrte Strain, dem es allmählich zu bunt wurde, als dieser Galgenvogel sich um Kopf und Kragen redete. Nur in einem waren sie sich einig, der Knabe war wirklich nicht ganz dicht. Wieder packte er ihn und zwang ihn in die Knie: „Weißt du, ich würde dir das wirklich gern ersparen, ich habe selbst Kinder ... aber wo kommen wir denn hin, wenn ganz Eberiad Zucht und Ordnung vergisst?“ fragte er und streckte Sathyans Hand gewaltsam über den Block, Strains rechte Hand hielt bereits das Beil. „Halt still und es wird ein glatter Schnitt, ... hab schon ein Eisen im Feuer und veröde es dir ... mach ich auch nich bei jedem.“ Ließ er ihm gönnerhaft wissen und sah dem Jungen in die Augen. Auch das tat er nicht immer, eigentlich auch jetzt nur, weil der Kleine plötzlich ziemlich geschrumpft und mickrig aussah. „Sag mal wie alt bist du eigentlich?“ fragte er, die Hand mit dem Beil bereits erhoben.

Sathyan zerrte an seinem Arm, wehrte sich doch die Hand des Vorgesetzten hier hielt seinen Arm fest wie ein Schraubstock. Als der Mann das Beil hob kniff Sathyan die Augen zusammen und duckte sich hinter dem Hackeblock zusammen. Er erwartete den Schlag, das dumpfe Geräusch seiner Hand auf dem Boden, doch es kam nichts... langsam öffnete Sathyan sein linkes Auge. Als er dann die Frage des Mannes hörte hob er ein wenig den Kopf und linste ihn über den Hackblock hinweg an. „Zwölf,“ wisperte er mit zitternder Stimme und das war nichtmal gelogen. Vor Schreck die Wahrheit gesagt, sozusagen. Als ihm das bewusst wurde überlegte er sich fieberhaft, ob jünger oder älter besser gewesen wäre... sicher war alles besser, nur nicht zwölf sein.

„Hm, ach so....“ stutzte Strain und ließ das Beil wieder sinken, aber nicht auf die Hand sonden um es an den Block zu lehnen. Mit der anderen Hand zog er Sathyan wieder auf die Beine, maß ihn mit Blicken und kam zu dem Schluss, dass es zur Abwechslung mal die Wahrheit sein konnte, die der Junge verzapft hatte. Zwölf war fast noch optimistisch, bei genauerer Betrachtung hätte er ihn für noch jünger gehaltgen. „Zwölf also?“ fragte er dabei und rieb sich das Kinn, als würde er überlegen, ob das Hühnchen für heute Mittag einen großen, oder kleinen Topf zur Zubereitung benötigte. „Nun ... dann machen wir was anderes.“ Entschied er nun, ging zum Feuer und legte ein weiteres Eisen hinein. „Dauert nen Moment.“ Informierte er Sathyan, denn eine gewisse Förmlichkeit, gehörte immerhin zum Geschäft.

Sathyan merkte, das irgendwas nicht mehr stimmte. Das Beil lehnte jetzt am Holzblock und der Mann stellte Sathyan zurück auf die Beine. Ein wenig wackelig fühlte er sich, doch er konnte stehen bleiben und als er sich sicher war, daß seine Hand am Arm bleiben würde fiel ihm ein Stein vom Herzen. Zwölf war zu jung. Zwölf war ja noch ein Kind. Zwölf war... was anderes? Sathyans Augen weiteten sich als der Mann ein Eisen ins Feuer legte und unwillkürlich ging er ein paar Schritte rückwärts. „Lasst euch Zeit,“ stammelte er als der stiernackige Folterer von einem Moment sprach. Sathyan ging noch weiter zurück, sah sich unauffällig um und versuchte in die Nähe der Tür zu gelangen. „Eilt nicht...“ versicherte er und nickte dabei.

Strain bemerkte Sathyans Bewegungen aus dem Augenwinkel, unternahm jedoch nichts, denn er wusste, dass er nicht weit kommen würde. So war es denn auch ... das Eisen zischte im Feuer und in der Türe stand plötzlich einer der Wächter. Dieser packte den Jungen grob am Schlawittchen und schleifte ihn zu Strain: „Ach ... wunderbar, ... nach dir wollte ich so eben verlangen. Halt ihn fest ... wär nicht gut, wenn er mehr als nötig abbekommt.“ Instruierte er seinen Komplizen, der ihm offenbar schon häufiger zu Diensten gewesen war. Mit rauer Hand zog er Sathyans Hemd weg vom Schlüsselbein, als es mit einem Ratsch riss und die halbe Seite des Jungens freilegte. Mit einem rot glühenden Eisen wendete er sich nun an Sathyan. „Lass es dir eine Lehre sein und vergreife dich nie wieder an fremden Eigentum.“ Warnte er den Jungen in fast väterlichen Tonfall. Das Eisen glomm rötlich und zeigte eine feurige Elster mit ausgebreiteten Flügeln. Der Gehilfe drehte Sathyan die Hand auf den Rücken und hatte dessen Kinn so weit zur Seite gerissen, dass dieser bewegungsunfähig war.

Sathyan begann zu zappeln als er sich bewusst wurde, daß das was kommen würde nicht unbedingt angenehmer war als Hand abhacken. Er spürte, wie wieder diese Panik in ihm ausbrach, die seinen Verstand ausschaltete. „Nein, nicht!“ rief er und schlug mit den Beinen um sich, um den Mann der ihn festhielt irgendwie los zu werden oder wahlweise auch um den zu treffen, der mit diesem hässlich glühenden Eisen auf ihn zukam. „Bitte,“ flehte er und in seiner Stimme war nichts mehr übrig von der flapsigen Art die er bisher an den Tag gelegt hatte. „Ich tus nie wieder, wirklich...“ Sathyan versuchte den Kopf so zu drehen, daß er den Mann mit dem Eisen sehen konnte, doch er konnte sich kaum rühren geschweige denn sehen was überhaupt geschah. Vielleicht wollten die ihn nur erschrecken. Das war ihnen gelungen, wirklich. Und mit Hand abhacken hatte er sich doch abgefunden, aber... das ging nicht. „Ich versprechs...“ versicherte Sathyan mit zitternder, angsterfüllter Stimme und wieder strampelte er mit den Beinen wild durch die Luft.

„Das ist gut.“ Sagte Strain leise und konzentriert. Er verstand sein Handwerk, verstümmelte nur auf ausdrücklichen, richterlichen Wunsch, köpfte sauber und ordentlich, traf mit dem fallenden Kopf sogar meist den sorgfältig plazierten Korb und ... Brandzeichen versah er mit der ihm eigenen Genauigkeit. Nicht verschmieren sollten sie, damit sie gut zu erkennen waren und das Eisen durfte weder zu kurz, noch zu lange die Haut und das Fleisch treffen. Sein wackerer Gehilfe packte den Jungen noch fester, so dass dieser in dessen eisernen Griff keine größere Regung mehr vollführen konnte. Jemanden zu erklären, er solle einfach still halten, hatte leider noch nie wirklich etwas gebracht. Strain zielte, unterhalb des Schlüsselbeins und presste dann mit einer präzisen Bewegung das Eisen fest darauf. Es zischte, roch durchdringend nach verbranntem Fleisch und dann riss er das Eisen wieder weg ... „Das ist wirklich gut.“ Wiederholte er und es blieb wohl sein Geheimnis, ob es sich auf Sathyans Beteuerungen, es nie wieder zu tun, bezog, oder auf sein Werk. Der Gehilfe ließ langsam von dem Jungen ab, fast schien es, als wolle er prüfen, ob er sich alleine auf den Beinen halten konnte.

Sathyan schrie auf als seine Haut und sein Fleisch verbrannten. Hell und voller Angst brach der Schrei aus ihm heraus, hallte von den Wänden dieser Folterkammer wider und gab dem Schmerz Ausdruck, der seine Schulter und dann seinen ganzen Körper durchfuhr. Sathyan keuchte als der Schrei abbrach, spürte wie sich seine Augen mit Tränen füllten und wie er losgelassen wurde. Schützend legte er sich die Hand an die Schulter, zuckte jedoch zurück als er die frische Wunde berührte. Er schluchzte, taumelte als der Mann der ihn hielt ganz loslies und spürte dann wie ihm jemand eine Hand fest in den Nacken legte und ihn irgendwo hin führte. Er fand sich vor der Tür wieder, geblendet vom Licht des frühen Morgens. Mit einem eisernen Knall schloß sich die Kerkertür hinter ihm und Sathyan war allein. Er schluchzte noch immer, zog sich das zerrissene Hemd hoch und biß dann die Zähne zusammen. Tränen liefen ihm unablässig über die Wangen, doch er wischte sie unsanft fort, verschmierte sich dabei das Gesicht mit Blut und Dreck und ging los. Nach Hause. Seine Mutter machte sich bestimmt schon Sorgen. Unterwegs wusch er sich Gesicht und Hände in einer Pferdetränke, dann klaute er sich ein frisches Hemd von einer Leine die zwischen den Gassen gespannt war. Dazu musste er nur auf einen Karren klettern und sich ein wenig recken. Seine Schulter brannte noch immer, er konnte den linken Arm kaum bewegen so sehr schmerzte es, doch er schaffte es in sein neues Hemd. Bis er zu Hause ankam war von seiner Angst und dem Schmerz nichts mehr zu sehen, er blieb kurz vor der Tür stehen, atmete tief durch und dann trat er ein.




Vielen Dank an Kalima, die Strain zum Leben erweckt hat!!
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catrail

All Out

Re: Eberiad - Last Generation ~~~ Thread 1 [Re: Fin Anor]

Dankeschön, Daisy, sehr hüpsch, ist ja jetzt schon spannend *zurücklehn*
vielleicht sollte ich einfach nur ... mitlesen *gg*, *äherrm*, nein... natürlich nicht *g*


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Die Kopfschmerzen hatten ein wenig nachgelassen und die Schrammen und Blutergüsse machten ihm nicht soviel Sorgen, sein linker Arm, den er kaum bewegen konnte, schon etwas mehr. Noch bedenklicher fand er die Tatsache, dass er sich, auch nachdem er eine halbe Stunde zwischen Felsschutt und zerdrücktem Gebüsch gesessen hatte, ums Verrecken nicht daran erinnern konnte, wie er hierhergekommen war. Und, wenn er es recht bedachte, auch nicht an andere kleine, aber nicht ganz unwesentliche Details, wie zum Beispiel seinen Namen. Am meisten entnervte ihn jedoch die Leiche, von der er keinen blassen Schimmer hatte, wo sie herkam, und wer sie war. Die also ungefähr die gleichen Probleme hatte wie er, wenngleich selbige sich natürlich dadurch etwas relativierten, daß der Betroffene eben zusätzlich noch tot war...
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Kalima

Gefährte

Re: Êas [Re: Fin Anor]

Ey,Drängerl!!! Na egal, Auf ein gutes Gelingen und viel Spaß und gern geschehen, ich geb gern wieder ein Gastspiel, falls Strain gebraucht wird


Die Türe wurde direkt vor Dorians Nase zugeknallt. Da stand er, starrte darauf und konnte es nicht fassen. Vermutlich hätte er weiterhin darauf gestarrt und irgendwann Wurzeln geschlagen, wäre nicht über ihm, im ersten Stock des Hauses ein Fensterladen lautstark geöffnet worden. „Und das kannst du auch noch gleich mitnehmen!“ kreischte eine aufgebrachte Frauenstimme und eine große Ledertasche mit Kleidung trat ihren Weg an, um ihn zu erschlagen. Gerade noch konnte Dorian ausweichen, dann knallte die Tasche auf den Boden und die Kleidungsstücke verteilten sich auf der ganzen Straße. „Vorny! Bitte … ich sagte dir doch bereits, dass es nicht wieder vorkommen wird!“ beschwor der die dunkelhaarige Schönheit oben am Fenster, doch diese wollte offenbar nichts davon hören. „Das habe ich schon zu oft in meinem Leben von dir gehört! Dein nie wieder ist kurzlebiger als eine Eintagsfliege!“ hörte er es von oben und schon schwenkte Vorny die nächste, in diesem Fall, viel kleinere Ledertasche aus dem Fenster. Diesmal aber wurden Dorians blaue Augen noch größer und erschrockener. „Nein! Nicht die Arzneien! Vorny, nicht!!!“ schrie, oder viel mehr, flehte er, ehe er auf und ab zu rennen begann um notfalls den Fall der Tasche aufzufangen. Vorny hatte nun jedoch ein Einsehen. Wenig später flog kurz die Haustür auf, wurde die Tasche zu Dorians Füßen mehr oder weniger sanft abgestellt, hintendrein kam sein Degen, und nun die Tür wieder zugeknallt. Wie betäubt stand der junge Heiler davor, ließ dann den Kopf hängen und schien abermals mit dem Boden zu verwachsen.

