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Gesellschaft, Kultur, Freizeit » Off Topic Forum » Der 11.9.2001 und seine globalen Konsequenzen

MorgothderGrosse

Gefährte

Der 11.9.2001 und seine globalen Konsequenzen

Die verheerenden Anschläge vom 11.9.2001 auf das WTC und das Pentagon sind nun fast zwei Jahre her-Zeit für einen Rückblick, aber auch für einen Ausblick auf die Zukunft. Der 11.September ist ein Datum, an das sich die Menschheit lange erinnern wird-schon nach zwei Jahren hat dieses eventuell epochemachende Ereignis geradezu eine Lawine von politischen Ereignissen hervorgerufen und das Gesicht der westlichen Welt nachhaltig verändert.

Bereits am 7.10.2001 begann als erste unmittelbare Wirkung des 11.9.2001 der Feldzug gegen Afghanistan, der erste indirekt von der Al Quaida verursachte Krieg. Bis dahin schien die politische Ordnung noch vorhanden: Europa stand treu auf der Seite der Amerikaner, und der Krieg war weitestgehend legitimiert und gerechtfertigt.

Gleichzeitig bahnte sich in den USA langsam und schleichend, aber immer deutlicher, eine Einschränkung der Persönlichkeitsrechte, besonders der Rede-und Pressefreiheit, an. Ebenfalls wurden bestimmte Volksgruppen diskriminiert, Polizei und Militär erhielten erweiterte Befugnisse. Die amerikanische Bevölkerung unterstützte und unterstützt diese Maßnahmen mit überwältigender Mehrheit aus dem von US-Medien geschürten Glauben heraus, die USA befänden sich in einem Zustand permanenter Bedrohung, der solche harten Maßnahmen erforderlich mache. Ohne die amerikanische Regierung in einen Vergleich mit dem Nationalsozialismus setzen zu wollen, muss man feststellen, dass der 11.September in den USA durchaus eine sehr ähnliche Wirkung hatte wie der Reichstagsbrand 1933 auf das damalige Deutsche Reich. Wie damals werden harte Maßnahmen einer radikalen politischen Gruppierung gutgeheißen, um eine scheinbare nationale Bedrohung abzuwenden.

Ebenfalls wie damals werden diese Maßnahmen jedoch auch nach Jahren nicht außer Kraft gesetzt. Wie schon erwähnt: Nichts liegt mir ferner als ein Vergleich zwischen Bush und Hitler, doch radikale Tendenzen in Bushs Gefolgschaft sind nicht zu leugnen. Der 11.September bot nun die Gelegenheit, diese Tendenzen und Theorien, die noch vor ein paar Jahren absurd klangen, in die politische Realität umzusetzen. In dieser unkontrollierten Situation entfaltet die Bush-Regierung eine aggressive Außenpolitik, die ich deswegen zu den unmittelbaren Folgen des 11.9.2001 zähle-auch, wenn der Wunsch, diese Theorien in die Tat umzusetzen, schon vor den Anschlägen vorhanden gewesen sein mag.

Dieses neue Gebärden der amerikanischen Politik und der daraus resultierende Irak-Krieg (Somit auch eine Folge des 11.9) führen zur nächsten großen Konsequenz der Terroraktionen: Kontinentaleuropa und die USA, bis 1990 durch die Angst vor der Sowjetunion zusammengeschweißt, driften auseinander. Die Unterschiede in den politischen und moralischen Ansichten zwischen Amerikanern und Europäern waren auch während des Kalten Krieges vorhanden, wurden aber durch die Angst vor dem Warschauer Pakt unterdrückt und kamen nie zum Ausbruch. Die veränderte amerikanische Außenpolitik nach dem 11.September brachte das Ventil nun zum Platzen und zeigte deutlich, wie sehr sich Europäer und Amerikaner mittlerweile voneinander entfernt haben.

Dies war nur eine kurze Zusammenfassung der Resultate des 11.9.2001 nach lediglich zwei Jahren. Wie wird der 11.September die Welt weiter beeinflussen? War er eines dieser Ereignisse, die der Weltgeschichte eine neue Wendung gaben, oder werden seine Folgen bald verblassen?
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Oxford

Titelträger

Re: Der 11.9.2001 und seine globalen Konsequenzen [Re: MorgothderGrosse]

Wie du ja bereits festgestellt hast, ist die Frage, inwieweit der 11. September wirklich ursächlich war. Es besteht durchaus Anlass zu glauben, dass er "nur" Auslöser der heutigen amerikanischen Außenpolitik war und ist.

Ein sehr guter Beitrag übrigens, Morgoth. Ich kann mich ihm in eigentlich allen Punkten anschließen.