Eine kleine Ewigkeit später, schulterte der Dorian seine beiden Taschen, strich sich die fast schulterlangen, braunen Haare zurück und zog die Straße entlang. … Das war vor zwei Wochen gewesen. Seither hatte Dorian so ziemlich jeden aufgesucht, den er in Senodan kannte, denn er hatte kaum mehr Geld in der Tasche. Schlussendlich war ihm nur sein Großvater geblieben, ein wohlhabender Herr, der den 28 Jährigen stets mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet hatte. Unzählige (in diesem Augenblick) glaubhafte Bezeugungen, er würde nun einen wahren Lebenswandel vollziehen, folgten diesem großzügigen Geschenk und ungefähr eine Stunde später war es wieder vergessen. Dorian hatte sich eingemietet im teuersten Hotel der Stadt und besoff sich mit dem teuersten Wein des Landes. Geweckt wurde er … mit einem Eimer Wasser im Hinterhof des Hotels. „Verflucht nocheins!“ schimpfte er, als er sich wieder aufrappelte und in das verärgerte Gesicht seines Großvaters blickte. „Verflucht noch mal, in der Tat!“ spielte der rüstige Herr Echo und ließ sich unbarmherzig eine zweite Ladung des Wassers liefern, die Dorian auf die Beine half. „Was sollen die Lügen, die du mir heute morgen erst aufgetischt hast?“

„Nichts, ich wollte nur … noch ein wenig feiern, ehe er Ernst des Lebens wieder los geht!“ verteidigte sich Dorian und schüttelte den Kopf, dass die Wassertropfen nur so flogen.
„Den Ernst des Lebens hast du doch seit Jahren aus den Augen verloren!“ konterte sein Großvater. Dorian blinzelte ihn unter den nassen Strähnen her an. Er wusste, dass die Forderungen seines Großvaters nicht unbegründet waren. Immerhin hatte dieser ihm seine kostspielige Ausbildung zum Heiler finanziert. „Wo ist nur der Dorian hin, der zielstrebig war und etwas erreichen wollte im Leben? … Vor mir sehe ich nur noch einen Taugenichts, der sich dem Rausch ergibt. … Früher warst du interessiert, … für die Politik, dafür, wie es den Menschen geht und wie man wieder etwas verbessern könnte, auf dieser Welt. Und nun? Alles was dich interessiert befindet sich meist in einem flüssigen Zustand.“

„Ja, ja, … die guten alten Zeiten.“ brummte Dorian und versuchte sich daran zu erinnern, ob er seine Großvater jemals so wütend erlebt hatte. Aber gut, das passte, denn er war es auch. „Wie wäre es denn mit einem vorgezogenen Erbe? … Wer weiß? Wenn ich keine Geldsorgen mehr hätte, dann käme dein alter Liebling Dorian, vielleicht wieder zum Vorschein!“ pokerte Dorian, der nicht Herr seiner Sinne war.
Er hatte jedoch nicht mit dem Scharfsinn seines Großvaters gerechnet, denn dieser trat nah an ihn heran und flüsterte ihm Folgendes zu: „Sollst du haben, aber nur, … wenn du etwas Ehrenhaftes tust und beweist, dass deine Ausbildung nicht umsonst und dein Verstand nicht so benebelt ist, wie er eben den Anschein macht. Ich gebe dir ein Jahr! Danach vermache ich mein Erbe einem wohltätigem Zweck!“

Ungläubig starrte Dorian seinen alten Herrn an, verdammt, war das ein schlechter Trip … er hätte nicht so viel einwerfen sollen. Als Nächstes würde er rosarote Häschen sehen, die Polka tanzend die Straße entlang zogen … . „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“ fragte der begossene Pudel zweifelnd. „Finde es heraus! Ein Jahr lang brauchst du bei mir gar nicht mehr anzuklopfen, denn die Türe bleiben für dich verschlossen und in einem Jahr sehen wir weiter.“ warnte die letzten Worte seines Großvater, ehe er davon schlenderte und seinen Enkel zurück ließ.
Die nächsten Tage hatte Dorian grübelnd verbracht, war zu dem Haus seines Großvaters gegangen, doch wie vorausgesagt, blieben die Türen verschlossen. Allmählich dämmerte ihn, dass sein Großvater es ernst meinte und sehr widerstrebend begann Dorian sich nach einer Anstellung umzuhören.

In Zeiten wie diesen sollte dies alles andere als ein leichtes Unterfangen werden. Gewalt und Korruption beherrschten auch die Straßen Senodans und Banden regierten die Straßen. Dorians Ausbildung im alten Kloster Senodans war eine sehr Gute gewesen und der exzellente Ruf schritt mit seinem Abschluss einher, aber kaum einer konnte sich noch einen Arzt oder Apotheker, wie Dorian es war leisten. Die wenigen Häuser der Heilung, die es gab, wirtschafteten mehr schlecht als recht und ihn ihnen war keine Anstellung zu finden. In diesen Wochen lernte Dorian, wie es war, plötzlich wie ein Gammler behandelt zu werden und immer häufiger flüchtete er sich in billigen Wein oder seinen, Stoff aus dem die Träume sind, so zumindest nannte er den Zustand, in welchen er sich mit Hilfe eines selbst gemischten Arzneimittelgebräus brachte.

Letztendlich gab er es auf und beschloss nach Êas zu gehen. Die Lage dort war aufgrund der Nähe zur Grenze sicher noch angespannter, aber Êas hatte mehr Einwohner und hatte, früher zumindest, mehr Wohlstand gekannt als Senodan, welches seinen Ursprung im dortigen Kloster hatte. Er fand einen Mietsstall, wo er günstig ein Pferd bekommen konnte. Ein altes, mit Händerücken, was wiederum auch gut so war, denn Pferden traute Dorian nicht. So kam es auch, dass er das Tier lieber führte, als sich darauf setzte. „Weißt du, ist nicht so, dass ich Pferde nicht mag, … aber ihr seid so groß, habt keine richtige Bremse und harte Hufe. Glaub mir, ich weiß wovon ich spreche … wenn du schon mal einen entzündeten Knochenbruch bei einem alten Bauern mehrmals mit Käutersud hättest versorgen müssen, wüsstest du das auch. Gut, das war ein Ackergaul, aber ich bin sicher, dir könnte das auch so passieren.“ sprach er mit dem Pferd, als er alleine mit diesem die Landstraße entlang ging. Das ihm das Pferd, nun da er es führte, erstrecht auf die Füße treten konnte, registrierte er nicht. Der alte Wallach beteiligte sich wenn dann nur mit einer schlabbernden Unterlippe, war aber immerhin ein dankbarer Zuhörer.

Der Tag war schon weit fortgeschritten, als Dorian sich doch einmal drauf setzte. Schlurfenden Schrittes trottete der Braune des Wegs, als er plötzlich stehen blieb und interessiert den Kopf hob. „Hoooo-hooo, schön ruhig!“ rief Dorian überrascht auf und spielte Klammeraffe. Das wiederum erinnerte den alten Wallach an frühere, längst vergangene Zeiten in welchem er als Rennpferd tätig gewesen war. Der Reiter machte sich klein, klammerte und los gings … Dorian beschloss den sofortigen Heldentod zu sterben, indem er sich fallen ließ, ehe er am Baum zerschellte, im Steigbügel hängen blieb, oder sich mitsamt des Pferdes überschlug und sich das Genick brach. So sah es zumindest in seiner Vorstellung aus. Hart schlug er auf den Boden auf und die Welt wurde schwarz.

„Wenn er tot ist, kann ich dich stehlen. Obwohl, dann ist es ja kein Diebstahl mehr, wenn er tot ist. Aber einen schönen Degen hat er.“ …. Das waren die ersten leisen Worte, die Dorian vernahm, als er wieder zu sich kam und … einen zerzausten Jungen neben seinen Pferd sah. „Ich bin aber nicht tot.“ murmelte Dorian vor sich hin und setzte sich auf. Er rieb sich den Hinterkopf, wo er eine Beule unter den braunen Haaren fühlte. „Und ihr habt Glück, dass ich euch gefunden habe und nicht irgendwelche Wegelagerer.“ meinte der Junge keck, zog einen Mundwinkel hoch und betrachtete Dorian. „Ein kleiner Dank wäre angebracht!“ erinnerte er ihn aber führsorglich. „Dank für was? … das du hier einen verletzten Mann tot und wieder lebendig quasselst? Tust ja grad so als hättest du mich vor sonst was gerettet.“ zeigte Dorian sich weiterhin undankbar und stöhnte leise. „Gib mir mal meine Tasche!“ forderte er den Jungen auf. „Nein, keine Sorge, ich rette nur Jungfrauen … und eine solche … scheint ihr mir nicht so sein.“ konterte der Knirps mit wissenden Blick, den Dorian nicht älter als 16 schätzte. „Ich glaub kaum, das ihr schon mal eine Jungfrau, geschweige denn überhaupt eine Frau genauer gesehen habt, Milchbart!“ knurrte Dorian, dem der Knirps auf die Nerven ging. Der Junge war fast einen Kopf kleiner als er selbst, schlaksig und trug einfache Kleidung, Hemd, Hose, derbe Stiefel und darüber einen schäbigen alten Mantel, der ihm drei Nummern zu groß war. Seine dunkelblonden Haare hatte offenbar jemand mit dem Messer gestutzt, denn sie standen schartig in alle Richtungen. Von Bartwuchs konnte der Knilch nur träumen, vermutlich war er also noch jünger als 16. Als er an den Schnallen der Satteltaschen herumhantierte, sah Dorian, dass er recht kleine, schmale Hände hatte. Vielleicht war er Schneider? … Aber nein, dann hätte er bessere Kleidung.

„Hier bitte.“ Waren die knappen Worte des Jungen mit den blauen Augen, die seltsamer Weise in diesem Augenblick erwachsener wirkten, als Dorian dies gedacht hatte. Er blinzelte, als er merkte, dass Dorian ihn ansah und senkte den Blick. „Ihr seht wohlhabend aus …und ich suche eine Arbeit. Könnt ihr mich nicht brauchen, als … Pferdburschen?“ fragte der Junge und Dorian wurde gerade das Gefühl nicht los, dass sie Stimme mit einem mal viel tiefer klang. „Willkommen im Club. Ich suche auch Arbeit.“ bemerkte Dorian trocken und kramte in seiner Tasche, ließ es dann doch bleiben und verschloss sie wieder. „Ach was soll´s, … ist ja nur eine Beule.“ führte er Zwiegespräch mit sich selbst. „Seid ihr Heiler?“ fragte der Junge neugierig, nachdem er einen Blick in das Innere seiner Tasche hatte werfen können. „Ja, bin ich … und Apotheker.“ kam Dorians knappe Antwort und für eine Augenblick erwog er, sich heldenhaft auf den Pferderücken zu schwingen und in den Sonnenuntergang zu entfliehen. Doch dazu fehlte am heutigen Abend der Mut. „Bitte, Herr, … ich mach alles Schuhe putzen, ich gehe euch bei den Arzneien zur Hand, Kopfe, erledige Botengänge, einfach alles!“ bettelte der Junge weiter und begann von den neun kleineren Geschwistern und der totkranken Großmutter zu erzählen, die auf seine Hilfe hofften. Und als es längst dunkel war, sie immer noch weiterliefen, die Großmutter zum dritten Mal gestorben war und die Zahl der Geschwister auf 14 angewachsen war, willigte Dorian schließlich ein, Nishantha, wie er Junge sich vorgestellt hatte einzustellen, schon alleine damit er einmal für fünf Minuten die Klappe hielt. Von was er ihn bezahlen sollte, wusste er nur auch nicht.

Kurz vor Êas und somit Tage später, stellte sich Nishantha als gar keine schlechte Wahl heraus, vorausgesetzt er schwieg. Der Junge war eifrig bemüht und sah die Arbeit, ohne das man es ihm sagen musste. Er stellte keine Fragen, wenn Dorian für sich sein wollte, quasselte und fragte sonst aber unablässig. In Êas selbst war die Situation jedoch noch schlimmer als in Senodan. Dorians Hand verließ den Knauf seines Degens nicht mehr und selbst Nishantha vergingen die frechen Sprüche. Wenn Senodan ein Moloch geworden war, vier Jahre nach der Niederlage in Falaslos, dann war Êas eine Schweinegrube … und das war noch freundlich ausgedrückt. Dennoch hatte Dorian sich in Senodan die Namen einiger Spitzel im Untergrund besorgt und erkundigte sich dort nun nach Arbeit. „Wir sollen zum Hafen gehen, … dort gibt es einen Wirt Namens Jamie. Er hat vielleicht was für mich.“ informierte er Nishantha und hatte das wir welches er ausgesprochen hatte nicht einmal bemerkt. Nishantha aber sehr wohl und er grinste über beide Backen: „Na, dann suchen wir mal diesen Jamie.“ klopfte er Dorian auf die Schulter und gemeinsam gingen sie mit dem alten Wallach in Richtung Hafen.

Lange bevor man den Hafen sah, roch man diesen. Nicht, dass es im restlichen Êas nach Veilchen duftete, aber der Gestank von Brackwasser des Flusses, Fisch und Unrat war grauenvoll. Nishantha zog sich sein Halstuch vor die Nase und sah nun erst recht aus wie ein kleiner Straßenräuber. Vielleicht war das aber auch ganz gut so, denn so blieben sie unbehelligt, hoffte Dorian. Jamie´s Eck stellte sich als düstere Kaschemme, die wohl eher den Namen Jamies Loch verdient hatte, aber das behielt Dorian für sich. Die Tür schien kürzlich etwas in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, doch immerhin ging sie auf. Nishantha band den alten Wallach davor an. Selbst dieser jedoch tänzelte nervös und sah sich beständig um. Ihre wenigen Habseligkeiten beschlossen die beiden Männer mitzunehmen, da diese anderweitig sicherlich Beine bekommen hätten.

Der Geruch der ihnen aus dem Inneren entgegenschlug war noch schlimmer, als der schwere Geruch des Hafens. Abgestandener Rauch vermischte sich mit frischen Tabakqualm, die Ausdünstungen der Männer mischten sich dazu und obendrein noch die Gerüche von Hochprozentigen und Speisen der fetteren Sorte ergaben alles in allem einen Geruch, der einem eher den Appetit vergehen ließ. Nishantha ließ das Halstuch wo es war und dennoch begann er zu niesen: „Hatziii!!!“ machte es leise und unterdrückt hinter dem Tuch, aber jetzt aber ständig. Verwunderte bewunderte Dorian seinen jüngeren Begleiter. „Was hast du denn?“ fragte er und runzelte die Stirn. „Qualm … vertrag ich nich. … Hatziii!“ näselte es wieder und die Augen von Nishantha röteten sich auch noch. „Was bist du denn für ein Weichei?“ Dorian runzelte die Stirn, sah sich aber weiter um. „Hatziiii.“ War ohnehin die einzige Antwort, die zu erwarten war.

Dorian wurde des Mannes hinter dem Tresen bewusst … zweifelsohne eine Erscheinung, die einen genauer hinsehen ließ. Seine Haare waren verfilzt, vernarbt und bei genauerem Hinsehen war auch die Linke Hand nicht mehr ganz vollzählig. Sein Blick aber wirkte nichtsdestotrotz stolz und ganz so, als wäre dieser Mann sprichwörtlich mit allen Wassern gewaschen. Dorian schluckte unbewusst trocken. Hoffentlich war das nicht der jene welche sondern nur ein … angestellter Schankwirt. „Ich frag mal den Wirt.“ Rief er Nishantha über das Gemurmel in dem Raum hinweg zu und bahnte sich einen Weg. „Hatziiii!!“ machte es leise irgendwo hinter ihm, aber so wusste er, dass Nishantha noch da war. Als er am speckigen Tresen stand, sah er dem Mann dahinter offenen Blickes in die Augen, oder besser gesagt, das Auge, denn es gab nur noch eines. Das andere verdeckte eine Augenklappe. „Hab gehört hier hat möglicherweise jemand Arbeit für einen fähigen Heiler.“ Stellte Dorian selbstbewusst in den Raum, als er sich an den Schankwirt wandte. „Könnte ich womöglich mit einem gewissen Jamie, ein paar Worte wechseln?“ fragte er, … „Hatziiiii!“ machte es hinter ihm.
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Fin Anor

Gefährte

Re: Êas - 17.4. - Mitternacht [Re: Daisy]

Heute Nacht




Sathyan erwachte mit einem seltsamen, beklemmenden Gefühl in der Brust. Er kannte diese Art von seltsamem Gefühl... es hatte mit den Träumen zu tun, die ihn hin und wieder plagten. Langsam rollte er sich auf seinem Lager zur Seite, schlug die Augen auf und sah zu dem kleinen Fenster hinaus, neben welchem der Stohsack lag, auf welchem er schlief.
Eine Weile betrachtete er die Lichter auf dem Wasser, dann stand er auf und zog sich an. Es war eine gute Nacht, um einen kleinen... Streifzug zu machen.

Es war eine schwüle Nacht, doch der Himmel kündigte ein Gewitter an und hin und wieder erhellten schon die ersten Blitze die dunklen Wolkenberge. Sathyan sah zu, daß er weiter kam, rannte fast durch die nächtlichen Gassen und als es anfing in dicken Tropfen zu regnen verzog er sich in den erstbesten Hausflur. Es war der Hinterhof des kleinen, versifften Stübchens gegenüber des Bordells. Sathyan schlüpfte durch die Tür hinein und hörte wie draußen der Regen zu prasseln begann. Die Wirtsstube war noch brechend voll, obwohl es schon nach Mitternacht war. Sathyan bestellte sich ein Bier, verzog sich damit in eine der dunklen Ecken und beobachtete die Leute.

Als sich die Gaststube leerte zog es Sathyan vor sich auch zu verkrümeln, jedoch verließ er nicht wie die anderen Gäste die Kneipe oder ging zu seinem Zimmer, er versteckte sich unter der Treppe im Flur und wartete bis es still wurde. Nachdem mehr als eine halbe Stunde kein Geräusch außer ein Schnarchen das Haus störte kroch Sathyan unter der Treppe hervor. Er griff sich in die Hosentasche, seine Finger umschloßen zwei dünne Stahlstifte. Einer davon mit einer Spitze, der andere mit einem Winkel daran. Leise erklomm er die Treppe bis er bei den Gästezimmern angelangt war. Lauschend legte er das Ohr an jede Tür, lauschte lange und konzentriert, ging weiter und lauschte an der nächsten Tür. Diese Prozedur führte er fort bis er unter dem Dach angelangt war und hinter jener Tür war nichts. Kein Schnarchen, kein Feuerknacken... nichts.

Sathyan öffnete die Tür mit seinen kleinen Helferlein und sie schwang beinahe lautlos auf. Vorsichtig spähte er hinein und das Zimmer dahinter war wirklich leer. Sathyan schlüpfte hinein und schloß die Tür wieder hinter sich. Es war dunkel, Licht konnte er nicht machen aber er sah gut in der Dunkelheit. Seine Augen wanderten durch den Raum und er machte ein Bett aus, Stühle, einen Tisch... eine Truhe. Die Truhe war das, was er suchte. Quer durchs Zimmer ging er hin und knackte das Schloß mit welchem sie verschlossen war. Quietschend öffnete sich der Deckel.
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Kalima

Gefährte

Re: Êas - 17.4. [Re: Fin Anor]

[OT: hier folgt eine kleine (?) Coproduktion von Daisy und mir, da wir so sehr auf das RPG hingefiebert haben. .... Da es doch etwas mehr ist, als ich es in erinnerung hatte, hier eine kuzre Zusammenfassung: Dorian und Nishantha haben eine Unterredung mit Jamie. In dieser geht es um die Annahme eines ... nun sagen wir mal Jobs ... da meine beiden abgebrannt sind, nehmen sie an. ... Bald erfahren wir mehr

EDIT:
Da ich zu blond war um das mit dem Anhang hinzukriegen, hat regenkind nun eine bessere Idee gehabt Hier also der Auslagerungs thread

"Gesundheit" Jamie war dabei seine Gläser zu spülen, als die zwei Gestalten zur Tür hereingekommen waren. Er bemerkte immer, wenn jemand kam oder ging, das war seine Aufgabe, weshalb er sich auch äußerst selten von seinem Platz am Tresen begab und wenn, dann kontrollierte er bei seiner Rückkehr zuerst, ob noch alle da waren oder jemand neues hinzu gekommen war. Man musste schließlich wissen, wer bei einem zu Gast war, vor allem aber, wer davon hier nicht unbedingt gerne gesehen war. Diese zwei hier hatte er jedenfalls noch nie gesehen, Fremde, ganz eindeutig, man sah es schon an ihrer Kleidung und der Tatsache, dass sie nicht wussten, wer er war. Ja, vielen taten so, als wüssten sie das nicht, aber direkt vor ihm zu stehen und nach ihm zu fragen... nein, das taten nur Fremde "Was wollt ihr denn von Jamie?" fragte er an den größeren der beiden gewandt, den ohne Schnupfen

„Hatzi, danke.“ krächzte Nishantha und überließ das Reden dann doch eher Dorian. Dieser musterte den Mann hinter dem Tresen und etwas an dessen Ausstrahlung verriet ihm, dass man sich besser keinen Ärger mit ihm einhandelte. Sein Blick wirkte ruhig und seine Narben zeugten davon, dass er einer Auseinandersetzung auch nicht aus dem Wege ging, wenn seine Autorität einmal nicht ausreichen sollte. „Zunächst … vielleicht einfach nur einen Krug Starkbier, für mich und meinen Freund hier.“ erbat Dorian und legte den Preis dafür äußerst großzügig in Münzen auf den Tresen. Eigentlich konnte er sich diese Großzügigkeit gar nicht leisten und noch wusste er auch nicht, ob dieser Mann, wie nahe auch immer er diesem Jamie stand, überhaupt irgendetwas wusste, was dieses Geld wert war. Aber er musste es versuchen.