Ausblick: Die Frage wird sein, a) inwieweit sich Russland innenpolitisch und wirtschaftlich stabilisieren kann. Wenn es wirklich zu einem "gutmütigen Riesen" mutieren sollte, wie es einige voraussagen oder hoffen, dann könnte sich Europa ihm tatsächlich stärker zuwenden. Das bedeuete natürlich einen stärkeren Bruch mit Amerika. Des Weiteren ist b) entscheidend, wie sich Europa weiter entwickelt. Derzeit herrscht ja noch ein ziemliches Tohouwabohou (wie schreibt man das?), was innere Angelegenheiten der EU angeht. Und auf eine Linie wird man die Mitglieder in außenpolitischer Hinsicht auch nur schwerlich bringen können. Ich behaupte, Europa hat es selbst in der Hand, inwieweit sie von Amerika abhängig sein wollen.
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Thranduil

Gefährte

Re: Der 11.9.2001 und seine globalen Konsequenzen [Re: Oxford]

Oxford schrieb:
Wie du ja bereits festgestellt hast, ist die Frage, inwieweit der 11. September wirklich ursächlich war. Es besteht durchaus Anlass zu glauben, dass er "nur" Auslöser der heutigen amerikanischen Außenpolitik war und ist.




...um nicht zu sagen, der 11.September war der Wegbereiter, der "Türöffner" für die momentane US-Politik. internationale Verträge gebrochen, die 3.Welt gegängelt und sich als Weltpolizist aufgespielt, das gab es ja alles schon vorher, nur wird das jetzt alles potenziert und immer mit dem Anti-Terror-Totschlagsargument gerechtfertigt.
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MorgothderGrosse

Gefährte

Re: Der 11.9.2001 und seine globalen Konsequenzen [Re: Thranduil]

Hallo zusammen,
Dass Russland sich in absehbarer Zeit stabilisieren kann, halte ich nicht für wahrscheinlich-zumindest sehe ich keinen Grund, weshalb es sich in näherer Zukunft aus seiner Krise manövrieren könnte. Europa wird-so denke ich-leider in der absehbaren Zukunft keinen Gegenpol zu den USA bilden können. Die militärische und politische Bedeutung der EU ist momentan nicht ausreichend, um in der Welt genug Gewicht zu besitzen und so den USA sinnvoll entgegenwirken zu können.
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Thranduil

Gefährte

Re: Der 11.9.2001 und seine globalen Konsequenzen [Re: MorgothderGrosse]

die Frage ist, ob das denn notwendig ist. Die Zeiten vor allem militärischer Konfrontation sollten eigentlich vorrüber sein!
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MorgothderGrosse

Gefährte

Re: Der 11.9.2001 und seine globalen Konsequenzen [Re: Thranduil]

Ja, sicher, so meinte ich das auch nicht. Natürlich dachte ich nie an eine militärische Konfrontation zwischen Europa und den USA-Gott bewahre. Ich meinte, dass eine erhebliche militärische Stärke notwendig ist, um in politischen Fragen auf der Welt ernstgenommen zu werden und seiner Meinung Gewicht zu verleihen-auch, wenn ich diese Tatsache nicht gutheiße.
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Thranduil

Gefährte

Re: Der 11.9.2001 und seine globalen Konsequenzen [Re: MorgothderGrosse]

also ein neue kalter krieg? Immer noch Zahlenmässigkeit der Armee als gewichtigstes Argument in der weltpolitischen Diskussion? hmm, lass mich kurz nachdenken ob ich das will... hmm nein.
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MorgothderGrosse

Gefährte

Re: Der 11.9.2001 und seine globalen Konsequenzen [Re: Thranduil]

Ich weiß es nicht. Solange beide "Kontrahenten" Demokratien im weitesten Sinne sind, würde ich einen Kalten Krieg vielleicht einer allmächtigen, einzigen Supermacht ohne Kontrolle, was die USA derzeit sind, vorziehen.
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Desdemona

Gefährte

Re: Der 11.9.2001 und seine globalen Konsequenzen [Re: MorgothderGrosse]

@MorgothderGrosse

Wenn Du Dir noch einmal die Situation im Kalten Krieg real vor die Augen führst, wirst Du mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit Deine vorherige Aussage zurückziehen. Aus der zeitlichen und räumlichen Distanz mag sich vieles relativieren; allein der Kalte Krieg war eine Epoche, die weder vergnüglich noch politisch leichtgewichtig war. Ohne jetzt übertreiben und ohne simplifizieren zu wollen, wage ich ernsthaft zu behaupten, dass diese Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von einer Eskalation nicht allzu weit entfernt war. Lediglich Glück und die letzten Endes doch siegende Vernunft einiger Staatsmänner haben die Welt vor diesem Desaster bewahrt und gerettet.

Dass die Lage heutzutage nach meinem Dafürhalten besser ist als zu Zeiten des Kalten Kriegs, ist allerdings mitnichten damit gleichzusetzen, dass ich mit dem außenpolitischen Agieren der Vereinigten Staaten einverstanden und zufrieden wäre. Gewissens- und schamloser als all seine Vorgänger im Amt missbraucht George W. Bush das Unglück vom 11. September, um eine Außenpolitik zu betreiben, die im Hinblick auf die Skrupellosigkeit ihresgleichen sucht. Nach meiner Auffassung verstößt sie nicht nur gegen alle geltenden Regeln der politischen Moral, sondern widerspricht desgleichen den ungeschriebenen Richtlinien der Diplomatie und Vernunft. An Lächerlichkeit nicht zu überbieten sind seine Kriegsbegründungen, wiewohl auch Kollege Blair für die Rolle eines Baron von Münchhausens zu nominieren wäre. Konnte man zu früheren Zeiten tatsächlich explizit einen Feind ausmachen und bestimmen, so hat sich im 21. Jahrhundert die Lage grundlegend und fundamental verändert. Den Feind par excellence gibt es nicht mehr; er hat kein bestimmbares Gesicht mehr und wird aus diesem Grunde auch im Endeffekt immer und überall der Stärkere sein. Bushs Misserfolg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus ist hierfür ein glänzendes Beispiel.