"Einen für euch beide?" fragte er, während er weiter das Glas in seiner Hand abtrocknete und auf das Geld auf dem Tresen hinabschielte. Das reichte durchaus auch für drei Krüge, aber das würde er schön für sich behalten, es gab in dieser Kneipe kein Wechselgeld... nicht für Fremde jedenfalls. Er musterte die zwei unauffällig, wie er es gewohnt war, stellte das Glas zur Seite und nahm sich ein noch nasses, um es ebenfalls langsam und ein bisschen liebevoll abzutrocknen. Junge Burschen, im Vergleich zu ihm. Er fragte sich, was sie wohl hier wollten, was sie vor allem von ihm wollten. Nun, aber vermutlich das, was die meisten wollten, einen Job... oder sie suchten irgendjemanden und waren bereit einiges dafür auf den Tisch zu legen. Für das Bier waren sie es jedenfalls gewesen.

„Einen kleinen Krug für meinen kleinen Freund und einen großen Krug für mich.“ grinste Dorian und fing dafür einen bissigen Blick und einen vor sich hin gemurmelten Fluch von seinem Begleiter auf. Der Schankwirt wirkte ruhig und überlegt und vielleicht wusste er mehr als es auf den ersten Blick den Anschein machte. Dorian merkte, wie er sie abschätzte, andererseits hatten sie nicht zu verbergen. Nishantha hoffte als Pferdejunge eine Arbeit zu bekommen und er möglichst als Heiler. Genaugenommen aber war Dorian schon so abgebrannt, dass er auch alles andere annehmen würde. „Kenn ihr euch denn hier aus? … Wir brauchen ein paar Informationen.“ fragte Dorian mutig weiter. Zeit war schließlich auch Geld.

"Nein, ich stehe nur alle paar Jahre mal hier hinterm Tresen" erwiderte er trocken und schob den Klumpen Kautabak im Mund von einer Seite zur anderen. Ob er sich hier auskannte... was für eine dumme Frage. Fremde eben. Er zuckte die Schultern, stellte das saubere Glas zur Seite, legte das Trockentuch daneben und wandte sich ab, um den beiden zu bringen, was sie wollten. "Welche Informationen?" fragte er, während er die Krüge füllte und sich nicht einmal zu den beiden Gestalten umdrehte

Komischer Kauz, dachte sich Dorian, als der Schankwirt seine trockenen Kommentare abgab und mit dem Rücken zu ihnen sprach. „Dachte ich mir gleich, sonst würdet ihr die Leute ansehen, wenn sie mit euch reden.“ nickte er deshalb. Mag sein, dass das falsche Wort zur falschen Zeit war. Dorian hasste es Zeit für Nichtigkeiten zu verplempern, wenn man doch auch gleich auf den Punkt kommen konnte. Allmählich bekam er wirklich Durst in dieser vom Rauch geschwängerten Luft in Jamie´s Eck. „Wir suchen Arbeit … aber nicht irgendeine.“ Murmelte Dorian vor sich hin, denn diesen Spruch hörte der Klappenträger sicherlich mehrmals am Tag.

"Ach, würde man das?" fragte er, noch immer ohne sich umzudrehen und stellte den ersten, kleineren Krug zur Seite, um sich dem nächsten zuzuwenden "Deshalb ist es hier so leer... hab mich schon gewundert" es war alles andere als leer. Hier drin war es niemals leer, drei viertel der Gäste waren regelmäßig hier, was bedeutete, mehr als dreimal die Woche, der Rest kam nur unwesentlich unregelmäßiger. Er ließ sich Zeit mit dem Bier, sagte nichts mehr, während er den zweiten Krug füllte und drehte sich dann sehr gemächlich um, ehe er die Krüge vor den beiden Fremden abstellte und sie eine Weile schweigen ansah. "Arbeit" meinte er dann irgendwann und nickte wissend "Ja, Arbeit ist gut, nicht wahr?" er nahm das Geld von der Theke, ließ es in seine Kasse unter dem Tresen klimpern und wandte den Blick dabei kein einziges Mal von dem Fremden, mit dem er bislang gesprochen hatte "Sah eben nicht so aus, als wäre es dringend"

Dorian runzelte die Stirn. Was meinte der Schankwirt nur damit? Glaubte dieser, es sei nicht dringend, weil er ihn großzügig bezahlte. Dann war dieser Versuch seinerseits wohl nach hinten los gegangen. Während Dorian noch nachgrübelte nieste es neben sich und dann … ergriff Nishantha das Wort. „Ihr seid, dieser Jamie, nicht wahr?“ fragte der Bengel mit scharfen Verstand. Aber die Ruhe die dieser Wirt ausstrahlte, die Art, wie er selbstsicher redete und seinen Blick über die Gäste schweifen ließ, ließ ihn weniger wie einen einfachen Schankwirt wirken, sondern wie einen Wolf, der über sein Rudel wachte. Auf der Hut, wissend. Er kannte sich hier aus, niemand würde ohne sein Wissen kommen oder gehen und schon gar kein Zechpreller. Nishanthas wache Augen sahen den Wirt an „Hatziii.“ Machte es dennoch erneut und eilig putzte er sich die Nase, um dann einen kräftigen Schluck vom Bier zu nehmen und ihn wieder abwartend anzusehen. „Schmeckt gut euer Gebräu.“ lobte er aber zumindest noch das Bier.

"Aufgewecktes Kerlchen" kommentierte Jamie "Gesundheit" folgte gleich darauf und er wandte sich wieder der an den größeren und ganz offensichtlich auch älteren der beiden, da er nicht glaubte, dass der Kleine wirklich mehr zu sagen hatte "Also, ihr zwei sucht Arbeit?" fragte er, ohne darauf eine Antwort zu erwarten "Was glaubt ihr denn, wer euch welche geben will?" weshalb sie dabei ausgerechnet auf ihn kamen musste er nicht fragen, es kamen ständig Leute, die Arbeit suchten

„Ich glaube, jemand, der jemanden sucht, der vertrauenswürdig ist, der sucht genau mich.“ sagte Dorian und es klang lange nicht so überheblich wie man vielleicht hätte meinen können. Seinen Arbeitgebern gegenüber, seinen Patienten gegenüber, war Dorian stets loyal und verschwiegen. Ein Problem waren nur die anderen Vergnügungen des Lebens und damit meinte er gar nicht unbedingt die Frauen. Wenn Dorian jedoch sich seinen Sehnsüchten und Süchten hingab, vergaß er dummerweise jene, denen er so loyal gegenüberstand und es dauerte oft Tage, ehe er sich wieder ihrer erinnerte. Und deshalb … hatte er auch noch keine Arbeit lange gehabt. Diesmal aber sah die Sache etwas anders aus, diesmal stand sein Erbe auf dem Spiel. „Gestatten, Dorian Cavill, Medikus und Apotheker.“ stellte er sich schließlich für und reichte dem Wirt die Hand, in der Hoffnung, dass selbige nicht sogleich zerquetscht wurde. Er hatte zwar keine kleinen, zarten Chirurgenhände, ein Grund übrigens, weshalb er nicht ein solcher geworden war, aber er brauchte seine Hände gewiss noch. „Hatziii.“ machte es neben ihm und Nishantha stellte sich in gleicher Manier vor: „Gestatten, Nishantha, Stallbursche, Laufbursche oder was auch immer ihr sonst gerade brauchen könnt. … Hatziii!“

Jamie" erwiderte Jamie ohne die ihm dargebotene Hand anzunehmen. Er musterte die beiden eingehend, nachdem sie sich vorgestellt hatten und kniff nachdenklich ein Auge zusammen "Medikus und Apotheker... soso.... und loyal" nun, man konnte sich seine Angestellten in Zeiten wie diesen auch nicht immer aussuchen, wie es einem passte... aber ein Medikus, was wohl so etwas wie ein Heiler war, war sicher immer zu gebrauchen, ein loyaler noch dazu... "Heiler?" fragte er dann jedoch mit einem skeptischen Blick auf den kleinen Kerl neben ihm "Da scheint jemand aber noch etwas Übung zu brauchen, was?" der Bursche, Nishantha, wie er jetzt wusste, nieste jedenfalls unablässig... oder er war nicht in seiner Behandlung, was jedoch seltsam wäre, waren die beiden doch ganz offensichtlich zusammen unterwegs "Na und zu mehr bist du wohl auch kaum fähig... so ein halbes Hähnchen" meinte er an Nishantha gewandt, lachte dunkel und sah wieder zu Dorian "Ihr zwei haltet euch also für fähig genug einen Auftrag anzunehmen?"

„Ich hatte eine schwere Kindheit.“ warf Nishantha ein, das zog immer und wer hatte die bitteschön nicht gehabt? Plötzlich hatte der Knirps aber das Gefühl, den Großen ein wenig verteidigen zu müssen, ehe sein augenscheinlicher Schnupfen auf Dorians mangelnde Heilkünste hinwiesen. „Nein, dafür kann er nichts …“ sagte Nishantha und tätschelte gutmütig Dorians Schulter. „Er ist ein sehr guter Medikus. Zumindest so lange es mit Kräutern und Wurzeln zu tun hat und ich das beurteilen kann. Aber für mein Geniese kann er nix. Ich bin allergisch auf… Tabak.“ Klärte Nishantha nun Jamie auf, und schätzte, dass er die Hand deshalb nicht genommen hatte. „Is nich ansteckend.“ Beteuerte der Kleine nochmals. „Ganz recht, ein Medikus ist ein Heil, … mein Schwerpunkt sind allgemeine Krankheiten und das Mischen von Arzneien; Jamie.“ Verkündete Dorian stolz und nickte Nishantha dankbar zu. Eigentlich hatte er geglaubt, den Zwerg hier los zu werden, aber andererseits, es war ein waches Kerlchen. Die beiden jungen Männer sahen sich kurz an und offenbar erkannte Nishantha etwas in Dorians Blick, was auf Zustimmung schließen ließ. Im Brustton der Überzeugung sagte Dorian: „Ganz recht, Jamie, … ich halte und beide sogar für sehr fähig einen Auftrag anzunehmen.“


"Eine schwere Kindheit hatten wir alle" meinte er, lachte aber doch und schob den Kautabak wieder von einer Seite zur anderen "Gegen Tabak, ja? Mhm..." brummte er nachdenklich, schob den Tabak wieder zurück und spuckte neben sich in einen Blecheimer auf dem Boden. So etwas tat man normalerweise nicht vor Gästen, aber die zwei hier waren keine normalen Gäste "Dann solltet ihr mit mir mitkommen... dorthin, wo es nicht so nach Tabak riecht... MOIRA!" rief er dunkel und schallend hinter seiner Frau her, die wenig später motzend die Treppe neben dem Tresen heruntergepoltert kam und ihren Mann dahinter verscheuchte, als wäre er ein Huhn. "Folgt mir" meinte der nur und ließ seine rundliche Frau vorsichtshalber unbeachtet allein zurück, während er vor den zwei Fremden her durch den Schankraum zu einer weiteren Tür ging, die hinab in den Keller und zu den Lagerräumen führte und des weiteren noch in einen anderen Raum. Der wiederum hatte eine weitere Tür, die allerdings nur Jamie kannte und ihn im Zweifelsfall in die Sicherheit der Abwasserkanäle führen würde


Nishantha war regelrecht zusammen gezuckt, als Jamie so inbrünstig nach seiner Frau rief. Himmel, hatte der einen Bass. Während Dorian unbeteiligt dreinblickte, als Jamie seinen Tabak geräuschvoll ausspuckte, verzog Nishantha angeekelt das Gesicht. „Nur in rauchförmiger Form bin ich dagegen allergisch … nicht in … gekauter.“ hörte Dorian das Milchgesicht stammeln und grinste. Sollte dieser Knirps wirklich weiterhin mit ihm reisen, so würde er ihm sicher noch das ein oder andere beibringen müssen. Als Jamie die beiden nun aufforderte mitzukommen blieb Nishantha dicht an Dorians Fersen, doch auch dieser sah sich aufmerksam um, als es in den Keller und dort wiederum in einen fensterlosen Raum. Wie ein Lagerraum wirkte das hier allerdings nicht. Dorian ließ seine Taschen sacken und sah sich mit nun eher angespannter Mine um. Was wenn der Wirt sie hier nun einsperren und ausrauben, oder gar noch schlimmeres vorhatte? Unbewusst legte sich seine Hand auf den Knauf des Degens, während er ansonsten versuchte eine betont unbeteiligte Mine zum Spiel zu machen. Nishantha hingegen wirkte unruhig, kaute auf seiner Lippe und sah immer wieder zur Tür in seinem Rücken. „Nun, um was geht es?“ fragte Dorian schließlich, denn das was Jamie zu sagen hatte, war offenbar nicht für andere Ohren bestimmt.

Jamie deutete auf einen der acht Stühle, die um einen schweren, runden Holztisch herumstanden, um die beiden aufzufordern sich zu setzen und machte es sich selbst auf einem davon bequem "Um was es geht?" fragte er und lachte leise "Sagt ihr mir das... jemand hat euch geschickt, wer war das? Und was hat er euch gesagt" er sagte selbst kein Wort, ehe er nicht einige Dinge wusste. Das Leben in dieser Stadt hatte ihn gelehrt vorsichtig zu sein, sehr vorsichtig, und man wusste besser so viel wie möglich über die Menschen, die man traf, und diese so wenig wie möglich von einem selbst. Aber sie mussten von ihm gar nichts weiter wissen, außer dass er die Aufträge verteilte

Dorian versuchte sich ein Bild von der Situation zu machen, in der sie sich befanden. Großer, schwerer Mann, mit Augenklappe, Narben und ein Gesicht welches schon alle Wetter und Unwetter gesehen hatte. Ärger, und das wusste Dorian mit Bestimmtheit, wollte er mit Jamie nicht haben. „Also schön.“ Begann er und sah zu Nishantha. Sie hatten es verpasst sich auf eine Situation wie diese vorbereitet und abzusprechen, folglich musste er nun bei der Wahrheit bleiben und wusste nicht, ob das nun gut oder schlecht war. „Wir sind beide aus Senodan … ich arbeitete dort als Heiler, er als Stallbursche. Von einem Typ den alle nur Goldzahn nennen, bekamen wir den Hinweis, dass ihr hier vertrauensvolle Leute für einen Auftrag sucht … nun und hier bin ich.“ Erklärte Dorian und lehnte sich etwas zurück. Er hoffte, dass Jamie nun nicht einen wahren oder weiteren Namen von Goldzahn als Beweis forderte, denn Dorian kannte keinen. Auch das dieser Mann mit dem goldenen Eckzahn im Untergrund verkehrte, erwähnte er nicht. Wenn Jamie ihn kannte, dann wusste er das ohnehin.


Goldzahn also... den kannte er allerdings und er hatte ihm schon des öfteren die richtigen Leute geschickt. Ob er sich bei diesen hier vertan hatte, wusste er zwar nicht, aber das hatte er bisher nie gewusst und enttäuscht worden war er nie. "Heiler und Pferdebursche... und ihr wollt zusammenbleiben nehme ich an" was nun einiges bedeuten konnte, aber Spekulationen darüber unterließ er sicherheitshalber "Und ihr glaube wirklich loyal zu sein? Und ihr seid bereit einen Auftrag anzunehmen, der... mit keinem anderen vergleichbar ist? Der vielleicht sogar gefährlicher ist? Sehr gefährlich... und was ihr damit auslösen könntet, wagt ihr möglicherweise nicht einmal zu träumen" er durfte ihnen nicht zuviel sagen, und doch genug, dass sie bereit waren zuzustimmen, oder eben abzulehnen

„Naaajaaaa, also um genau zu sein, wir müssen nicht zwingend zusammenbleiden.“ erklärte Dorian und lehnte gestikulierend wieder nach vorne. Himmel, wie sich das anhörte, da konnte man ja sonst was denken. „Wisst ihr, Jamie, … eigentlich ist er mir zugelaufen, auf der Straße und seither, … nun Nishantha wollte schlichtweg mitkommen.“ Fügte Dorian noch an und war sich tatsächlich nicht schlüssig was ihm lieber wäre, ein Auftrag mit oder ohne den Milchbart. „Zugelaufen???“ schaltete sich Nishantha nun aber ein und der Tonfall klang diesmal gar nicht nett bei dem Burschen. „Na ich glaube, das war ein wenig anders … er lag nämlich bewusstlos im Staub … sein Pferd hab ich ihm wieder gebracht und ihn aufgelesen.“ Erläuterte Nishantha seine Wahrheit. Ein Blick Dorians aber genügte um den Jungen zum Schweigen zu bekommen, dass kapierte nämlich sogar der Knirps, dass sie sich damit den Auftrag verbauten, wenn sie sich nun auch noch vor Jamie stritten. Dorian räusperte sich und sah wieder zu Jamie. Dessen Worte klangen wenig verheißungsvoll und er überlegte sich seine Antwort gut. „Jamie, … ich habe gründlich darüber nachgedacht und ich habe meine Gründe mit einer Aufgabe zu stellen, die eine Herausforderung bietet. Die Gefahr schreckt mich nicht, sie macht mich aber vorsichtig. Von welchem möglichen Auslöser jedoch sprecht ihr?“ hakte er ernsthaft nach. Milchbart schwieg nun … glücklicherweise.

Jamie sah die beiden zweifelnd an, als die anfingen vor ihm zu diskutieren wer wem wieso zugelaufen war oder auch nicht. Er saß auf seinem Stuhl, gemütlich zurückgelehnt und pulte mit der Zunge den Rest des Tabaks aus seinen Zähnen, während er die beiden beobachtete und sich seinen Teil dachte. Man konnte nicht ewig suchen... und er gleich gar nicht, er hatte nur noch einen Tag und erst einen der mitkommen würde. Einer reichte aber nicht... drei wären gut, sehr gut... ein Heiler war noch besser, ein Stallbursche... oder Laufbursche... nun, man konnte sie gebrauchen. Er war klein, unscheinbar, niemand würde auf ihn achten. Nur ein bisschen laut... sie beide, der eine mehr, der andere weniger. Aber schlechte Kerle sicher nicht. Nur ob sie loyal genug waren? Scott hatte gesagt er wolle eine Gruppe, die so sicher ist, wie keine andere... aber er würde sie schon dazu bringen den Mund zu halten und nichts auffliegen zu lassen... wie, das wusste er nicht... oder ob er es nicht nur so daher gesagt hatte.
"Das kann ich euch nicht sagen... ich bin nicht der Auftraggeber, nur der Vermittler" er zuckte leicht die Schultern und wägte noch einmal genau ab, was für und gegen die zwei sprach... für sie sprach eindeutig die Zeit, aber er hatte auch nicht viel gehabt die richtigen Leute zu finden "Es hängt mit dieser Welt zusammen... es ist etwas großes, versteht ihr... wenn ihr euch zu klein für etwas großes haltet, dann lasst es... wenn ihr diesem Reich und der Krone zugetan seid, dann rate ich euch sogar die Stadt augenblicklich zu verlassen, denn ich werde andernfalls dafür sorgen, dass ihr sie zumindest nicht lebend verlassen werdet... wenn ihr glaubt, dass in dieser Welt etwas schief läuft... dann sagt ja"

So, und diesmal herrschte augenblickliches Schweigen … selbst eine Stecknadel hätte man fallen hören. Dorian hoffte für den Milchbart, dass er Jahre genug zählte um zu wissen, wann man die vorlaute Klappe hielt. Natürlich wusste er, dass in dieser Welt etwas gewaltig schief lief und das nicht erst seit der Schlacht vor viere Jahren. Die Machtkämpfe dauerten schon viel länger an, so lange er denken konnte eigentlich und er hatte noch andere Gründe … aber wenn er etwas gelernt hatte, dann das man es nicht laut aussprach, wenn man gegen das Königshaus war. Im Grunde war es ohnehin jeder, aber was, wenn das Königshaus selbst Fallen wie diese hier stellte um die Bevölkerung auszuhorchen und Exempel zu statuieren. Vertrauen jedenfalls hatte Dorian keines in das Herrscherhaus. Dorians blaue Augen fixierten Jamie und er versuchte abzuwägen, wie groß die Gefahr war, in der er sich befand. Aber Jamie wirkte genauso vorsichtig und überlegt, wie Dorian … sprach er die Wahrheit? Wie ein Patriot hörte er sich schon fast ein … ein rebellischer Patriot. Zwar litt Dorian nicht gerade an Selbstüberschätzung und auch an Heldentum hatte er noch nicht gedacht und doch lagen ihm die Worte seines Großvaters im Ohr und das damit verbundene Druckmittel auf sein Erbe. Seinem alten Herrn würde das hier zweifelsohne zusagen, Schade, dass der nicht hier war. Möglicherweise hätte Jamie ihm die Loyalität noch viel ehr abgenommen. „Ich bin vorsichtig mit meiner Antwort…“ begann Dorian zögerlich. „Denn ich kenne euch nicht und ihr mich nicht … wenn wir auf einer Seite stehen, dann versteht ihr auch meine Vorsicht. … Aber, so viel will ich sagen, ich bin dieser Krone nicht zugetan, in keinster Weise.“ Sagte er langsam, deutlich und nahm den Blick dabei nicht von Jamie. Zum einen, weil er keine Reaktion verpassen wollte und zum anderen, um Jamie zu zeigen, dass er nichts verbarg. „Da ich aber nicht vom Heldenmut alleine leben kann, gestattet mir die Frage, was euer Auftraggeber bereit ist zu zahlen. Meine Loyalität verschenke ich gern, wenn ich damit etwas für unser Land tun kann, doch mein Magen braucht etwas Handfestes.“ Meinte er mit einem Lächeln. Angespannt war die Situation schon so genug.