Amerika verliert in diesen Zeiten immer stärker an außenpolitischem Ansehen und an politischer Legitimität, die bis dato nicht auch nur ansatzweise zur Disposition standen. Wer Partner und Verbündete in diesem Grade brüskiert und die Vereinten Nationen zum Hampelmann degradiert, muss sich über die Bewusstseinsveränderung in Europa allerdings weder wundern noch braucht er sich in eine künstliche Empörung hineinzusteigern, wie es guter Usus beim Secretary of Defense geworden ist. Mich beunruhigen diese Alleingänge der Vereinigten Staaten und wer sie als gefährlich einstuft, ist meines Erachtens weder ein Polemiker noch ein Verkenner der Sachlage.

Wer allerdings für die nahe oder ferne Zukunft auf Europa als Gegengewicht zu Amerika Hoffnungen setzt, wird bitter enttäuscht werden. Die Frage, ob dies überhaupt sinnvoll wäre, sei einmal für den Moment dahingestellt. Europa ist trotz trauter Zeremonien und gegenseitiger Liebesbekundungen kein starker Kontinent, geschweige denn eine starke Union; auch enge Schulterschlüsse wie zwischen Deutschland und Frankreich sollten keineswegs über diese Tatsache hinwegtäuschen. Diese innere Schwäche dieses "Bündnisses" liegt nicht so sehr an der Unfähigkeit der jeweiligen Regierungschefs; vielmehr ist sie systemimmanent. Ein Kontinent, der sich aus vielen verschiedenen Kulturen, Lebensansichten, Ethnien, Religionen und Sprachen zusammensetzt, wird niemals mit einer Stimme sprechen können - und dies wäre noch die simpelste und geringste Prämisse für ein starkes Europa. Selbst bei einer im Verhältnis zu kommenden Problemen doch sehr einfachen Frage wie die des Irak-Krieges war Europa unfähig, auch nur im Ansatz mit einer Stimme zu sprechen. Wie dies dann in Zukunft wohl aussehen wird, brauche ich kaum auszumalen. Nebenbei bemerkt ist das Sprechen mit einer Stimme noch lange nicht gleichzusetzen mit Stärke.

Trotzdem ich gegen das Agieren der Amerikaner im Status quo bin und trotzdem ich diesen an den Tag gelegten Habitus degoutiere und missbillige, sollte der Ehrlichkeit und Vollständigkeit halber doch en passant erwähnt werden, dass die Europäer, beziehungsweise die europäischen Regierungen, selbst genug Dreck am Stecken haben. Denn auch der Bundesrepublik sind die Amerikaner mit ihrer Politik beileibe nicht so suspekt, wie sie immer und stets aufs Neue suggeriert. So sollte man im Bewusstsein behalten, dass beispielsweise die Amerikaner es sind, die die Drecksarbeit im Nahen Osten - expressis verbis in Israel/Palästina - übernommen haben, während die Europäer vom sichern Port gemächlich darüber befinden, inwiefern das amerikanische Handeln in eben jener Region als richtig oder als falsch zu werten ist. Wiewohl die Amerikaner sich nur halbherzig um den Friedensprozess kümmern, sollte man sich im europäischen Kulturkreis diesbezüglich besser in Schweigen üben; denn die Verantwortung liegt eigentlich und im Grunde genommen nicht bei den Amerikanern, sondern schon allein vom moralischen und historischen Aspekt gesehen bei den Europäern. Zudem sind den Europäern die amerikanischen Völkerrechtsbrüche oft nicht nur kein Gräuel, sondern werden oftmals von jenen initiiert - der Kosovo lässt grüßen.

Geändert durch Desdemona (14.07.2003 22:40)

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MorgothderGrosse

Gefährte

Re: Der 11.9.2001 und seine globalen Konsequenzen [Re: Desdemona]

Hallo Desdemona,
Ich vertrete hier eine andere Ansicht. Seit den späten 50ern bemühten sich USA und UDSSR um eine friedliche Koexistenz, und seit der Kubakrise hat meiner Meinung nach nie mehr die reale Möglichkeit eines direkten Krieges zwischen den beiden Mächten bestanden. Wie sehr sich die beiden Staaten vor einer direkten Konfrontation fürchteten, zeigen der Vietnamkrieg und der russische Einmarsch in Afghanistan 1979-selbst in dieser Situation hat das Risiko einer militärischen Konfrontation nicht bestanden. Ich bleibe bei meiner Meinung-ein Kalter Krieg mit einer winzig kleinen Wahrscheinlichkeit eines großen Krieges ist mir lieber als viele kleine, heiße Kriege.
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