Allmählich gefiel ihm der Bursche. Jamie glaubte ihm aufs Wort, dass er nichts von der Krone hielt, das tat kaum jemand und soweit er wusste, war die Lage in Senodan nicht ganz so schlimm, wie hier, so dass die zwei möglicherweise zu alldem auch noch einen kleinen Schock erlitten hatten, was ihnen den König sicher nicht sympathischer machte. Dorians Worte hatten ehrlich geklungen und Jamie glaubte unterscheiden zu können, wann jemand log und wann nicht. Zumindest bei zwei halbwüchsigen wie denen hier. "Ihr zwei müsst euch um die Bezahlung keine Gedanken machen... solltet ihr den Auftrag überleben werdet ihr euch die nächsten zwanzig Jahre keine Gedanken mehr machen müssen... wenn ihr geschickt mit Geld umgehen könnt auch den Rest eures Lebens nicht mehr. Es gibt Menschen... die würden alles dafür geben die derzeitigen Herrscher fallen zu sehen und Geld ist dabei das kleinste Problem. Es ist so..." begann er dann noch einmal von neuem den beiden etwas deutlicher zu machen, worum es ging "Ich weiß nicht sehr viel über diesen Auftrag, aber ich vertraue dem Mann, der wiederum bei mir in Auftrag gab Männer dafür zu suchen, voll und ganz. Es ist eine schwierige Sache... eine gefährliche vor allem. Und eine ungewisse... niemand weiß, wohin euch diese Reise führen wird und niemand weiß, wie lange sie dauern wird... es ist eine Reise... soviel kann ich euch sagen, eine Suche vielmehr, nach irgendetwas, wonach, das weiß ich nicht.... und niemand weiß, ob ihr lebend aus der Sache herauskommt... ihr müsst also schon wirklich... dahinterstehen" er verzog den Mund, als hielte er von seinen Worten selbst nicht viel und grinste ein wenig schief "Ich weiß, dass ist viel verlangt bei einer Sache, die ich euch nicht einmal genauer erläutern kann... aber eines kann ich euch sagen: Die Welt wird hinterher möglicherweise nicht mehr die selbe sein. Da ich persönlich glaube, dass es schlimmer kaum kommen kann, denke ich, dass es sich in diesem Falle lohnt. Es ist eine gute Sache, dessen bin ich mir sicher... und euch erwartet ein großer Lohn und darauf könnt ihr euch verlassen, das schwöre ich, so wahr ich hier sitze." Er reckte ein wenig das Kinn, als hielte er das nun für angemessen und musterte erst den kleinen, dann den großen und fuhr schließlich fort "Ich kann euch leider nicht mehr sagen, da ich selbst nicht viel mehr weiß und da es zu riskant ist mehr zu erzählen, wenn ich nicht sicher sein kann, dass ihr dabei seid... eine schwierige Sache, wirklich... aber ihr müsst euch jetzt entscheiden... ja oder nein" er wollte erst nichts mehr sagen und abwarten, was nun kommen würde, aber er war schließlich Geschäftsmann und wollte den zweien durchaus noch eine weitere Option offen lassen... noch so ein Auftrag, den niemand haben wollte "Ansonsten hätte ich euch noch eine kleine Reise in die Abwasserkanäle Êas´ anzubieten... etwa drei Tage oder so, es ist jemand entlaufen, den jemand anders gerne wiederfinden würde... ihr werdet danach etwa drei Wochen stinken und die Bezahlung reicht für ein Abendessen im "Roten Hai"... na ja... immerhin das beste Gasthaus der Stadt...."

„Ja, Iiiiihhh.“ entfleuchte es Nishantha, als die zweite Option genannt wurde, wofür er einen verwarnenden Blick von Dorian ein und der Junge wurde auf seinem Stuhl wieder etwas kleiner. Das Dorian so eben zu hören bekommen hatte war eindringlicher, abgrundtiefer und gefährlicher, als alles, was er bisher gehört hatte in seinem 28 Jahre währenden Leben. Natürlich hatte er auch jugendliche Phantasien gesponnen, wie man Herrscherhäuser zu Fall bringen konnte, wie man dieser Ungerechtigkeit ein Ende setzen konnte. Der Fürst von Silva, Seigh Lefár der die rechte Hand des selbsternannten Königs war und seine Taten unterstützte. Königs Jervon DeVelaine, legte eine Ungerechtigkeit und dazu einen Willen zum Kampf bis zum letzten Mann an den Tag, dass das Volk sich niemals erholen konnte, so lange er regierte. Männer wurden eingezogen, der Tribut war einfach zu hoch. Auch hatte Dorian immer wieder Gerüchte gehört, von Freiheitskämpfern, die etwas unternehmen wollten, aber lange währe es nie, dann verebbte die Gerüchteküche, denn die Helden, die sie genährt hatten waren von Handlangern des Fürsten niedergemetzelt worden. Was Jamie da sagte, klang genauso wie eine dieser Geschichten und Dorian ahnte, dass die Zahlen gegen sie standen. Trotzdem hörte er sich sagen und dazu auch noch lächeln: „Ich weiß im Moment nicht mal, ob ich lebend aus Êas herauskomme.“

Dorian rutschte ein Stück weiter nach vorne und sah auf seine zusammengefalteten Hände, die er auf den Tisch gelegt hatte. Das Finanzielle war schon fest für ihn in den Hintergrund geraden und dennoch versuchte er abzuwägen. „Ich gebe zu, das ist nicht viel … was ihr Preis gebt, doch, … ich verstehe euch. … Ermutigend klingt das Ganze auch nicht …“ Gab er zu und nickte ernst. Was hatte er schon zu verlieren? Er hatte ohnehin nichts, keine Frau, keine Arbeit und neuerdings auch kein Erbe mehr. „… aber …“ sprach er zögerlich weiter und sah zu dem einäugigen Jamie: „ … Ja, … meine Antwort ist ja, denn ich bekomme nie mehr in diesem Leben die Chance etwas gegen Jervon DeVelaine zu unternehmen. … Bei Tabor, ich muss verrückt sein!“ schüttelte Dorian den Kopf und sah zu Nishantha: „Na, Milchbart, was ist mir dir?“

Nishantha wirkte unentschlossen und sah zwischen Jamie und Dorian hin und her. Der Junge war zäh und anspruchslos. Aber ob er überhaupt lesen, schreiben oder kämpfen konnte, stand vermutlich auf einem anderen Blatt. „Ich bin auch dabei.“ Sagte er schließlich mit belegter Stimme und wieder einmal wusste Dorian nicht, ob das nun gut oder schlecht war. Dorians Blick ging wieder zu Jamie. Was würde nun kommen? Weitere Informationen? Verträge? Mit Blut besiegelt? Oder doch Stadtwachen und es war eine Falle?

Jamie hatte nach seinen Ausführungen kaum damit gerechnet, dass die beiden zustimmen würden, bisher hatte das zumindest nur einer getan... was kein Wunder war angesichts der dürftigen Details, die Scott ihm geliefert hatte. Wer würde schon freiwillig bei so einer Sache mitmachen... niemand... nur Verrückte oder Verzweifelte. Die zwei hier mussten eins von beidem sein... oder dumm. Er hätte bei dieser Sache nicht mitgemacht, auch wenn er selbst nicht wusste worum es genau ging, oder grade deshalb...
"Ihr seid also dabei?" fragte er noch einmal nach und war bemüht seine Überraschung aus der Stimme zu halten "Alle beide?" fragte er weiter und kniff skeptisch ein Auge zu "Ich meine... beide, wirklich?" er sollte es nicht übertreiben... am Ende sagten sie ihm wieder ab "Ich bin höchst erfreut..." fuhr er daher wirklich erfreut fort und lächelte ein ehrliches, breites... erschreckendes Lächeln "Dann werde ich nun die Verträge holen... die sind verbindlich... ich mache alles mit Vertrag, diese ganze Handschlagscheiße bringt nur ärger... schriftlich muss das sein, sonst wird das alles nichts..." er hatte sich große Mühe mit dem Vertrag gegeben und eigentlich diente das Stück Papier nur dazu die Betroffenen festnageln zu können, sollten sie... Vertragsbruch begehen. Vor dem Gesetzt war es letztendlich nichts wert, aber hier hatte sowieso jeder seine eigenen Gesetze und in seiner Hafenkneipe herrschte eben Jamies Gesetz.

Dorian wurde es ganz anders, als Jamie nun so breit grinste und selbst einem Hai alle Ehre gemacht hätte mit diesem Grinsen. Er wirkte nicht so als habe er damit gerechnet, dass sie beide zustimmen würden. Auf was hatte er sich da nur eingelassen? Gab es noch einen Weg zurück? Gab es überhaupt noch einen Weg? Nishantha neben ihm schien zu versteinern. Der Junge wirkte hier unten im Keller noch blasser als ohnehin schon. „Ja, wirklich.“ Wiederholte Dorian nur zähneknirschend. Manchmal wäre ein Plan B nicht verkehrt. Jetzt zum Beispiel. Das Jamie nun tatsächlich mit Verträgen anfing wunderte Dorian, denn dies waren gesetzlose Zeiten und ein Blatt Papier kaum mehr wert als ein Handschlag. „Holt nur euren Vertrag, … doch erzählt uns bitte danach noch ein wenig von diesem Vorhaben, damit ich weiß, ob ich auch mein Testament besiegeln soll.“ Brummte Dorian, dessen Tatendrang deutlich und spürbar nachgelassen hatte, seit sie diesen Keller betreten hatten. Nicht, dass er etwas zu vererben gehabt hätte, … es war vielmehr ein flacher Witz. „Ich hätte gern den Degen.“ Erklärte der Milchbart neben ihm und grinste so unbeholfen, dass Dorian fast Mitleid mit ihm gehabt hätte. „Du weißt ja nicht mal, wie man damit umgeht, Kurzer.“ War alles was er dazu zu sagen hatte. „Wetten?“ war jedoch die überraschte Ansage von Nishantha, ehe die beiden auf Jamie und dessen ominösen Vertrag warteten.

Jamie verschwand nach oben, ließ sich dort ein Tablett mit drei Gläsern Whisky und einer Schale voller Moiras selbstgebackener Haferkekse fertig machen und schnappte sich zwei der angefertigten Verträge, ehe er mit allem beladen wieder nach unten ging. Das Tablett stellte er in die Mitte des Tisches, dann setzte er sich wieder auf seinen Platz "Bedient euch, ihr seid sicher hungrig" meinte er, während er die Verträge vor sich auf den Tisch legte und noch einmal durchlas. Besonders viel stand nicht darauf... aber das nötigste... ja, doch, das nötigste Seinen Namen hatte er mit Absicht nicht erwähnt und seine Unterschrift fiel so aus, dass niemand lesen konnte, dass er der Verfasser war... nur zur Sicherheit. "So... bitte... da unterschreiben... ihr könnt doch schreiben? Also... das ist nur dazu da, falls ihr meinem Ruf Schande bereitet... ich habe Leute, die das dann klären werden... hm... ja... mit dem eigentlichen Auftraggeber hat das nichts zu tun, es ist nur... so eine Formalität" er reichte jedem der beiden eines der Blätter und musterte sie, während er nach dem Whiskyglas griff. "Einige glauben das sei Unsinn.. aber ich habe es gerne schriftlich, wem ich welchen Auftrag gegeben habe... nur damit sich niemand herausreden kann" er lächelte freundlich, trank einen Schluck und räusperte sich "Ah ja... das Testament... bitte, wenn ihr etwas zu vererben habt... ihr seid soeben dabei in die Welt der Söldner einzutreten, es besteht immer die Möglichkeit aus eben jener zu scheiden"

Als dieses Stück Papier vor Dorian lag stutzte er und seine Entscheidung geriet ins Schwanken. Der mochte den Begriff Söldner nicht und er mochte nicht, sich für etwas zu verpflichten, was er nur schemenhaft kannte. Selbst wenn diese Vereinbarung hier sogar rechtlich nichtig war, so wollte er es vermeiden, Ärger mit jemand wie Jamie zu bekommen, Er kannte viele im Untergrund wie es schien und vermutlich wäre man nirgendwo mehr vor ihm sicher, wenn er erst einmal nach jemand suchte. Die Haferkekse sah Dorian lange an, … etwas ordentliches und Deftiges wäre ihm lieber, aber er hatte Hunger und wurde dann das trockene Gebäck wohl oder übel essen. Nishantha griff jetzt schon danach, knabberte aber mit kleinen Mäusebissen darauf herum. Dorian selbst hatte plötzlich das Gefühl, als hielte er sein Todesurteil in der Hand und schob das Blatt erst einmal wieder von sich. „Was, wenn ich aussteigen möchte? … Aussteigen, bevor der Auftrag ausgeführt wurde?“ fragte er nun und hatte Angst, dass es keine Hintertür geben würde.

"Man kann nicht aus etwas aussteigen, dem man sich verpflichtet hat" sagte er nun und jedes Lächeln war aus seinem Gesicht verschwunden "Ich suche Menschen, die bereit sind sich zu verpflichten... die bereit sind ein Risiko einzugehen... und die loyal sind... und diese Welt nicht so hinnehmen wollen, wie sie ist..." eine sehr theatralische Ansprache, wirklich sehr theatralisch... und eigentlich hatte er auch keine Wahl, sonst würde er Scott wohl morgen einen einsamen Kämpfer präsentieren "Ihr seid nicht alleine, wenn euch das beruhigt... es ist schon jemand dabei" immer dieses Gesuche nach Auswegen... ihm war so etwas schon immer auf die Nerven gegangen "Denkt ihr ein Bäcker kann es sich erlauben seine Brötchen aus dem Ofen zu holen, ehe sie gar sind? So etwas geht nicht... es gibt nicht für alles einen Ausweg... denkt ihr, wenn ihr keine Lust mehr habt, dann könnt ihr einfach gehen? Nein... ich sage es noch einmal, entweder ihr nehmt diesen Auftrag an oder nicht. Es gibt kein aber, ja, wenn, vielleicht...."

„Na schön…“ sagte Dorian, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. Er wurde das dumme Gefühl nicht los, dass sich sein Leben ab diesem Punkt maßgeblich verändern könnte. Dieser Jamie war ein knallharter Bursche und wer auch immer ihn beauftragt hatte, wusste, dass dieser loyal war. Selbiges erwartete der Wirt von ihnen, auch das verstand Dorian, nur hörte sich das ganze Unterfangen ein wenig sehr nach Selbstmordkommando an. „Na schön …“ wiederholte er und brachte den Satz nun zu Ende: „…bekommen wir, wenn ich das hier unterschreibe, zumindest weitere Informationen, um uns ein wenig vorzubereiten?“ Nishantha rutschte auf seinem Stuhl hin und her, nahm noch einen Keks und sah Jamie aufmerksam an. „Und kriegen wir noch einen Braten zum Essen? Da oben roch es so gut.“ Bettelte der Bengel und diesmal war Dorian kurz davor ihm eine Ohrfeige zu geben. Aber er ließ es bleiben, denn inzwischen wusste er, dass Nishantha aus ärmlichsten Verhältnissen kommen musste. Er kaute das Essen so wie jetzt immer extra lang, ganz so wie man es Kindern beibrachte, wenn man nicht viel zu essen hatte. „Deinen Braten kriegst du so und anders … unterschreibe nur, wenn es dir ernst ist.“ Sagte Dorian überraschend sanftmütig zu dem Jungen, woraufhin dieser das Blatt zu sich zog, überflog, was darauf stand und tunkte dann die Feder in die Tinte. Nishantha unterschrieb mit gleichmäßiger, geschwungener Schrift und Dorian hatte nicht zu hoffen gewagt, dass der Bursche überhaupt schreiben konnte. Zwei abwartende blaue Augenpaare sahen Jamie nun wieder an. Dorian wartete auf seine Antwort und Nishantha auf irgendeine Reaktion, als er Jamie den Vertrag wieder hinschob.

"Kommt morgen Abend wieder her... dann bekommt ihr weitere Informationen von eurem Auftraggeber" er sah sie beide noch einmal eindringlich an und wandte sich dann an den Kleinen, der überraschenderweise sogleich unterschrieb "Und ihr bekommt Braten und Kartoffeln, oben in der Stube... und ein Bett für die Nacht. Ist im Preis mit inbegriffen" er wollte ja mal nicht so sein. Die beiden sahen erschöpft aus und hatten vermutlich weder Lust noch Geld sich ein Dach über dem Kopf zu suchen "Aber ihr müsst euch ein Zimmer teilen" es tat ihm selbst ein wenig leid, dass er ihnen nicht mehr sagen konnte. Normalerweise war das immer ganz einfach, in diesem Fall sah die Sache jedoch ein wenig anders aus "Wisst ihr... eigentlich müsst ihr nur etwas suchen und wieder herbringen... na... oder irgendwo hinbringen. Klingt ganz einfach, was?" das tat es wirklich... wenn er nur wüsste, was sie suchen mussten...

„Kommt wohl ganz darauf an was das ist.“ Lächelte Dorian halbherzig. Unfreundlich war dieser Jamie ja nicht, fast wirkte er so, als bedauere er es, die beiden hinzuhalten. Dorian unterschrieb ohne weitere Worte und schob Jamie seinen Vertrag ebenfalls hinüber. „Zimmer teilen ist kein Problem.“ Meinte Dorian und sah zu Nishantha, der allerdings weniger begeistert wirkte. Das es morgen Abend mehr Informationen geben würde, beruhigte Dorian etwas, … eine gute Vorbereitung schien ihm, in diesem Fall unerlässlich. „Werden wir morgen auch die weiteren Beteiligten, … beziehungsweise Mitreisenden kennen lernen?“ fragte er und nahm sich einen Whisky, den er in einem Zug leerte. Bett und Braten hörte sich nun auch in Dorians Ohren gut an, auch wenn er glaubte, dass er ohnehin kein Auge zu tun würde. „Brauchen wir Pferde?“ fragte schließlich der Milchbart und fügte erklärend hinzu: „Wir haben nämlich nur eins.“ Dorian sagte dazu mal lieber nichts, denn genau genommen hatte er ein Pferd, Nishantha hatte gar nichts.

"Ja, ein Pferd braucht ihr... aber vermutlich werdet ihr eines bekommen, aber das werdet ihr alles morgen erfahren" meinte er, während er sich die zwei Unterschriften ansah, ein wenig erstaunt über das malerische, das in der von dem kleinen Burschen lag, und noch immer überrascht, dass sie beide überhaupt schreiben konnten, aber von einem Medikus sollte man so etwas wohl erwarten können. Es hätte ihm eher seltsam erscheinen sollen, wenn er es nicht konnte "Jaja, euren Begleiter werdet ihr morgen kennenlernen" er faltete die Blätter zusammen und steckte sie in die Tasche, hob dann sein Glas Whisky und prostete den beiden zu "Auf einen gelungenen... ähm... Vertragsabschluss" so nannte man das wohl heutzutage "Nur damit ihr hinterher nicht sagen könnt ihr hättet ihn niemals angenommen" er grinste, leerte sein Glas und sah auf das von dem kleinen Jungen. Vermutlich trank der nicht viel. "Morgen Abend seid ihr um Mitternacht hier, euer Auftraggeber wird dann ebenfalls hier sein und euch alles weitere erklären... und dann wünsche ich euch viel Glück" das würden sie wohl brauchen... eine seltsame Sache war das... und nicht einfach gewesen ein paar Leute zusammenzutrommeln. Die meisten, die er hier gehabt hatte, hatten sich dann doch für einen der anderen Aufträge entschieden, nur die scheiß Abwasserkanalsache hatte er noch nicht unter Dach und Fach bringen können.... aber das war auch nebensächlich. Er hatte drei Männer... nun, zweieinhalb, aber immerhin... einen, dem er selbst vertraute, einen Medikus und somit wohl recht gebildeten, und einen... Laufburschen... was auch immer... Burschen für alles. So etwas konnte man immer gebrauchen und immerhin ging es nicht in erster Linie darum irgendwelche Schlachten zu schlagen. Hatte er zumindest so verstanden...

„Gut, ich werde da sein.“ erwiderte Dorian und nickte Jamie ernst zu. Nishantha hustete vor sich hin, nachdem er nochmals von dem Whisky versucht hatte: „Ich * hust * werde auch da sein. * husthust *“keuchte er und Dorian klopfte ihn auf den Rücken. Mit den Gedanken war er aber ganz woanders. Dieser Jamie wirkte so was von Selbstzufrieden, nun nachdem sie unterzeichnet hatte, dass es ihm nicht so ganz geheuer vorkam. Oder er bekam dafür eine dicke, fette Provision, dass er jemand aufgetan hatte. Was ja auch gut möglich wäre. Alles wenn und aber half nun aber nichts mehr. Sie hatten unterschrieben und nun war es nicht mehr zu ändern. Aber selbst die Uhrzeit zu der sie sich hier einfinden sollten war merkwürdige .. Fragen über Fragen blieben offen. Dennoch erhob Dorian sich jetzt. „Komm Milchbart, versorgen wir das Pferd und dann bekommst du deinen Braten und ein Glas Milch. Geh schon mal vor.“ Klopfte er dem Kleineren auf die Schulter. Nishantha sammelte sich alle Haferkekse zusammen und stopfte sie sich in seine Taschen, was Dorian stirnrunzelnd zur Kenntnis nahm. Der Junge schien ständig Angst zuhaben, nichts zu essen zu haben. Mager wie er war, hatte er diese Erfahrung wohl auch schon öfters gemacht. Nishantha verließ den Raum um nach dem Pferd zusehen. An Jamie gewandt fragte er noch. „Können wir unsere Sachen rasch auf´s Zimmer bringen? … Das ist doch mit einem Schloss versehen, oder? Ich habe nämlich das Gefühl, man sollte, das wenige was man hat gut unter Verschluss halten, in Zeiten wie diesen und ganz besonders in Êas.“ Viel von Wert besaß er nicht, aber seine Instrumente, Arzneien und Persönliches besaßen auch für ihn einen hohen Wert. Kaum hatte er seine Frage gestellt flog die Türe wieder auf und Nishantha sah sie beide mit großen Augen an. „Das Pferd … es ist weg.“ Sagte der Junge völlig von den Socken und Dorian seufzte. „Was für ein Glück, dass wir unser Hab und gut mit rein genommen haben … nun, haben eure Türen Schlösser?“

"Euer Pferd steht vor der Tür?" fragte Jamie plötzlich einigermaßen entsetzt und sah Nishantha hinterher, der sich vorher noch mit sämtlichen Keksen versorgt hatte.. dabei gab es gleich schon Abendessen "Dann hoffe ich für euch, dass es noch da ist... wertvolle Dinge sollte man nicht... auf offener Straße herumstehen lassen... nicht in dieser Stadt und erst recht nicht in diesem Viertel" aber jetzt war es ohnehin zu spät, so dass er nur noch abwinkte, sich nicht weiter kümmerte und sich Dorians anderen Fragen zuwandte "Ja, die Türen haben Schlösser" meinte er, kam jedoch nicht viel weiter, da kam der Bursche schon wieder herein und bestätigte seine Befürchtung "Sagte ich doch..." meinte er trocken und grinste ein wenig schadenfroh "Ihr seid in Êas... willkommen"

„Dann hat die Bevölkerung in Êas eine seltsame Art seine Gäste willkommen zu heißen.“ Knurrte Dorian vor sich hin. Das Pferd mochte kein großer Verlust sein, aber allein der damit verbundene Umstand behagte ihm nicht. Wo sollten sie morgen Pferde auf die Schnelle herbekommen? Am Ende wurde ihm dann morgen schon sein heute geklauter, alter Wallach zum Kauf erneut angeboten. Zuzutrauen wäre es diesem Pack. Andererseits, Jamie hatte gesagt, sie würden morgen vermutlich Pferde bekommen und er würde es nun ohnehin abwarten müssen, zumal Dorian wenig Lust hatte, sich heute nochmals auf die Straße und zu einem Pferdehändler zu begeben. „Gut, … gehen wir auf´s Zimmer.“ Sagte er zu Nishantha und sah nochmals zu Jamie: „Ähm, welches ist unser Zimmer?“ fragte er noch, denn das hatten sie ganz vergessen.

Jamie war aufgestanden und hatte die Gläser wieder auf das Tablett geräumt "Ja, so ist das hier" meinte er währenddessen und lachte dunkel "Moira wird euch euer Zimmer zeigen... wenn ihr wollt gibt es morgen Frühstück und wenn ihr schlau seid, dann verlasst ihr die Gaststätte nicht mehr... oder zumindest solltet ihr wieder hier sein, bevor es Abend wird. In diesem Viertel sollte man sich nicht alleine herumtreiben, wenn man sich nicht auskennt, nicht in der Dunkelheit... es mag gut gehen, wenn aber nicht habt ihr ein Problem" er hob das Tablett hoch und öffnete die Tür, um den beiden Burschen den Vortritt zu lassen und sie hinter ihnen wieder zu schließen "Wenn ihr aber rausgeht, rate ich euch eure Habseligkeiten hier zu lassen... ja, die Türen haben Schlösser" fügte er noch einmal an, hatte der Kleine davon doch nichts mitbekommen und er wollte so eine weitere Frage umgehen

„Und ein Bad? Gibt es ein Bad?“ fragte Nishantha und trapste neben Jamie die Treppe hoch. Dorian hätte ihm am liebsten einen Stümperer gegeben. Auf was der Bengel manchmal so kam war wirklich unbegreiflich. Jamies dunkles Lachen hallte durch den Keller und Dorian nahm sich vor, nicht vor die Tür zu gehen, wenn es sich nicht umgehen ließ. „Wir werden hier bleiben … wieso auch nicht, Ist doch ein exzellentes Haus.“ Schleimte Dorian ein wenig und nicht ganz ernst gemeint. Aber es war ihm alles recht, so lange sie nur ab morgen Abend etwas genaueres erfuhren und dann eine gut bezahlte Arbeit hatte. Die Entscheidung war gefallen und nun würden sie eben das Beste daraus machen. „Wenn es kein Bad gibt, kannste ja draußen im Fluß schwimmen … aber dann auch gleich im Pferdestall übernachten.“ Brummte Dorian noch an Nishantha gewandt hinterher.

"Danach musst du meine Frau fragen... für ein Bad ist es zu spät, außerdem kostet es extra... vielleicht versuchst du es morgen früh" Jamie ging hinter den beiden her zurück in die Gaststube, stellte das Tablett auf den Tresen und teilte seiner Frau mit, dass sie das Zimmer im Dachgeschoss zurechtmachen sollte, sofern das noch nicht geschehen war und rief in die Küche, dass sie das Essen fertig machen sollten "Sucht euch einen Tisch aus, wenn ihr eure Sachen weggebracht habt, folgt einfach Moira, danach lasse ich euch das Essen bringen"

Nishantha machte ein langes Gesicht, als er erfuhr, dass das Bad extra kostete, aber Dorian stupste ihn mit dem Ellenbogen an. „Mach nicht so ein langes Gesicht, … nachdem Kost und Logis frei ist, spendier ich dir eines.“ zwinkerte er dem Jüngeren zu und würde sich selbst auch noch eines morgen früh gönnen. „Hatziii.“ Machte es wieder an seiner Seite, doch selbst das klang diesmal begeistert. „Ich schätze, das essen nehmen wir lieber auf unserem Zimmer ein.“ Sagte Dorian deshalb noch an den Wirt gewandt, ehe ihnen diese Moira den Weg zu ihrem Zimmer im Dachgeschoss weiß.

Geändert durch Kalima (02.08.2007 12:35)

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Centaurea

Gefährte

Re: Êas - 17.4. Mitternacht [Re: Kalima]

Angewidert verzog Teltor das Gesicht. Es hatte schon seine Gründe, dass er die Gegend um den Hafen herum mied, wenn es nur irgendwie möglich war. Vor allem nachts trieb sich hier noch mehr Gesindel herum als am Tag, was man eigentlich kaum für möglich halten mochte. Nicht dass Teltor vor irgendwelchem Gesindel Angst haben musste. Seine imposante Gestalt reichte meist, um die Kleinkriminellen von seinem Geldbeutel fernzuhalten und der Ruf, den er durch die Arbeit bei Jeremon in gewissen Kreisen gewonnen hatte, schützte ihn vor den etwas weniger kleinen Kriminellen. Für die Großen des Geschäftes wiederum war er nicht interessant genug. Alles in allem reichte das für ihn, um in Êas kein allzu schlechtes Leben zu haben.
Wen seine imposante Gestalt so gar nicht zu beeindrucken vermochte, war der widerliche Gestank, der vom Fluss herüberwehte. So etwa musste sich der Mann heute gefühlt haben, dessen Nase mit Teltors Faust zusammengeprallt war und im selben Moment ein eklig-knackendes Geräusch von sich gegeben hatte. Teltor verstand noch immer nicht, wie irgendwer auf die dämliche Idee gekommen sein mochte, diesen Wicht mit ihm zusammen in den Ring zu stellen, der hatte mit seinen Ärmchen ja kaum sein Gesicht erreicht, geschweige denn, dass er da irgendwas ausgerichtet hätte. Aber Telor hatte nicht nachgefragt, das tat er ohnehin fast nie. Ein Grund, warum Jeremon seinen Schützling so lange behalten hatte. Er hatte den Kampf ein bisschen hinausgezögert, um ihn spannender zu machen, und ihn dann schnell und blutig beendet. Und sein Geld eingestrichen, das er heute Abend eigentlich noch ausgegeben hätte, wären Jeremons Pläne nicht anders gewesen. Deswegen war er jetzt hier, im wohl miesesten, auf jeden Fall aber am miesesten riechenden, Teil der Stadt, um in einer kleinen verlotterten Hafenkneipe einen Kerl namens Jamie zu treffen.
Gegen Mitternacht, wie sich das gehörte.
Teltor öffnete die leicht lädiert wirkende Tür und zog den Kopf gewohnheitsmäßig ein, als er die Kneipe betrat. Ungewöhnlich voll war sie, und gewöhnlich laut und stickig. Gast war er hier jedenfalls aus guten Gründen selten. Er wusste, dass das Bier schmeckte, als hätte man es aus dem Fluss geschöpft, und dass für den Wein das gleiche galt, nur dass der dafür bei weitem zu sauer war.
Er würde sich hier möglichst wenig aufhalten, einfach seinen Auftrag entgegennehmen und dann schleunigst wieder an die frische Luft gehen, so man etwas in dieser Stadt so nennen konnte. Zielstrebig trat er an den Thresen und sah im letzten Moment davon ab, seinen Arm lässig auf die versiffte Holzoberfläche zu legen. Die Aufmerksamkeit des Wirtes brauchte er wenigstens nicht mehr zu erregen, die hatte er naturgemäß seit seinem Eintreten schon sicher gehabt.
"Jamie?", fragte er das hässliche Gesicht einfach. Er würde schon wissen, wen er suchte.
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catrail

All Out

Re: nordwestlich von Êas, 17.4., morgens [Re: Centaurea]

Mit Unterbrechungen aber stetig wiederkehrend bohrte sich ein jämmerliches Geräusch in seinen Schädel. Er starrte mit zusammengekniffenen Augen den Hang hinauf, der aussah, als wäre vor kurzem eine Herde Wildschweine und eine Ladung Felsbrocken oder dergleichen heruntergewalzt. Felsbrocken gab es zur Genüge, und man musste nicht mit sonderlichem Scharfsinn und auch nicht unbedingt mit einem Gedächtnis gesegnet sein um zu ahnen, was passiert war, wenn man geprellt am Fuße der Schneise hockte… Mit einem Laut der irgendwo zwischen einem Stöhnen und einem unterdrückten Grunzen lag, raffte er sich auf, um seinen stummen Gesellschafter etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Die Kleidung des Mannes, der zum Zeitpunkt seines Todes – also vor etwa einer halben Stunde – ungefähr das Alter von fünfundvierzig Jahren erreicht hatte, verriet definitiv Wohlhabenheit, und legte außerdem die Vermutung nahe, dass er sich sorgfältig für eine ausgedehntere Reise gerüstet hatte… Er machte weder den Eindruck eines Kämpfers noch eines Stubenhockers. Waffen trug er nicht bei sich.
Und das Geräusch weiter oben… er verließ seinen Begleiter vorerst, um das zu erkunden. Er kletterte mühsam und mit schmerzenden Knochen nach oben, mittendrin innehaltend und kurz über die Tatsache nachdenkend, dass er offenbar ein reichhaltiges Repertoire an Flüchen parat hatte, welches ganz augenscheinlich nicht im Mindesten gelitten hatte. Sehr merkwürdig. Ob er es beruhigend finden sollte, wusste er nicht…
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